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Erkenntnistheorie und politische Praxis - Seit 1973 - Redaktion: Horst Lummert
1984-01-17
Hauptschuldig sind immer die anderen. So wird Selbstkritik verhindert.
"Aber auch die deutsche Arbeiterklasse hatte... im Zuge der Disziplinierung durch die KPdSU... zuerst an Profil, schließlich an Autonomie und Selbstbewußtsein verloren" (H. Lummert 1970 in spontan).
Dabei hatte die SPDeutschlands, geführt von einem Feldwebel (Bebel) und einem Herrschaftsdenker (das Buch Glucksmanns ist mit Meisterdenker nicht eben zutreffend betitelt worden von rororo) zweiten Ranges (Kautsky), eine große, weltweite Exporte: Disziplin, Mangel an innerer Autonomie.
Waren da Selbstbewußte, "die Jungen", der frühe Parvus, Rosa, dann gings ihnen in der deutschen Proletenpartei schlecht.
Dem liegt ein deutscher Sozialcharakter zugrunde.
Knechte, die Herren werden wollen, werden zu Henkersknechten.
Lenin setzte Paul Levi ab, eine Unverschämtheit.
Die KPD ließ es sich gefallen.
Der Sozialcharakter produziert sich seine Ideologie.
Der Marxismus (= Kautskyismus) gehört zur SPD-Parteibürokratie wie der Marxismus-Leninismus zur Stalinbürokratie.
Marx sagte: "Je ne suis pas marxiste!"
Aber von seiner autoritären Seite und von Engels' Mechanizität bezog der Marxismus Bausteine.
Die fielen dem Sozialismus auf den Kopf, bis heute.
Die fielen?
Die werden geworfen.
Die Arbeiterklasse als Faktum und der Himalaya von Mythen über sie!
Kann der noch jemals abgetragen werden?
Wer darf gegen die Mythen sprechen?
Muß ich einen Proletariernachweis vorlegen, meinen Großvater vorführen, um nicht "Arbeiterfeind" gescholten zu werden?
Ich bin kein patentierter Arbeiter mit Echtheitsknopf im Ohr.
Aber DatenverArbeiter war auch ich.
Neun Monitore, durch die grünflimmernd Agenturmeldungen flitzten, dazu der Verarbeitungsbildschirm.
Angestellter, nicht Lohnempfänger.
Frühschicht ab 6, Vormittagsschicht, Nachmittagsschicht, Nachtschicht bis 6.
Nicht etwa eine Woche die, eine Woche jene Schicht.
Nein, täglich eine andere, jahrelang.
Darunter leiden die Nerven und die Kontakte zu anderen.
Ich kann also mitreden.
Und ich tu's.
Vorurteile.
Nichtaufklärungen, Traumen habe ich im Kopf.
Aber wer hat sie nicht?
Wir schaffen das weg durch Dialog, Plurilog.
Nicht durch Herkunftsverweise.
Also, was ist Proletariat?
Es ist soziologisch schlecht bestimmbar, politisch zersplittert, je Land und Generation kulturell anders.
Die Definition per Besitz an Produktionsmitteln soll's deutlich machen?
Dann gehören die Bauern und die Handwerker nicht dazu, obwohl sie oft mehr als 45 Wochenstunden arbeiten.
Was ist mit den Eisenbahnern und Postlern, die formal als Staats"bürger" Mitbesitzer dieser Staatsbetriebe sind?
Na gut, die Definition des Proletariats sei durch die Schöpfung des Mehrwerts gegeben.
Wie hoch ist der Mehrwert von Datenverarbeitung; hängt das vielleicht auch von der Art des Betriebes ab, in dem der DatenverArbeiter mitarbeitet?
Und wie hoch ist der Mehrwert von Leopard II, Cruise Missile, Cyclon-B?
Produziert eine Krankenschwester Mehrwert?
Ich kapriziere mich nicht auf Rüstungs- oder andere Mordindustrien.
