free download kuckuck network archive NewCatch.com

Erkenntnistheorie und politische Praxis - Seit 1973 - Redaktion: Horst Lummert

1985-04-24

Erich Knapp

Zum Bitterfelder Weg

Variation WB r.-k.

Zu "Indizien" (vgl. kuckuck 47 - kkk) kann ich nur noch erratisch Stellung nehmen. Denn für mich gibt es nun zwei Horst Lummert.

Der eine ist im Zorn zu beschimpfen, bei ruhiger Überlegung zu ignorieren. Der andere hatte seine großen Verdienste und wird sich weitere künftig erwerben.

Es ist um des zweiten willen, daß ich auf den ersten eindresche, denn für den zweiten hoffe ich.

Aber ich bin nicht ein Psychiater Prinzhorn, der KUCKUCK sammelt, ich bin nicht überlegen, sondern mitten drin im Getümmel.

Es empört mich, wie Lummert - eher spinnen- als vogelartig - Menschen umgarnt bis zur Unkenntlichkeit.

Es empört mich nicht nur meinetwegen, sondern auch der anderen kkk-Beuten wegen. Und nicht zuletzt Lummerts wegen, der besseres verdient hat als Erniedrigungen.

Sigmund Freud hat sein Instrumentarium geschaffen für humane Aufklärungen. Allenthalben wird es mißbraucht als Arsenal im Geltungskrieg.

So muß es kommen in einer sozial nichtrevolutionierten Welt. Helfen Reformen den Konservativen?

Ein Glück, daß Hitler und Stalin von den Waffen des Freudianismus nichts wußten. Doch jene Intellektuellen, die sich auskennen in der Psychoanalyse und sie unredlich benutzen wie der Sadist das Besteck des Chirurgen - sind nicht sie die kleinen Hitler und Stalin?

Nicht Lummert bezeichne ich so. Er wenigstens ist kein Lau- und Schlaumeier. Für ihn soll bis jetzt noch gelten:

Das Böse, die Aggression haben ebenfalls eine positive Funktion, wenngleich sie vorübergehend ist: sie festigen Ausdauer und Willenskraft. Mit der fortschreitenden Vervollkommnung des Menschen wird die Bosheit gewißlich vergehen, nicht aber diese erworbenen Eigenschaften, die nunmehr auf ethische Ziele gelenkt werden (Pina Navé, Kabbala und Glaubenspraxis; in: Mystische Erfahrungen, Freiburg 1976).

Wo denn beginnen mit der Widerrede? Systematisch getan, müßte ich eine Autobiografie schreiben. Doch schrieb ich Lummert schon vor Jahren nach seiner ersten Attacke gegen mich, in je meinem und seinem Heimatdialekt: Ohje, de kloa Knappsche - janz jroß!

Ich bin mir nicht wichtig genug für Bio- und Autobiografien. Deshalb kann ich den kunstvoll-bösen Zopf von Richtig und Falsch, an dem Lummert mich hängen will, nicht aufdröseln.

Nur das kann ich einwenden, was ganz grob verschrieben ist.

Zum Komplex Israel/Judentum/Christentum/ Zionismus würde ich gern gesondert Stellung nehmen und nicht gestört durch die Abwehr von Falschmeldungen über mich.

Nur dies heute dazu: Es ist nicht wahr, daß meine Sympathie für den Staat Israel sich nach dem Sechstagekrieg oder nach 1973 gewandelt habe.

Ich bin kein 1968er Linker, und ich habe de Gaulles dumme Worte über die angebliche Herrschsucht der Juden, die Projektion seiner Präpotenz, entschieden abgelehnt.

Erst die Libanon-Invasion und die Art ihrer, nunja, Durchführung haben mich entsetzt, für eine ganze Weile ratlos gemacht, schwankend.

Aber da bin ich in guter, auch israelischer, Gesellschaft.

Grundsätzlich allerdings habe ich es nie verstanden, meine uralte Ablehnung des völkischen Paradigmas zu vereinbaren mit meiner Sympathie für die zionistische Rettungsaktion, die ja, man erinnere sich der äthiopischen Falaschen, nicht abgeschlossen ist.

Vielleicht waren die Scherben, die die Libanon-Aktion in mir geschlagen hat, notwendig. Ich wurde gezwungen, mir eine kohärentere Stellung zu schaffen. Doch dazu nicht heute, vielleicht auch nicht hier.

Mit was habe ich Lummerts Haß auf mich gezogen? Mit ein paar lockeren Kraftworten? Mit privaten Aussagen und Traumprotokollen, mit freien Assoziationen, die auch Todeswünsche hochspülten? Mit meinem adieu au prolétariat?

Aber er weiß doch, daß auch die Geringsten sich an Das Gesetz zu halten haben. Niemand hat das Recht, einen Mitmenschen ins Messer laufen zu lassen, nur weil er - z.B. Angestellter als Vorgesetzter von Arbeitern - einer anderen Klasse angehört, die nach einer bestimmten Denkregel abzuschaffen sei.

Lummert ist derjenige im deutschen Sprachraum, der die zentrale Wichtigkeit des ethischen Monotheismus für den Neubau der Gesellschaft erkannt und herausgestellt hat. Das bleibt sein Verdienst, ungeachtet aller Schmutzereien.

Ich nehme doch an, daß er nicht Monotheismus schlechthin gemeint hat, sondern ethischen Monotheismus.

Dann kann er nicht verdrängen, daß jene, die auf ihr Recht klagen, sich selbst an das Recht - natürlich nicht das der Herren, sondern das, das wir mit unserem Gewissen wissen - halten müssen.

Sofern das nicht mehr geschieht, hat sich ein Proletariat selbst sein Adieu gegeben. Genauer gesagt: seinen Abschied à Dieu.

Mir seien die Kinder von Kirjat Schmoneh gleichgültig gewesen, fabelt Lummert. Ist er größenwahnsinnig? Wer glaubt er zu sein, daß ich mir die Mühe machte, ihn privatbrieflich zu belügen? Macht er vielleicht solche Sachen?

Ich lass' es mir nicht nehmen: Lummert hat seine Verdienste. Er hat, offenbar nach einigem natürlichen Schwanken, den Biologismus/ Naturalismus im Ökologismus erkannt, das Rassistische im Feminismus.

Warum erkennt er nicht, was ich mit meinem Verwestlichungsversuch des Begriffs Nation, gegen Dutschke, die "KPD", die Solidaristen, Bonn/Karlsruhe usw. gewollt habe?

Ich erkläre das nie mehr, ich hab's oft genug getan. Da Falschverständnisse Folgen haben, werden Folgen sich einstellen. Mit mir wird das nicht heimgehen.

Der ewige Rekurs zum Etymologischen! Hat die Härte meiner Konsequenz den Lummert zurückgeworfen auf sein Volkliches? (Ich spreche keineswegs vom Völkischen, sondern von der Enkulturierung, der wir alle, ausnahmslos, unterworfen wurden.)

Oder liegt das tiefer? Lummerts Aversion gegen die Republik Masaryks und Beneschs, seine Sympathie mit den Sudetengaunern - ja gewiß: ihre Überzahl hat eine demokratische Republik, die einzige Mitteleuropas, zerstört. Das war bewußter Hoch- und Landesverrat. Vielleicht hätte ich früher mißtrauisch werden sollen.

Damals wurde ich, aber aus sudetengaunerfreundlicher Richtung, aufgefordert, nicht mehr in kkk zu schreiben, wurde vor Lummerts Illoyalität gewarnt. Ich lehnte gelassen ab. Der Aufforderer würdigt mich seitdem keines Wortes mehr.