Pershing-II-Transporter brauchen Reifen, Lampen; Armeen brauchen Socken, Schuhe, Hemden, Nudeln, Zelte; Betten, Häuser.
Mal ehrlich:
Haben Kriterien wie Mehrwert und Besitz an Produktionsmitteln wirklich Aufklärungswert?
Gibt es die Arbeiterklasse im Singular?
Es gibt sie nicht einmal in einem Land, in einer Sprachkultur, geschweige weltweit, geschweige mit politischem Selbst-Bewußtsein.
Noch immer, leider, gehört zu jedem Volk, Staat, zu jeder Nation sein/ihr Proletariat, oder gar mehrere (Eingeborene und Gastarbeiter) Proletariate.
"Nicht Hitler, sondern das Volk, das ihm nachlief, ist unser Problem", schrieb einmal der KUCKUCK, vergessend, daß er mit Dutschke befreundet war.
Richtig!
Wer die Proletariate vervolkt, verfolgt sie oder hilft dazu, daß sie verfolgt werden.
Wer dem deutschsprachigen Proletariat die Möglichkeit offenhalten will, im Augenblick seiner Revolution selbst bestimmen zu können, ob es den gescheiterten feudalbürgerlichen Einheitsblödsinn wiederholt oder das dem Proletariat Adäquate schafft, hält es offen für die Möglichkeit seiner sofortigen Selbstabdankung.
Soll das Verbrechen Eberts 1918 - lieber die Einheit als die Revolution - wiederholt werden dürfen?
Wer solche Möglichkeiten offenläßt, sorgt dafür, daß berechtigter Widerstand gegen eine proletarische Revolution in den Deutschländern aufkommt.
Und er sorgt auch dafür, daß die ideologische Hegemonie der deutschen Bourgeoisie in den Köpfen der Unterklassen nicht beendet wird, daß es also gar nicht zur Revolution wird kommen können.
Die ganze "linke" Legitimierung einer von den Nazis demaskierten Ideologie dient praktisch dazu, daß unser "Nach"-Nazismus seine präventive Konterrevolution und seinen obligatorischen Krieg mit Waffen führen kann, an denen die Rosen und Nelken "linker" Wortakrobatik und karrieristischer Gefallsucht hängen.
"Armes Deutschland, wie klein sind deine Füchse!" rief der Kanadier, als er im deutschen Wald sein erstes Eichhörnchen sah.
Fürwahr, die deutsche Arbeiterklasse ist "die am wenigsten kompromittierte Klasse" (R. F. Schütt, kuckuck 42e-h, print, S. 54 unten).
Aber nur im Vergleich zur deutschen Bourgeoisie!
An der Kollektivschuld der Deutschen ist doch gar nicht zu zweifeln.
Schuldlos waren nur die Kinder, die Kranken und die Naziverfolgten.
Selbst vom Widerstand gehört der um den 20.7.1944 nach politischer Herkunft und großdeutsch-autoritärer Zielsetzung zum Nazismus; da sollte nur die Beute vor dem "Wahnsinnigen" gerettet werden, die ab 1933 so reich angefallen war.
Hitler hat uns Heutige von einem GroBteil Nazis bereits befreit, als er seinen Freisler wüten ließ; mit denen brauchten wir uns nicht auch noch rumzuschlagen.
Dennoch: Innerhalb der Kollektivschuld gibt es eine fein abgestufte Leiter zwischen schwerer und ganz leichter, verzeihbarer Schuld.
Die damaligen deutschen Arbeiter und Kleinbürger, nicht ganz so SA-haft und fremdenfeindlich wie heute, hatten in der Tat oft nur die Schuld, untätig geblieben zu sein angesichts nicht zu bezweifelnder Verbrechen.
Das Klassenschema kann natürlich nicht den vielen Einzelnen gerecht werden.
Es gab Angehörige der sogenannten "höheren Stände", die sich damals vorbildlich verhalten haben.
Und nicht jeder Nazi, selbst nicht jeder Kreisleiter der NSDAP, war, wie ich bezeugen kann, Zulieferer an die Mordmaschinerie.
Sehen wir auf Klassen und Parteien, dann war die KPD die antinazistischste Partei, trotz Stalin, waren ihre Mitglieder die saubersten, selbst wenn sie an Stalin glaubten.
Auch das muß einmal gesagt werden.
Und dies:
Das Andenken an die Nazi-Opfer wird heute nur noch von der DKP hochgehalten.
Die westdeutsche Arbeiterklasse jedoch dröhnt heute gegen "Kameltreiber", "Itaker" und "Jugos" wie damals nur der Stürmer!
Letzteres, nebenbei, dürfte kein DKP-Mitglied äußern, denn der Mythos der Arbeiterklasse duldet keine Kritik.
Armes Deutschland, hattest du kleine Füchse!
Im Vergleich zu den Arbeitern - und, weniger zahlreich, Bourgeois' - Frankreichs, Italiens, Jugoslawiens, Griechenlands, Skandinaviens, Spaniens, der Niederlande, im Vergleich zu den Partisanen der Sowjetunion hat sich die deutsche Arbeiterklasse kompromittiert, deklassifiziert.
Mitlaufen, mitmarschieren, mitprügeln.
Deshalb:
Die Arbeiterklasse unserer Länder wird entweder Teil des Menschheitssubjekts sein und auf die Weltrevolution orientiert oder der gedrückte Hintern ihrer Bourgeoisie bleiben.
Ihre Perspektive kann nicht tribalistisch sein, sondern nur kosmopolitisch-universal und demokratisch (und ich beharre: Nation ist Selbstbestimmungsgesellschaft oder Verbrechertum!).
Der Territorialstaat ist seit der Jahrhundertwende eine politischen Fortschritt verhindernde Organisationsform und als ethnistischer gar eine politische, geistige und moralische Regression hinter die Errungenschaften von 1789.
Kein Mensch, keine Klasse hat ein Recht zu wählen zwischen Rassismus oder Universalismus.
Oder gälte für eine Klasse:
The proletariat can do no wrong?!
Es geht nicht darum, ob Intellektuelle das Recht haben, für ein der Kopfhegemonie der deutschen Bourgeoisie unterworfenes Proletariat denken zu dürfen oder nicht.
Es geht darum, was diesem Proletariat an Ideen vermittelt wird: Befreiendes oder Dreck.
Es hat auch nicht der Intellektuelle bescheiden abzuwarten, ob dieses Proletariat das Wort ergreift, und ob es dann "Revolution" buchstabiert oder "Heil Hitler!".
Das Recht habe ich und nehme ich mir zu sagen:
Wenn das deutschsprachige Proletariat Selbstgefühl, Bewußtsein seiner (blamablen) Geschichte und Freiheitswillen hätte, also Ehre, dann würde es den Staat Deutschland hassen und darauf sinnen, ihn mit allen Mitteln zu beseitigen.
Legal, illegal, scheißegal!
Aber:
"Ich bin zum Kalfaktor befördert worden!" kräht freudestrahlend und mit dem ersten drohenden Glimmern im Auge ein Häftling dem anderen.
Unser Prolet weiß zu gut, daß er Arier ist, wenn er seine ausländischen Kollegen sieht.
Auch das ist Mittelstand, medioker und schlagbereit wie die Angestellten- und Beamtenkasten.
Ein einig Volk von Brüdern.
Daß es eine Lumpenbourgeoisie gibt, schafft nicht aus der Welt, daß es auch Lumpenproletariate gibt.
Und Marx hat nicht eine Soteriologie für eine bestimmte Klasse ersonnen, sondern für das Befreiungswerk ein Klassensubjekt gesucht.
Dies war damals die unterste, aber nicht nur die unterste, sondern auch die von bourgeoiser Ideologie am wenigsten infizierte, insofern freie Klasse.
Sie müsse sich ihrer Freiheit bewußt und als gemeinsam handelnde Subjekt des Befreiungsprozesses werden.
Das Proletariat hat nicht Recht, weil es das Proletariat ist, sondern wenn es Recht hat.