Ihm wiederhole ich, daß ich verantwortlich gemacht werden möchte strikt nur für das, was ich zur Veröffentlichung schreibe, nicht aber für den Ort, wo ich publiziere. Nicht für den Verleger und seine Ansichten und Moral.

Lummert will mich zum Nazi fälschen und macht sich dabei unglaubwürdig. Das Deutsche Reich, schrieb ich, endete in einem Holocaust. Hat es den zwischen 1942 und 45 nicht gegeben? Will Lummert suggerieren, ich hätte gemeint, mit dem Kriegsende habe ein Holocaust an deutschen Ariern stattgefunden? Warum das Zitat einer Selbstverständlichkeit?

Am 17.4.84 schrieb ich ihm privatbrieflich und mit dem ausdrücklichen Zusatz: "Diesen Abschnitt gebe ich jetzt schon zur Veröffentlichung frei." Was geschah? Lummert zitierte ohne Schamgefühl, aber ausgerechnet diesen Abschnitt verkürzt. Ich schrieb:

"Was ich für die schlimmste moralische Korruption der Deutschen" - also nicht der Nazis! - "halte? Nicht die Naziverbrechen. Diese Korruption war zwar Weltklasse, aber sie wurde nach 45 übertroffen." Hier also stoppt Lummert mit dem Zitieren. Ich schrieb aber noch dies:

Dann nämlich lag alles offen, Verbrechen wurden Verbrechen genannt, Namen veröffentlicht usw.. Jahrzehntelang konnte man alles lesen. Die Nazis hatten relativ im geheimen gewütet. Jetzt gab es keine Geheimnisse mehr. Und nun wurden die Schuldigen... nicht verurteilt... und bald wieder freigesetzt. Nun wurden Verbrecher, die als solche bekannt waren, Beamte, Polizisten, Staatssekretäre, Minister. Nun wußte man: Verbrechen lohnt! Diese Lektion hat alles zerstört, was vom Moralischen die Nazizeit überstanden hatte. Alles. Insofern ist die Bonner Republik schlimmer als das Nazireich.

Vielleicht ist man so freundlich und denkt einmal darüber nach, in und bei Bitburg etwa, wo sich das Christenpack-Nazipack demnächst verklumpt. Einer von den beiden Horst Lummert gehört dorthin.

Es leben Zeugen genug, die wissen, daß ich nicht der freche Pimpf gewesen bin, als den mich der forsche HJ-Trommler aus unpolitischem Haus hinstellen möchte. Ich wollte, ich wäre es gewesen, das hätte mir 20 Jahre Asthma erspart: Aggressionen nach außen sind gesundheitsschonend, für den Aggressor.

Wie kommt Lummert dazu, meine Großmutter als Nazistin zu bezeichnen. Er, der Antinazi, zitiert aus nazistischen Denunziationen!

Das Enthüllendste sicher dies: Ich hätte mich als Jude aufgespielt. Bitte wo? "Den Nazis." Ich habe privatbrieflich dieser moralisch schiefen Figur - tut mir leid, aber so ist es - einiges von mir erzählt, wie er von sich und seiner Frau erzählt hat. Möglich, daß er gelogen hat, mir eine "Falle" stellen wollte.

Ich habe die Wahrheit gesagt. Aber damit war ich sonst immer sehr zurückhaltend gewesen, zu zurückhaltend. Der "Nazi", dem gegenüber ich mich als "Jude" entdeckt habe, wäre nach Lummerts jesuitischer Beweisführung - er selbst!

Da paßt es genau, daß er ausgerechnet den Erzverleumder und geistig kranken Manichäer Johannes, den Antisemiten unter den vier Evangelisten zitiert.

Offen gestanden, habe ich Lummerts HJ-Führer-These für einen Schmarrn gehalten. Zumal ich nicht einsehe, warum Söhne von Nazis nicht in der ("Wieder"-) Gutmachung tätig sein sollen. Wenn der Vater saure Früchte gegessen hat, so steht es in der Bibel, sollen die Zähne der Söhne nicht stumpf werden. Aber hierzu jetzt weiter nichts, mag Lummert selbst erklären, warum er den Söhnen derart grollt.

Festhalten muß ich dies: Am 4.3.85 telefonierte ich mit einem alten politischen Hasen. Der sagte mir, Lummerts HJ-These sei richtig, wenngleich er, H.L., die Strömungen nicht differenziere.

Ich war baff. Mein Gesprächspartner meinte keineswegs das, was ich das stalinazistische Netz in GRÜNEN und Friedensbewegung nenne und oft genug dargestellt habe. Nein, das nicht. Das gebe es zwar auch. Sondern ein HJ-Führer-Netz, nicht als Residuum abgelebter Jugenderlebnisse alter Männer, sondern als politisch aktive informelle Organisation!

Daß Lummert deren Strömungen nicht kennt - wie sollte er's?

Ob Hitlers rechter oder linker Hoden, das wäre noch zu erforschen. Angebratenes Fleisch hat ebenfalls Dauer, nicht nur fehlendes. Kann überhaupt, was nicht da ist, andernorts da sein? Was Hitler nicht hatte, nie, kann das von Hitler sein?

Ich nehme kein Blatt vor den Mund, wenn ich Lummert rüge. Gleichermaßen habe ich zu berichten, was mir einer mitgeteilt hat, der älter und bereister ist als ich. Lummert schien letzthin selber unsicher zu werden mit seiner, dieser These.

Die Art seines Forschens erschwert auch die Wahrheitsfindung, unnötig, wie ich meine. Aber er hat wieder einmal, so hat's den Anschein, eine richtige Spur.

Mit der Zeit sollen die falschen Fährten, die er aufzuspüren glaubt und oft selbst legt, verziehen sein. Doch ganz so hurtig geht's halt nicht.

Es hängt auch von ihm selbst ab. Hat man bösen Willen, läßt man seinen Mitmenschen nur als Lügner gelten, dann landet man in Abgründen, die man selbst gebuddelt hat.

Wie sieht einer denn aus, der P. van Spall, jetzt in Sri Lanka zur Kur, "für einfältig" hielt und auf seine Empfehlung hin Mitarbeiter bei NEUE POLITIK wurde?

Gewiß, das kann passieren. Auch ich bin schon auf gutgemeinte Ratschläge breiter Naturen eingegangen, die dann einfach nicht zu meiner schmaleren Figur gepaßt haben.

Solche Röcke mußte ich dann ausziehen, das ging nicht immer glatt. Aber wenn ich dann jemanden für einfältig hielt, dann nur mich. Hätt halt aufpassen müssen. Unversehens wird man zu einem der vielen Mystiker dieses Landes, das Klima macht's.

Da war immer ab 1945 ein Zweifrontenkrieg zu führen gegen Nazis und gegen Stalinisten. Schwer genug. Der kleine Mann versucht, die einen gegen die andren auszuspielen.

Etwa ab 1959 - Wehners Bundestagsrede emblematisch genommen: die SPD nahm Adenauers endgültige Reichsspaltung durch Wehrbeitrag und Westbindung (das muß sich nicht immerzu decken, NATO und Westeuropa!) endlich hin; merkwürdiger Weise nimmt Lummert die SPD-Politik vor 59, den Plan einer paritätisch besetzten deutschen Konföderation nicht als "ns-bolschewistische Zusammenarbeit" - etwa also ab 59 entfaltete sich dieser Zwei- zu einem Dreifrontenkrieg.

Besser gesagt: wir waren schon längst überwältigt worden und begannen uns zu wehren.

"Antiklerikalismus", naja, schul-, innen-, rechts-, libertärpolitisch mag man mit Lummert das so altmodisch nennen.

Solange Papst Johannes ohne den Paulszusatz noch den faschistoiden Schutt der Pius-Epoche abräumte, schien das ein Scharmützel. Eigentlich erst mit Woityla, Nachfolger eines vermutlich ermordeten Papstes, wurde es ernst.

Ich verstehe das nicht. Lummert für die Tora und auch für gerade die Religion, die wie keine andere gegen die Tora steht?

P.W. Wenger prägte den Ausdruck "rotierende Opposition".

Wird Lummert römisch-katholisch, seit er mir den Wert der Tora nahegebracht hat? Oder steckt ein Jesuit hinter ihm? Ich habe dazu kkk am 2.3.85 einige Fragen gestellt.

"Wenn die alten und neuen Nazis gegen Rom Front machen, bin ich auf seiten Roms", schrieb H.L. auf S.17 in kkk 45a-d. Damit meinte er mich. Und ich bin so hinterfotzig, immerzu Nazis zu zitieren mit Typischen Namen: G. Lewy, Saul Friedländer, J. Isaak, P. Winter, P. Lapide.

Durchaus richtig, auf Friedrich Hielscher zu sprechen zu kommen. Den ließ man 40 Jahre im Versteck, wie Carl Schmitt. Ernst Jünger ist ja wieder Mode; seit die Neue Rechte in Paris ihn preist, kann die Frankfurter CDU des Herrn Grau und die Bonner des Herrn Kohl ihm Preise verleihen. Schamloses Gesindel! Kommt sich ewig gerecht vor und hat doch nur versteinerte Herzen.

Also Hielscher. Er hat die Liturgie einer neuheidnischen Religion verfaßt, ein germanisches Griechen-und-Römertum, eine r.-k. Kirche ohne den semitischen Kern. Nachzulesen eben bei E. Jünger.

Mit Konziliationen ist hier nichts zu retten, H.L.. Hier müssen Entscheidungen getroffen werden. Mit der Mischreligion ist's vorbei. Entweder Römertum (Hellenismus, Germanentum) oder Semitismus; beides natürlich kulturanthropologisch gemeint.

Ich möchte darauf gesondert eingehen, hier nur einige polemische Spitzen dem Stier in den Nacken setzen.

kkk 47 stellt richtig dar, daß die Nazis sich gewehrt haben gegen die Einsicht, das Judentum sei, übrigens entgegen den Wünschen der meisten Juden, keine Rasse im anthropologischen Sinn, sondern sozusagen der diesseitige Schatten eines Zeigefingers von jenseits der sichtbaren Immanenz.

Mit Mord und Totschlag wollten nicht nur die Nazis an diesem Zeigefinger sich vorbeidrücken.

Die Nazis, und nicht nur sie, sind mit diesem Versuch auf metaphysische Weise fürchterlicher gescheitert als die Assimilationsjuden an den Christnazis.

Denn Nazis und Christnazis waren Verbrecher, die Assimilationsjuden waren gutmeinende Verirrte. Der Zeigefinger steht nun deutlicher vor uns als jemals seit 2000 Jahren.

Daß der Naziversuch zustandekam, ist Folge des Zerbrechens der christlichen Konglomeratkultur. Dies macht kein Horst Lummert ungeschehen.

Ich habe zum Bestand des Christentums, nicht länger mittels der Staatsmacht, sondern nur noch infolge der Macht der Trägheit, genügend gesagt. Der nächste Sturm wird das bestätigen.

Was die westeuropäische Aufklärung des 18. Jahrhunderts kaum fertig gebracht, was die deutsche Aufklärung zwischen Feuerbach und Marx nicht tief genug getrieben hat - ablesbar am Auflaufen des ML-Atheismus auf Polens Katholizismus -, das brachten Freud und Nietzsche zustande.

Hier muß ich vorgreifen, damit nicht die falsche Vorstellung entsteht: Es zerbröselte ein religiöser Fels, aber nur der Fels Petri, nicht der Fels Zion. Doch dazu später.

Die Schwester Förster, Fälscherin wie der ML-Hersteller Stalin, ist die Mutter des nazistischen Esoterismus. Über sie wissen wir dank Schlechta bescheid.

Ironischer Weise starb Schlechta vor wenigen Wochen in Mossau/ Odenwald, das einmal übel beleumdet war, weil es zu 100,00 % die NSDAP gewählt hat, vor 1933.

Dem Judenfreund Nietzsche war gestorben nur der Christengott seiner Familie.

Hier weiß Lummert gut, was ich meine; nur keinen weiteren Verschnitt, der Herr, sondern heraus mit der Sprache!

Ich weiß, daß er weiß, nicht etwa aus seinen Mitteilungen, sondern weil ich Palimpseste manchmal entziffern kann.

Lummert kennt weit besser als ich Freuds Totem und Tabu und Die Zukunft einer Illusion, Ernest Jones' Zur Psychoanalyse der christlichen Religion (Wien 1928), Erich Fromms Die Entwicklung des Christusdogmas (in Imago 16, 1930; damals kannte er seine eigne Religion noch nicht), Theodor Reiks Der eigene und der fremde Gott (Ffm. 1972).

Die Götter, ja: Götter des Christentums und ihr Zerfall in Kierkegaards "Gott" des absoluten Paradoxes, ach wo, schon in den Theologien Pascals, Schellings, Fichtes, Schleiermachers bereiteten jenen Sumpf, aus dem der Nazismus stieg.

Der Gott Europas, vielfältig, antikisch, ist tot, zersetzt von mehreren Wellen der rationalen Kritik. Wer ihn wieder zurückmogeln will, handelt reaktionär. Lummert will gegen den Neopaganismus einen Damm bauen und schippt auf der Seite, von der die braune Flut kommt.

Des Christengottes Tod hat uns einsam zurückgelassen im vermeintlich eisigen Schweigen eines sinnlosen Weltalls.

Ersatzgötter, wesentlich aber den christlichen gleich, gleichen Verlangens nach allen möglichen Unterwerfungen und Blutopfern, haben uns heimgesucht: der Gottmensch, die "Natur", die Rasse, die Klasse, Partei, der Führer, der Papst.

Götzen wie der dreifaltige samt Mutter und Satan.

In der Abwehr eines oder mehrerer dieser Götzen, deistisch, atheistisch, agnostisch, verging unser Leben, das unserer Großväter und Väter.

Währenddessen hat kaum jemand gemerkt, auch die assimilierten Juden nicht, daß Entmythologisierung, Leben-Jesu-Forschung, die gesamte rationalistische westeuropäische, die deutsche sowohl feuerbach-marxsche wie nietzscheanische wie freudianische Religionskritik das Judentum nur in unwesentlichen Teilen berührt haben.

Nur das Christentum wurde als Trug erledigt: Dreieinigkeit, Jesu Göttlichkeit, Jungfrauengeburt, fleischliche Auferstehungen, Wandlung in Blut und Fleisch, Satan und Hölle (ewige Hölle!), Gehorsam einer Machthierarchie von lebensschwachen Menschen, "heilige" Vaterschaften offenkundiger Nichtväter und Nichtheiliger, alleinrettendes Fürwahrhalten absurder Sätze.

Ich schüttle den Kopf über mich: Über neun Jahre schlappte ich wöchentlich etwa zwölfmal auf dem Schulweg an Martin Bubers Haus vorbei, nichts im Kopf als eine von den Eltern übernommene eher dümmliche Achtung und Sympathie für den emigrierten Bewohner.