"Mir kommt es nicht auf die deutsche Frage an, sondern darauf, wer sie stellt und bestimmt, wer sie beantworten soll" (R. F. Schütt).
Mir kommt es darauf an, daß diese dumme und verhängnisvolle Frage weder gestellt noch "beantwortet" wird, von keiner Seite mehr.
Denn warum sollen noch einmal Schuldlose eine neuerliche und "proletarische Antwort" bezahlen?
Es gibt auf eine falsche Frage keine richtige Antwort, gleichgültig, wer sich an ihr versucht.
Fassen wir's mal anders an, unwissenschaftlich, und lassen wir den heiligen Karl im Grab und die 68er Professoren im Seminar rotieren:
Der Mehrwert ließe sich leichter errechnen, wenn "wir" für die Roh- und halbfertigen Produkte der sogenannten Dritten Welt den "gerechten Preis" zahlen würden, zumindest den, der die Menschen dieses Weltteils am Leben halten würde.
Bis das nicht geschehen ist, gilt: die Arbeiterlöhne sind "gerecht".
Ungerecht sind alle Gehälter, die über den Facharbeiterlöhnen liegen.
Das läßt sich differenzieren.
Aber das ist der Kern der sozialen Frage im engen Rahmen unserer hiesigen Ökonomie.
Mit dieser groben Reduktion, die die Verantwortung des DGB für die Binnenkonjunktur so leicht übersieht, wie BDI und BDA sie übersehen, kommen wir zur Wirklichkeit des Proletariats.
Es ist, schon zu sehen an unseren Gastarbeitern, von dunkler Hautfarbe.
Die Farbigen schaffen den wirklichen Mehrwert.
Und soweit sie ohne Arbeit sind - ihre Mehrzahl -, schaffen sie keinen Mehrwert, sind aber die wirklich Enterbten, Entwürdigten, Geschundenen des Erdballs.
Nicht mehr für die Industriearbeiterschaft Nordeuropas und Nordamerikas, sondern für die Farbigen (nicht als Rassen, sondern als noch zersplitterte Klassen) könnte der junge Marx geschrieben haben:
Wenn die sozialistischen Schriftsteller dem Proletariat diese weltgeschichtliche Rolle zuschreiben, so geschieht dies keineswegs, ... weil sie die Proletarier für Götter halten.
Vielmehr umgekehrt.
Weil die Abstraktion von aller Menschlichkeit, selbst von dem Schein der Menschlichkeit im ausgebildeten Proletariat praktisch vollendet ist, weil in den Lebensbedingungen des Proletariats alle Lebensbedingungen der heutigen Gesellschaft in ihrer unmenschlichsten Spitze zusammengefaßt sind, weil der Mensch in ihm sich selbst verloren, aber zugleich... auch unmittelbar durch die nicht mehr abzuweisende, nicht mehr zu beschönigende, absolut gebieterische Not... zur Empörung gegen diese Unmenschlichkeit gezwungen ist, darum kann und muß das Proletariat sich selbst befreien.
Es kann sich aber nicht selbst befreien, ohne seine eigenen Lebensbedingungen aufzuheben.
Es kann seine eigenen Lebensbedingungen nicht aufheben, ohne alle unmenschlichen Lebensbedingungen der heutigen Gesellschaft, die sich in seiner Situation zusammenfassen, aufzuheben.
Marx/Engels, Die heilige Familie, in: S. Landshut, Die Frühschriften; Stuttgart 1953, S. 318 f.
Das ist der Horizont vernünftig-humaner Erwartung.
Daß wir ihm, seit Marx ihn aufgezeigt hat, kaum nähergekommen sind, hat mit Marx und Engels selber, mit dem Marxismus auch zu tun.
Ein Grund, neben vielen anderen, sei hier provisorisch umrissen:
Die proletarische Revolution weltweit kann nur stattfinden mit Marx und dem Freudomarxismus - und mit "Gott".
Der Pseudoszientismus, dem die Auffassung von der gesellschaftlichen Relativität des Ethischen entsprang, hat das westeuropäische Proletariat unfähig gemacht, Revolution zu wagen.
Wenn nur die Not zur Revolution zwingt, dann war mit Überwindung der schlimmsten Not, schon ab der Jahrhundertwende, ihr Agens geschwächt.
Not gibt es heute als physische nur in der "Dritten" Welt.
Das Recht zum Revolutionieren kann die ML-Ideologie nicht erklären.
Falls ein Mensch nicht im Affekt handelt: warum sollte er sich zusammenschießen lassen?
ML-Parteien können vielleicht noch Revolutionen organisieren, können internationale Hilfsnetze knüpfen.
Aber das Menschenrecht, gegen ungerechte Zustände aufzustehen, kann nur eine Religion verkünden.
Da die christliche (katholische) zu verwoben ist mit dem Kapitalismus (die protestantische sowieso), bleibt als aktivere nur der Islam.
Der Marxismus-Atheismus steht dem bildlos-abstrakten jüdischen und islamischen Ein-Gott-Glauben näher, als er es weiß.
In Europa war es anders gar nicht möglich, das korrupte Christentum abzuwerfen, als durch Flucht in die Nüchternheit und Hohlform des Atheismus.
Der europäische Atheismus ist eine Vorform des Monotheismus, die Befreiung vom Heidentum im Christentum.
Eine Religion von der moralischen und logischen Korrumpiertheit des Christentums mußte abgeworfen werden.
Drei Personen "in einer", dazu Muttergottes und der Antigott Satan: das ist Poly- oder Henotheismus.
Wo es mehrere Götter gibt, helle und düstere, männliche und weibliche, obere und untere, dort gibt es auch mehrere Moralen: für Herren und für Knechte, für weiße und für farbige Völker, vater- und mutterrechtliche, vernünftige und widervernünftige.
Der Linguist Max Müller stellte, einen Begriff des Romantikers Schelling benutzend, fest, alle "arischen" Völker seien henotheistisch.
Gottgewollt, naturgewollt?
Was auch immer die Romantiker, Germanisten, Ariosophen meinen, der, der die Weltrevolution wünscht, stellt fest, daß Judentum und Islam geografisch zwischen den polytheistischen Kulturen des antiken, germanischen und christlichen Europa und den polytheistischen Kulturen des hinduistischen Südasien stehen.
Die Juden Europas sollten durch eine 1600 Jahre währende christliche Verfolgung, deren letzte die nazistische war, zum Abstieg in eine moralische und intellektuelle Korruption gezwungen werden.
Und mit dem politischen Zionismus ist das z.T. gelungen.
Nicht nur der Antisemitismus ist dem Christentum inhärent.
Jeder Poly- und Henotheismus heiligt die Klassen- und Kastengesellschaft.
Der Kampf der bürgerlichen und proletarischen Aufklärung und Demokratie gegen den Vatikan ist bekannt.
Der Kampf des Islam gegen die hinduistische Kastengesellschaft, an der schon der Buddhismus in Indien zugrundegegangen war, ist nicht weniger heroisch.
Es hat nie einen Ur-Monotheismus gegeben, wie es die Theorie des katholischen Antisemiten Pater Wilhelm Schmidt, Theorielieferant des Ordo-Liberalen Alexander Rüstow, glauben machen sollte.
Es hat aber auch nie eine automatische Evolution vom Animismus über den Poly- zum Monotheismus gegeben.
Der Ein-Gott-Glaube, aus dem das eine Gesetz für alle Menschen sich logisch ergibt, war ein moralischer und intellektueller Willensakt, politische Emanzipation aus Herrschaftsdruck und Aberglauben.
Die proletarische Revolution kann in Europa und Nordamerika nur dann wieder flott werden, wenn sie sich "verjudet" und "islamisiert", also die ethnistischen und parochialen Borniertheiten und Korruptionen hinter sich läßt.
Solchen kulturellen Fortschritt hat es im "arischen" Persien schon zweimal gegeben.