Niemand, wirklich niemand, der über Buber uns mehr zu sagen gehabt hätte als bestenfalls, daß er bedeutend und sympathisch gewesen sei.

Ende der 70er Jahre sollte sein Haus abgerissen werden, es bedurfte einer Bürgerinitiative zu seiner Erhaltung.

Davor gab es nirgends in Reichweite junger Kleinstädter, wohl auch der älteren ein Buch von ihm, einen Zeitungsbericht über ihn. Erst spät geht ein Licht auf: Bubers Gott ist.

Das Christentum ein Hinweis auf den Geist der Tora? Schon immer war der Mörder ein Hinweis auf den Ermordeten. Wollen Mörder jene morden, die in ihrer Doppelnatur der bessere Teil sind?

Soweit Lummerts Meinung zutrifft, und sie ist nicht völlig falsch, nur völlig einseitig, soweit wird es Zeit, dem Hinweis endlich zu folgen.

Für mich wie für die meisten war das Christentum nur die erdrückende und himmelhohe Mauer, die den Blick nach draußen verlegte. Das war für uns Religion.

Diese Mauer hat man abgelehnt, wollte sie zertrümmern, hat Versuche der Zertrümmerung mitgemacht.

Hatte man ein Loch geschlagen, war man durchgekrochen, dann hat man atheistisch diese Mauer negiert und nie gemerkt, daß man nun außen um sie herumging.

Wir waren immer noch ihre Gefangenen. Der kleine Fortschritt des von Ernst Bloch aufgelockerten Atheisten: das Spiel mit dem atheistischen Buddhismus, seiner beseelten, dialektisch tanzenden Maja-Materie.

Doch das Sittengesetz gibt es dort nicht. Der politische Atheist wird als politischer mit dem Buddhismus nicht weit kommen.

Die endgültige Abkehr von der christlichen Mauer, diesmal von unserer Umlaufbahn entlang ihrer Außenseite - was hat das mit Nazismus zu tun?

So hätten es die Herren Popen gern.

Die Nazis aber lehnten am Christentum gerade das ab, was anzuerkennen ist - die jüdische Ethik der Tat -, und bewunderten das, was zu überwinden ist - Dogmenglauben, Irrationalität, Herrschaft.

Der esoterische Nazismus ist sowohl Christentum wie der Versuch, dessen Auflösung mit neuen Autoritäten zu stoppen.

Friedrich Hielscher begleitete den SS-Obersturmbannführer W. Sievers, Geschäftsführer des "Ahnenerbes" und Verbrecher, zum Galgen, sprach vorher mit ihm arische Sterbegebete, Wegleiteformeln, spendete ihm Sakramente.

Das ist nicht erfabelt, ist leider wahr.

Namenshinweise habe ich am 2.3.85 gegeben. Es ist erkennbar, wo Hitler zusammenmontiert worden ist als Führer und wer wo die Teile angefertigt hat. Dies alles ist zwischen München und Wien geschehen.

Es ist mir nicht möglich, alles klarzustellen, was Lummert über mich zusammengeschrieben hat. Vieles trifft zu, vieles nicht.

Vom Zutreffenden hat er das meiste von mir erhalten. Darauf stützt er sich und hält mich dennoch für einen Betrüger.

Das Nichtzutreffende, soweit ich nicht darauf eingehe, wird auch nicht wahrer. Ich habe mich, das geb ich zu, oft und oft geirrt.

Aber ich wäre ein Genie, wenn ich mich immer geirrt hätte.

Es gibt allerdings Leute, zumal in Frankfurt, die sich nie geirrt haben. Aber sie waren früh vergreist, vielleicht schon zu Onnens Zeiten.

Was aber Lummert anlangt, der ja putzmunter ist und deshalb Fehler macht, ihm sei gesagt, daß er den Figaro lobt, zu wiederholtenmalen. Dessen Verleger heißt Hersant. Ist nicht bekannt, was der in der Vichy-Zeit gewesen ist?

Der Figaro lobt den Ernst Jünger und den "Bogo"-Hielscher. Wat nu, Freund Lummert?

Der Chefredakteur des Figaro-Dimanche, Louis Pauwels, weiß viel besser über Bogo bescheid als Lummert und ich zusammen.

Von dort geht's auf dem kurzen Weg zu Benoist, G.R.E.C.E.. Vielleicht schreibe ich mal etwas über diese Bande.

Also bitte Horst Lummert: entweder Sie treten endgültig rüber zur CDU und Ernst Jünger und Bogo oder Sie lassen sich beschneiden. Beides geht nicht!

Und die C-Union war, durch die Dauerhaftigkeit ihrer Herrschaft mehr als die FDP, von DP und BHE zu schweigen, eben doch die Partei der Nazifizierung der BRD!

Und wem am Bestand der BRD liegt, der vertraue nicht zu sehr auf die C-Union als Garant. In sechs Jahren, so lange bleibt sie wohl an der Bonner Macht, wird sie die BRD unterminiert haben.

Ich bin immer heiter, wenn der Kanzler spricht, das Bellen seines Vorgängers möchte ich nie mehr hören.

"Die 'kulturrevolutionäre' Strategie der Nazis...: zuerst die Juden, dann die Katholiken", stellt Lummert fest. Wann und wo, bitte, hat der Katholik Hitler mit den Juden koaliert? Mit dem Zentrum hat er koaliert, 1933, und das hessische Zentrum wollte mit der NSDAP 1931 koalieren (s. unter W. Best).

Gut, ich bin ein Provinzonkel.

Wir Provinzler machen uns schon seit 100 Jahren einen Jux über Berlin.

Von jeder westeuropäischen Hauptstadt her gesehen ist Berlin nämlich die Provinzstadt, die sich für metropolitan hält.

Berlin ist unsere Hauptstadt nicht.

Provinz, die weiß, daß sie Provinz ist, ist gescheit genug, sich auf Metropolen einzustellen.

Wer nur in Hauptstadt-Archiven sucht, weil er sie für metropolitan hält, kriegt ein falsches Bild.

So meint Karlheinz Deschner, der Vatikan habe nach dem Januar 1933 der deutschen Kirche und dem Zentrum das Bündnis mit der NSDAP befohlen. So einschichtig war das nicht.

In Darmstadt 1931 jedenfalls... - bitte nachlesen unter Boxheimer Dokumente, Werner Best. Tief in der Provinz, nahe Heppenheim.

Das sahen diese Provinzler aus der Nähe und ganz genau: die Herren nazistische und christliche Akteure, Mord- und Koalitionspläne nebeneinander.

Die Sozis und Kommis wie auf einem Laufband zur Dreschmaschine hinauf. Jahre vor 33! Ich komme vielleicht auch darauf zurück.

Wer von W. Best redet, kommt an Duckwitz kaum vorbei. Hätte Lummert mich nicht für einen Zensor im BPA gehalten, damals zu Duckwitz' Zeiten in Bonn - nicht in Dänemark -, dann hätte er gesehen, daß ich seine Brockdorff-Rantzau-Eloge als erster verrissen habe, in meinem Brief an Heinemann nämlich.

Derjenige, der heute mithält, wenn über mich hergezogen wird, sollte sich erinnern, wer damals die Bahn auch für seine - durchaus richtige und feine - Kritik gebrochen hat. Aber der ist ja heute zu müde, zu sehr seinem Vater gleich...

Lummert sollte sich seine Gewährsleute besser aussuchen. Und für die westdeutsche chemische Industrie arbeite doch ich nicht, sondern eben dieser illoyale Gewährsmann.

Ich arbeite für den "ideellen Gesamt-Welt-Finanzkapitalisten"; habe ich schon mehrmals gesagt. Und wo existiert der? In meinem Hirn natürlich, wie das anständige Proletariat im Hirn des Horst Lummert.

Die deutsche Bourgeoisie braucht mich nicht, die hatte früher den Generalstab, hat seit 45 die CDU/CSU und FDP.

Für die deutsche Bourgeoisie bin ich, in aller Bescheidenheit, aber auch mit Selbst-Bewußtsein sage ich es, für die bin ich zu weitsichtig, zu sensibel, kurz: zu intelligent.

Statt 52 Jahre danach HJ-Pimpfen nachzusetzen, die vielleicht bei Bücherverbrennungen dabei gewesen sind, sollte Lummert Texte verbrannter Bücher publizieren.

Zum Beispiel nur die vier Buchseiten von Leo Baeck aus dem Sammelwerk Die Lehren des Judentums (Bd.5, Leipzig 1930, S.56-60). Nur 4 Seiten!

Oder, wenn schon Katholizität, dann bitte die echte, die jüdische, und nicht Katholizismus, aus Baecks Die Pharisäer, Wege im Judentum, Judentum in der Kirche, Der Menschensohn, Das Evangelium als Urkunde der jüdischen Glaubensgeschichte.

Nicht Judenmission, der fromm gewordene Herr aus Kreuzberg!

Gut, gut, Aufklärung beginnt mit dem verbalen Entäußern von Irrationalismen, an die dann erst Kritik ansetzen kann. Statt ad hominem zu argumentieren und da Lummert mein "Schandmaul" schließen will, lege ich ihm ein Wort Trotzkis vor:

...daß (der Stalinismus) nicht in der Rückständigkeit des Landes und nicht in der imperialistischen Umwelt seine Wurzeln hätte, sondern in der eingeborenen Unfähigkeit des Proletariats, eine herrschende Klasse zu werden... wenn sich das Weltproletariat tatsächlich unfähig zur Erfüllung seiner Sendung erwiese, ... es bliebe nichts anderes übrig, als offen zu erklären, daß das sozialistische Programm, das auf den inneren Widersprüchen der kapitalistischen Gesellschaft beruht, zu nichts anderem als einer Utopie geführt hat (New International, Nov. 1939, zit. Deutscher, Trotzki, Bd. 3, S.432f.).

Da an dieser Feststellung 46 Jahre später in Westeuropa und Nordamerika kein Zweifel mehr möglich ist - soll die Linke aufgeben? Soll sie sich den Konservativen unterwerfen?

Nein, jetzt ist Zion zu ehren!

Keine Hoffnung habe ich, daß Lummert und ich an einem Strang ziehen könnten. Hatte ich mal, tatsächlich. Ich bedaure, daß daraus nichts wurde. Es hätte die einzige Plattform werden können, kkk und diese Kooperation, gegen die Konservatismen nicht nur der BRD-Publizistik von C bis SPD, sondern auch dieser "Linken" von mittleren Verlagen bis zur taz. Schade!

Brillant. DIE GRÜNEN der Bugsierer des Tankers SPD. Nicht die Brillanz der Formulierung meine ich, sondern die des Durchblicks.

Da hocken in Bonn einige Hundertschaften Parlamentsjournalisten rum - so nennen sie sich, wenn sie auch nicht alle und immer aus dem Bundestag berichten - und schreiben voneinander ab und klauen sich den letzten Gerüchteschleim von den Lippen und sind zynisch bis zum Alkoholismus, und keiner kommt drauf.

Schon möglich, daß der oder jene doch drauf kommt. Doch dann verkneifen die sich das. Auf Dauer führt das zu Alkoholismus.

Ich kenne da einige, aufgeblasene Dummschwätzer in der TAGESSCHAU, oder ist es HEUTE?, die unheimlich feige sind und zum dritten Mal aus der Trinkerheilanstalt kommen.

Schöne Informanten des Volkes!

Dann kommt so ein Bauarbeiter - ein Dreckskerl als Mensch, aber: - der macht alles allein, tippen, drucken, kleben, versenden; und schreiben. Und sogar denken! Chapeau, chapeau! Tut mir leid, daß ich Nazi den Kerl loben muß. Aber so bin halt ich.

Das mit dem Bugsierer, also parteieigen der SPD ist der nicht. Da täuscht sich Lummert.

Auch gibt es keinen geheimen Sicherheitsdienst der SPD, außer natürlich einem mit VerfSchutz und BND kurzgeschlossenen Prüfdienst gegen Ostspione; das macht immer noch der bewährte Wischinsky, äh Wischnewskij.

Den Sozi meine ich. Nein, nicht den Genickschußspezialisten Stalins, sondern den friedlicheren Schmidts und wer ihm sonst noch so verpflichtet ist.

Und das REICHSBANNER war so etwas nie, auch nicht während der Weimarer Republik; dort waren immer nur, bis auf die allerletzte Zeit und eigentlich nur in Frankfurt und Kronberg, diejenigen zusammen, die das Geschwätz der SPD-Bonzen wirklich geglaubt haben.

Die waren natürlich sicher und dienstwillig, aber nicht ein Nachrichtendienst, schon gar keiner, den man auf die feine englische Art als intelligence bezeichnen würde.

Intellischenter waren, aber wiederum nur in allerletzter Zeit (d.h. etwa bis 1973) und im Raum Frankfurt, die C-Leute und die Nazis und bisweilen, wenn er nicht an sein Gewäsch glaubte, der Prinz zu Löwenstein.

Ich aber war bei den Gutgläubig-Blöden, wie immer.

So organisiert, abgesprochen usw. darf man sich das Bugsieren eben nicht vorstellen. Das läuft anders. Intelligent eben. Ich möchte gern einmal darauf zu sprechen kommen, nur heute geht das nicht.

Die menschliche Intelligenz ist größer, als es alle Konservativen für möglich halten. Da sie sie für gering und langsam halten, ist sie im allgemeinen gering und langsam.

Deswegen sind konservative Regimes, mit Ausnahme der r.-k. Kirche, dumm, auf die Dauer.

Lummert stellt sich das immer noch und obwohl er lange genug mit der Hand und dem Verstand der Hand gearbeitet hat, in der Art vor, wie es sich unsere Akademiker vorstellen.

Das mit dem Bugsierer der SPD halten die noch in 100 Jahren für einen Spleen, weil es nichts Schriftliches gibt. Na laß sie doch!

Aus meiner ökologischen Lektüre möchte ich einen Vorgang in meiner nichtwissenschaftlichen Art wiedergeben: Da gibt es einen Urwald in Lateinamerika...

Nein, zuerst noch dies:

Was der Engels-Darwinismus, gemeinhin seit Stalin bekannt unter dem Namen Marxismus-Leninismus, nicht kapiert, das ist die Teleologie (s. Marxist.-Leninist. Wörterbuch der Philosophie, Hbg. 1972, S.1079ff.).

Da hilft auch nicht der Hilfsbegriff Teleonomie, gell!

Teleonomie: "Komplexe von Kausalzusammenhängen... in dialektischer Einheit von Notwendigkeit und Zufall..." usw.. Dialektisch, verstanne?! Un' wie!

Wie soll denn - ich hab' alles verstanne, nur des net: - folgender Vorgang durch Versuche, Irrtümer und Auslese im Verlauf einiger Jahrmillionen, in dialektischer Einheit selbstverständlich, ich hab's ja verstanden, zustandekommen, da es doch praktisch auf Anhieb klappen muß?