Der Zoroastrismus als henotheistische Überwindung des reinen Polytheismus war der erste Fort-Schritt; die monotheistische Überwindung des Zoroastrismus durch den Islam der zweite.
Nicht zu vergessen, daß mit dem Bahaismus bereits der dritte Schritt erfolgt ist.
Was im Mittleren Osten möglich war, ist auch in Europa möglich.
Dort stand der gute Gott Ahura Mazda gegen den bösen Gott Ahriman.
Auch das Christentum leugnete nicht die Existenz der antiken Götter, sondern nur ihre Göttlichkeit.
Augustinus: Omnes dii gentium daemonia!
Alle Heidengötter sind Dämonen.
Der mörderische Veitstanz des Christentums durch die Jahrhunderte und über die Welt erklärt sich nicht nur aus seiner konstantinischen Macht- und Staatssucht, sondern auch aus seinem spaltungsirren Dualismus.
"Du sollst keine anderen Götter neben mir haben", glaubten die gerade monotheistisch gewordenen Juden Jahweh erklären zu hören.
"Es ist kein Gott außer Gott!" erkannte später der andere Semit, Mohammed.
Baal und Moloch, die Götter des Stammeswahns und der Ausbeutung, sind immer noch die Dämonen der Christenheit.
Es ist aber kein Gott außer dem des universalen Sittengesetzes.
Und sein sind nicht Völker, sondern die Umma.
Nein, es geht hier nicht um die Annahme alter Riten durch Europas Proletariat.
Der Monotheismus hierzuland wird nicht hinter Marx und Freud zurückgehen können.
Harem, Purka, Mädchenexcision, Scharia, Ikonoclasmus sind nicht zu übernehmen, sondern im Islam zu beseitigen.
Der sufische Islam hat eine Gottesvorstellung, die mit dem Pantheismus Spinozas vergleichbar ist.
Die nachislamischen Bahai, gänzlich ohne Riten, alte Bräuche, Dominanzbestrebungen, fügen den 10 Geboten noch einige politische hinzu: die klassenlose Föderation der gesamten Menschheit als Sittengebot.
Die Frage des Proletariats ist also zum einen die nach seiner Weltoffenheit und menschheitlichen Geschwisterlichkeit, zum anderen die nach dem Wert, den es selbst sich gibt.
Nur der kann geachtet werden, der sich selbst nicht verächtlich machen läßt.
Von diesem Standpunkt aus sind alle anderen Fragen zu stellen, zu beantworten oder als falschgestellte abzuweisen.
Kernstück meiner gesamten politischen Arbeit schon seit meiner Schülerzeit war der Kampf gegen den Ethnismus und für die Föderierung, kontinental und weltweit, der Demokratie.
Nie mehr Nazismus hieß:
Kein vereinigtes Deutschland, wenn dies eine Gefährdung der Demokratie bedeuten könnte.
Und hat nicht die Entwicklung seither bewiesen, daß, je mächtiger ein Deutschland (oder mehrere), desto schwächer die Demokratie?
Nie mehr Stalinismus hieß wiederum, die Vereinigung mit Stalins Deutschland fürchten.
Es hieß für jeden, der die Kapitulation des deutschen Proletariats vor Kaiser, Ebert und Hitler erlebt hatte, dem der Marxismus als hohles System offenbar geworden war, die Linke mit Mißtrauen zu bedenken, wenn auch nicht mit dem Abscheu, der der Rechten galt.
1968 schien eine Erneuerung möglich.
Aber nicht nur die SPD verriet.
Auch die 68er "Linke" stellte sich heraus als besonders infame Betrugsbrigade.
Wer sich in den 70er Jahren nicht aus der Politik zurückzog, egal wo er wirkte, egal was er sagte und wollte, geriet ins Zwielicht.
Zwielicht!
Auf die Wiedergabe der StvZ-Meldung über die Gründung der Rheinbundbewegung (kuckuck 42e-h, S.114/120) folgt eine zutreffende Charakterisierung des völkischen Regionalismus (aus kuckuck 10, 1975/76).