Also das wär ja so, als ob der Max und die Emmi den Maxl zustand bringen wollten durch Komplexe von Kausalzusammenhängen, Versuche und Irrtümer, in dialektischer Einheit, modifiziert durch pfälzischen Dialekt, im Verlauf von, seien wir gnädig, Jahrzehnten.

Der wirkliche Vorgang:

Im tropischen Regenwald wächst in den Baumwipfeln eine Pilzart, und zwar nur dort oben.

Auf dem Waldboden lebt eine Ameisenart, die sich nur horizontal fortbewegt, d.h. normaler Weise nie auf Bäume, Büsche, nicht einmal auf Grashalme klettert.

Der Pilz läßt zu einer gewissen Zeit seine Sporen fallen.

Eine Spore ganz unten auf Höhe des Waldbodens gelangt mit der Atemluft ins Innere einer Ameise und bewegt sich von ihrem Lüftungssystem aus bis in ihr Hirn.

Dort gibt die Spore der Ameise die Anweisung, einen Baum zu erklimmen.

Das tut sie erstmalig in ihrem Leben, aber sie tut es.

Oben angekommen, verbeißt sich das Tier fest mit seinen Zangen in die Baumrinde und stirbt, weil die Spore inzwischen den letzten Rest des Ameisenhirns gefressen hat.

Nun ernährt sie sich vom übrigen Ameisenleichnam und wird so ein prächtiger Pilz, ganz oben im Baumwipfel... usw. ad infinitum.

Nein, jetzt nicht Matthias Claudius und auch keinen Pessimismus, etwa der Pantokrator sei ein Sadist. Ganz nüchtern bleiben: that's intelligence.

Unter uns zweibeinigen Ameisen spielt sich das bereits etwas einsichtiger ab.

Ich könnte es an Beispielen beschreiben, doch nimmt das zu viel Platz ein.

Es ist auch ganz einfach.

So ein SPD-Typ wird immer wieder mißbraucht, ist enttäuscht, verläßt die Partei. So ein SPD-Typ ist aber kein Unikat, sondern tritt in Tausender-Serie auf. Die Natur produziert selten Einzelstücke.

Nebenbei: Konservative treten in Zehn-Millionen-Serien auf! Ökologisten sogar in Hundert-Millionen-Serien, nur halten die sich alle für Individuen. Doch wir wollen nicht zu laut lachen.

Sehen Sie, Herr Lummert, so habe ich aus der Ökologie doch etwas gelernt, weil ich nicht alles gleich ablehne. Gewiß, der Preis fürs ungenierte Probieren ist oft eine Magenvergiftung. Kann vorkommen. Kann einmal die letzte, unkurierbare sein.

Aber ich hab dann wenigstens gelebt und probiert, und als Leiche weiß ich bescheid, besser als die vorsichtigen Besserwisser.

Wie setzt wer den Sowjets die Spore mit dem westberliner Reichstag ins Hirn? Von selbst kommen die nie darauf. Mein Brief vom 2.3.85* an Lummert? Den publiziert der nicht, weil ich nichts dagegen hätte. Na gut, es gibt andere Kanäle.

Würde aber H.L. ihn veröffentlichen, dann könnte er rausfinden, wie sich intelligence ihren Weg sucht und das geeignete Hirn findet.

Ich hoffe, das Bild vom Bugsierer und Tanker durch ein realistischeres ersetzt zu haben.

kkk wird im Austausch gegen Moskauer Presseerzeugnisse in der sowjetischen Akademie der Wissenschaften hinterlegt, sicher auch gelesen. Das hörte ich mal.

Ich nehme an, kkk wandert weiter, einige Häuserblocks in nordöstlicher Richtung.

Dies allein beweist schon die Erheblichkeit des Nestdrucks für die edition neuer rheinbund. Aber wie gesagt, es gibt weitere Widerstandsnester und schräge Vögel.

Um auf die Tausender-Serie des naiven, enttäuschten, wütenden SPD-Typs zurückzukommen: der organisiert sich, gelernt ist gelernt.

Und daß der, sobald der Feldwaibel gestürzt war, auf die Tausender-Serie des naiv-gehorsamen, enttäuscht-glaubenwollenden, zähneknirschenden anderen SPD-Typs einmal einwirkt, das war doch zu erwarten.

Nein, dieser Dreifachsieg!

Am 10.3. über Zeyer, Pferde-Apel, die Deutschland-Konföderierten der westberliner AL und über Tschernjenko.

Drei Einmillimetersiege, aber immerhin.

Die Vernunft im Verstand setzt sich hinter dem Rücken der genügsamen Vernünftler durch, immer wieder mal nach langen Pausen.

Deutschlands Kurier untertitulierte kkk eine Zeitlang. Das Rheinbundkonzept sollte gesamtdeutsch aufgewogen werden. Spät hab ich's gemerkt.

H.L. auf Seite 22: "Während jede demokratische Nachkriegspolitik... innere Demokratie... Offenhaltung" der deutschen Frage. Etceterablabla. Bitte selber nachlesen.

Die von mir vorgetragene andere und westdeutsch-rheinbündische Außenpolitik liege im Interesse des westdeutschen Kapitals, sagt Lummert.

Marxistisch gebildet, trifft er typischer Weise zugleich ins Schwarze und konkret daneben.

Denn wirklich läge diese Politik auch im Interesse dieser Kapitalisten, weil Überlebensinteressen im Atomzeitalter Klassengrenzen übergreifen.

Aber die Spendenflickereien beweisen, daß das deutsche Kapital so politisch verblödet blieb, wie es allzeit gewesen ist.

Wieder kalkuliert der marxologische Klumpkopf - damit meine ich nicht H.L., sondern den 1968er Typ - völlig falsch.

Die FAZ und DIE WELT zeigen, was das deutsche Kapital nicht will, was die SPD wollen muß, aber noch nicht wollen will:

Wilfried Hertz-Eichenrode - also ein Streit mit Lummerts Freunden des Proletariats soll ja nun nicht auch noch sein, aber geschrieben hat er's halt am 28.2.85 -:

Die Sozialdemokraten ignorieren fortan den Deutschlandvertrag, die gemeinsame Entschließung des Bundestages aus dem Jahr 1972 zu den Ostverträgen und die einschlägigen Urteile des Bundesverfassungsgerichts als geltende Rechtsgrundlage der Deutschlandpolitik... (Die Sozis, E.K.) trachten danach, alle rechtlichen Sachverhalte, die sich auf die Fortdauer des Deutschen Reiches bis zu einer Friedenskonferenz gründen, durch Stillschweigen aus dem Verkehr zu ziehen... (Die SPD, E.K.) reißt die völkerrechtliche Barriere ein, die vor einer Anerkennung der "DDR" durch die Bundesrepublik Deutschland als "Ausland" steht... Die SPD sieht im Verhandlungsklima zwischen USA und der Sowjetunion neue Chancen einer "Entspannungspolitik" heraufziehen... Sie legt sich quer zu den alliierten Rechten für Deutschland als Ganzes und für Berlin und gefährdet damit die Freiheit Berlins... Die Kehrtwendung ist nicht zuletzt als große und aushöhlende Versuchung der FDP gemeint... Etceterablabla.

So aufrecht ist die SPD zwar nicht, aber machen wird sie es mit einiger Nachhilfe. Wer will, der läßt sich auch vergewaltigen. Auch mit der FDP stimmt das. Auch Teile der GRÜNEN und der AL können da eine Rolle spielen.

Die USA, Reagan noch weniger als vier Jahre, falls er nicht Krieg macht, durch lateinische Bevölkerungeexplosion, deren Folgen nicht nur south of the border, Einwanderungswellen beschäftigt.

Das weiße Südafrika auf der Agenda Londons und Genfs.

Der Vatikan zwischen möglicher Abspaltung der lateinamerikanischen Kirche oder Krach mit Washington.

Selbst wenn die C-Union es in Bonn noch sechs Jahre macht, in spätestens vier Jahren zieht sich Washington von diesem Bonn merklich zurück.

Bitburg war psychologisch das erste Zeichen. The Bitburg psychological war.

Inzwischen ist etwas bei uns passiert.

Kohl hat die Ostgrenzen anerkannt, nur die zur DDR formal noch nicht. Er mußte sich gegen die eigene Stahlhelm-Unterfraktion durchsetzen.

Das Lipom aus der sozialliberalen Koalition, jetzt in der christliberalen, hat sich durchgesetzt.

Und jetzt: Volle Anerkennung der DDR samt Staatsbürgerschaft und Elbmitte sowie Westberlin als "dritter" deutscher, achter deutschsprachiger und UNO-Staat, ebenfalls mit eigener Staatsbürgerschaft.

Die Frankfurter Rundschau, H.-H. Gaebel, am 28.2.85, schreibt, was inhaltlich längst im Rheinbundteil des KUCKUCK zu lesen stand:

Unser Grundgesetz gebietet uns, nach der Einheit der Deutschen zu streben, aber es kann uns nicht verbieten, darüber nachzudenken, ob Berichte über die Lage der Nation, wie auch dieser vom 27. Februar 1985, nicht in ganzen Passagen längst in die große Sammlung deutscher Märchen gehören.

Zu denen der Gebrüder Crime aus Kassel nämlich.

Das habe ich vor gerade 10 Jahren viel lustiger dem Helmut, dem jetzt unbekannten, mitgeteilt, worauf der mich fristlos entlassen ließ.

Das CSU-Mitglied Hans Heigert, schon immer aufgeweckter als die CDU-Brüder, in der SZ vom 2.3.85:

Verzicht auf Wiedervereinigung, trotz des Verfassungsaufrufs... Ziel kann in der Tat nur sein, die Vereinigung der deutschen Staaten überflüssig zu machen...

Es gab schon immer Gemeinsamkeiten zwischen CSU und SPD, und man kann auch Köpfe zwischen Strauß und Brandt austauschen, wenn Gedanken überkommen sollen, z.B. den des Herrn Dr. Blömer, jetzt im BPA.

Nochmal DIE WEIT vom 27.2.89, S.4, ein konservatives Colloquium der westberliner Hermann-Ehlers-Akademie beschreibend und aus den sechs Thesen einiger Wissenschaftler über die grün-alternative Bewegung berichtend:

Die wesentlichen politischen Leitlinien sind einseitige Abrüstung, die Ablehnung der NATO, die Auflösung der zwei großen Militärblöcke sowie der Versuch, ein neutralistisches Deutschland zu schaffen.

Hier klafft die Differenz zwischen dem intelligenten Teil der SPD und dem dummen der GRÜNEN und der AL. Wer muß jetzt wen bugsieren?

Und: Warum muß Lummerts Gehirnperistaltik ihren Klacks ausgerechnet zwischen dem dummen Teil der GRÜNEN und dem Kohlfeind Dregger absetzen?

Und damit ich's nicht vergesse:

Wolf Schenke geht seit Januar immer deutlicher auf Horst Lummert zu, deutschlandpolitisch natürlich nur, aber immerhin und gar nicht erstaunlich.

Soll ich mich nun von Schenke und seinem alten Freund Lummert distanzieren?

Aber diese Linie ist doch noch nie meine gewesen, die Herrn!

Jaja, der Horst Lummert!

Dutschkes Freund in den 60er Jahren, nähert er sich dem Peter Brandt und dessen Freund Herbert Ammon.

Und Schenke nähert sich wieder dem Lummert.

Auf Seite 142 signalisiert Lummert dem Bahro, daß er ihn ja gut versteht.

Bahro könne nämlich, so Lummert, wenn ich nicht alles mißverstehe, ein Interesse der DDR artikulieren.

Und diese DDR scheint dem Lummert so unsympathisch nicht mehr zu sein, geht es doch seiner Meinung gegen Moskau.

Ja, der Horst Lummert kennt keine Parteien mehr, keine Stalinisten und keine Nazis.

Er kennt nur noch Deutsche.

Da muß ich "Jude" mich wirklich vorsehen.

* Aus seinem Brief an Horst Lummert vom 2.3.85:

"... Wenn die Sowjets, nicht die DDR, beim Brandenburger ein Tor in die Mauer brächen, eine weitere Mauer südlich, westlich und nördlich um den Reichstag zögen und diesen Minisektor der UNO anböten: Was würde dies wo psychologisch zum Einsturz bringen? Könnten die USA deswegen Krieg machen? Wer stünde vor der Öffentlichkeit da als Kaiser ohne Kleider?"

Erich Knapp

Excerpte

aus: Iring Fetscher (Hrsgb.), Neokonservative und Neue Rechte, Mchn. 1983.

Aus aktuellem Anlaß unterbleibt die sehr aufschlußreiche Gegenüberstellung des nordamerikanischen Neokonservatismus mit der dortigen Neuen Rechten, die ich in kkk als Reaganite- und Babbitt-Faschismus umschrieben habe (vgl. kuckuck 45a-d - kkk).

Ich enthalte mich auch, über die neugetrimmte Rassenreligion in der BRD und Frankreich Zitate zu excerpieren. Es geht jetzt, im Zusammenhang mit meinen Anmerkungen zum Bitterfelder Weg, nur um die Neue Rechte Frankreichs. Ich zitiere ohne Anführungszeichen:

Der Generalsekretär der neurechten Organisations- und Ideenzentrale GRECE (Forschungs- und Studiengruppe für die europäische Zivilisation), die als Kern der Neuen Rechten gilt und in der Benoist als theoretischer Kopf eine wichtige Rolle spielt... (S.163).
... Konsens darüber, daß die Neue Rechte mindestens drei Axiome der herrschenden politischen Kultur Frankreichs in Frage stelle: die Bedeutung der Menschenrechte, die Forderung nach sozialer Gleichheit und das Faschismus-Tabu (S.164).
Auslösender Faktor war die Berufung einer Reihe von GRECE-Anhängern in die Redaktion des auflagenstarken FIGARO-MAGAZINE. Nachdem Robert Hersant 1977 seinem Presse-Imperium den traditionsreichen FIGARO einverleibt hatte, ernannte er Louis Pauwels zum Leiter des Kulturressorts (165).
(Ab 1978:) Das unter dem Einfluß der NEUEN PHILOSOPHEN entwickelte Gulag-Syndrom - "Die Linke hat sich die Gulag-Bürde aufgeladen, und die Rechte hat die Auschwitz-Bürde abgelegt" (Jacques Attali in Le Matin, 30.7.79) - sowie die durch außenpolitische Enttäuschungen verstärkte Resignation trugen dazu bei, daß die Linke mit einem Stück Selbstbewußtsein auch einen Teil ihrer Faszinationskraft einbüßte.
Es wird abzuwarten sein, ob der Erfolg Mitterrands das linke Denken erneuern und stärken oder ob... die Kulturhegemonie auf die Opposition übergehen wird (166).

Kommentar E.K.: Mit Mitterrand haben sowohl SP wie KP, und zwar nicht nur Frankreichs, katastrophal failliert. Folge kann ein Sieg der Reaktion, Reaktion in jedem Sinn, sein. Dagegen müßte sich eine Linke durch die Liquidierung des Sozialdemokratismus und des Stalinismus sowie des Stalinistischen, das bereits bei Marx, Engels und Lenin in Spurenelementen zu finden ist, wappnen. Bernard-Henri Lévy und André Glucksmann haben hierzu wichtige, bahnbrechende Arbeiten geliefert, allerdings ihre Thesen z.T. gefährlich überzogen, die Arbeiten Trotzkis nicht rezipiert und sind zuletzt im Lager Reagans gestrandet.

Benoist selbst leugnet seine Herkunft aus dem Rechtsextremismus durchaus nicht... (168).
Unter dem Pseudonym Fabrice Laroche hat er an der von Venner herausgegebenen Zeitschrift EUROPE ACTION mitgearbeitet (169).
Spätestens zu diesem Zeitpunkt (1963) dürfte Benoist mit jungen Nationalisten aus der Bundesrepublik in Kontakt gekommen sein. ... Kulturkampf à la Gramsci (170).

Kommentar E.K.: Wer denkt da nicht an den Neorechten R.Bahro und seine Bezüge auf Gramsci?

Anmerkung der Redaktion: Antonio Gramsci - ein liberaler marxistischer Theoretiker, von dessen Erkenntnis: "Nur die Wahrheit ist revolutionär" sich auch der kuckuck leiten läßt. - kkk

Die Anregung zum "Marsch durch die Institutionen" verdankt die Nouvelle Droite nicht zuletzt den Achtundsechzigern (172).
Der linken "Kulturrevolution" will GRECE eine "Kulturrenaissance" entgegenstellen, die, im Rückgriff auf das indoeuropäische (griechisch-germanisch-keltische) Erbe und unter Einbeziehung "neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse" die "Revolution des 21. Jahrhunderts" einleiten soll. Im Hinblick auf dieses Ziel scheut die Gruppe sich nicht, von einem Umbruch zu sprechen, der in seinen Auswirkungen der "neolithischen Revolution" gleichkomme (173).

(Ich verweise hier eindringlich auf "Bahro in Baden-Baden", taz v. 3.4.85. E.K.)

Louis Pauwels, ein gestandener Journalist, der auf eine 40-jährige Karriere zurückblicken kann, wußte genau was er tat, als er "die vier Musketiere der Nouvelle Droite", Benoist, Marmin, Valla, Plunkett übernahm. Es mag dahinstehen, ob "ein bekannter Schriftsteller und Mitglied der Academie Française" dem Besitzer des FIGARO, Robert Hersant, geraten hat, die Equipe von ELEMENTS einzustellen... Sicher ist, daß Louis Pauwels "die Jungs von NOUVELLE ECOLE" seit langem kannte und mit ihren Ideen sympathisierte. "Diese jungen leute", erklärte er in einem Interview, "eröffneten mir eine neue Weltsicht. Sie brachten mich weg von Marx und der Bibel. Man mußte ihnen ein Forum geben" (176).
... gegen den "reaktionären Humanitarismus", der (als "kleinster gemeinsamer Nenner") Marxisten, Christen und Liberale vereinige. ... Verächtlichmachung der Menschenrechte... "die Sache der Völker" verteidigten. - "La cause des peuples"... als Abgrenzung gegen die von Sartre herausgegebene Zeitschrift LA CAUSE DU PEUPLE... - Dahinter steht die von Carl Schmitt übernommene Überzeugung der Neuen Rechten... (182).
ELEMENTS: ... Für die Autoren der Zeitschrift birgt die Ideologie der Menschenrechte nur Gefahren: Ihr universalistischer Anspruch bedroht das politische Selbstbestimmungsrecht der Völker und die Autonomie der Kulturen... Sie zersetzt die politische Souveränität und fördert die Verrechtlichung und Moralisierung der Politik. Unter dem scheinheiligen Vorwand, "die" Rechte "des" Menschen zu sichern, unterminiert sie "das" Recht "der" Menschen, das ihnen gemäße Schicksal zu leben (!! - 183).
Benoist und Faye verwerfen die Vorstellung von einer einheitlichen Menschheit als einer moralischen Kategorie. Eine solche Vorstellung gehe auf die jüdische Schöpfungsgeschichte zurück... Die Verbindung von Monotheismus und Egalitarismus in einem "Monohumanismus" widerspreche dem in der europäischen Antike herrschenden Weltbild, das "Griechen und Barbaren, Patrizier und Sklaven" unterschieden, den Menschen schlechthin aber nicht gekannt habe (185).
ELEMENTS attackiert den humanistischen Glauben an die "personne humaine", die jedem Menschen eigene, von den Zufälligkeiten der Geburt und der Sozialisation unabhängige Würde (187).
Unter ausdrücklicher Berufung auf die Staatstheoretiker der deutschen Romantik und der Konservativen Revolution besteht Benoist auf dem Eigenrecht des Staates gegenüber dem durch Vertrag entstandenen Gemeinwesen freiwillig kooperierender Individuen (189).
"Die Wiedervereinigung Deutschlands wird kommen... weil die Völker Völker bleiben..." (Benoist) (191).
"Regionalismus und Ethnismus sind die modernen Bezeichnungen für die ewige Wiedergeburt der Vaterländer" (Benoist) (192).
Deutschland nimmt im Denken der Nouvelle Droite einen bevorzugten Platz ein. ... Deutsche Autoren sind es in erster Linie, auf die die neurechten Theoretiker sich berufen. Neben Nietzsche... Oswald Sprengler, Werner Sombart, Carl Schmitt, Max Weber, Arnold Gehlen, Moeller van den Bruck, Heidegger... Konrad Lorenz... Ernst Jünger, Friedrich Georg Jünger und Ernst von Salomon (198).
Das von ELEMENTS im Juni 1979 veröffentlichte "Dossier" - "L'Allemagne au fond des yeux" - richtete sich folglich sowohl gegen eine bestimmte gaullistische Strömung (vor allem Debré und Chirac) wie gegen die Kommunisten. Und das nicht nur mit dem Versuch einer Rehabilitierung der deutschen Geschichte, sondern vor allem durch die unumwundene Forderung nach einer deutschen Wiedervereinigung (199).

Ich habe ausschließlich aus dem sehr materialreichen und scharf analysierenden Kapitel der Politologin Marieluise Christadler, Gesamthochschule Duisburg, zitiert.

Die Zitate sollen nicht nur den Zusammenhang zwischen dem Neofaschismus, der Ernst Jünger verherrlichenden CDU und der Politik deutscher Wiedervereinigung beleuchten, sondern anregen zur Lektüre des gesamten Buches.

Außerdem ist es m.E. höchste Zeit, dem Syndrom der neokonservativ-faschistischen Neuen Rechten zuleibe zu rücken und eine fundierte linke Gegenposition ohne alte Klamotten "marxologischer" 1968er und heidenchristlicher Art auszuarbeiten.

Vgl. hierzu kuckuck 31/32 (Frühjahr/Sommer 1981): Korrespondenz mit Lothar Baier (u.a.) - kkk

online-Fassung

kuckuck 48
II/85
18. Mai 1985

kokhaviv press:
Horst Lummert in kuckuck (kulikri)

kokhaviv publications > kuckuck network > archive

© Copyright 1999 - 2002 kuckuck · kokhaviv publications