Damit wird angedeutet, wo wir stehen oder hinkommen könnten.
Das muß also klargestellt werden:
Unser Regionalismus ist kein völkischer, will nicht Grenzen ziehen entlang Sprach- und Dialektscheiden.
Es geht uns um politische (!) Grenzen mitten "im westdeutschen Volkskörper", weil es uns um politische Selbstbestimmung geht.
Es geht uns auch nicht um Mundarten, sondern um Mündigkeit.
Allerdings geht es uns um eine andere politische Sprache, die inhaltlich dem Englischen und Französischen ähnlicher werden soll als dem Hochdeutschen mit seiner hofbürokratischen und lutherisch-ideologischen Struktur, seinen zugleich papiernen wie trüb-"tiefen" Idioms.
Das ist ein Unterschied, und er wurde gemerkt.
Wagenbach brachte heraus: Jean, Elsaß: Kolonie in Europa... über Occitanien, Korsika, Wales und Jura, Berlin 1977, und Tintentisch 10: Regionalismus, Berlin 1976.
Über den Rheinbund nichts, weil er thematisch da nicht reingehört.
Und eine besondere Publikation?
Paßt jetzt nicht ins Verlagsprogramm.
Dito Tricont.
Dito Rotbuch.
Die wissen, was unters Volk muß und was "Unsinn" ist.
Das Wiedervereinigungsgebot und diese "Linke".
England und Frankreich, Jugoslawien und die UdSSR balkanisieren, aber Alldeutschland groß, breit und mächtig.
Was Hitler nicht schaffte, die westdeutsche "Linke" wird's bringen.
Bonn hatte sich jahrelang abgerackert, viel Geld auszugeben.
1871 - Fragen an die deutsche Geschichte (Historische Ausstellung in WBerlin und der Frankfurter Paulskirche, Schirmherr Heinemann, Beauftragter für die Durchführung Genscher, 203 Seiten, ca. 70 Seiten Hochglanzfotos).
Oder:
Auswärtiges Amt 1870-1970, herausgegeben von diesem, Bonn 1970, 215 Seiten, mit den Amtszeiten aller Außenminister, Staatssekretäre, Unterstaatssekretäre, ohne die Nazi-Opfer und ohne die SS-Hundertschaft, die erst nach 1945 in das AA gekommen war.***
Oder:
Wilhelm Haas, Beitrag zur Geschichte der Entstehung des Auswärtigen Dienstes der BRD, Geheimschrift, dennoch ans Licht gebracht, und "fatale Rechtfertigung der Einstellung zahlloser ehemaliger Nationalsozialisten in das AA" (Ulrich Keitel im Hessischen Rundfunk und in Seeliger, Bonns graue Eminenzen, München 1970).
* Siehe auch NewCatch online exclusive: Horst Lummert, "Sehr geehrter Parteifreund..." - kkk
Oder:
Die Preußen-Ausstellung in WBerlin (5 Katalogbände bei Rowohlt 1981).
Oder:
Mitscherlich/Kalow (Hrsg.), Heimat, Nation, Piper, München 1971.
Oder:
Eugen Gerstenmaier, Neuer Nationalismus, dva Stuttgart.
Schon 1965 brauchte Bonn, um den Nationalismus der NPD abzunehmen, einen "demokratischen".
Das machte der 20.-Juli-Mann Gerstenmaier.
Einen Dutschke oder Peter Brandt, der das noch linker hätte drapieren können, hatte man damals noch nicht zur Verfügung.
Damals ließ das die Jugend kalt.
Heute hat man sie eingefangen, dank unseren "68ern".
Bis heute kann es die BRD nicht wagen, ihre Ahnen - die, auf die sie sich beruft; nicht die, von denen sie auch abstammt! - mit Originalschriften auftreten zu lassen.
Da würde sich nämlich sofort herausstellen, daß zwischen diesen "Demokraten" und den Nazis wenig oder gar keine Unterschiede bestehen.
Der Freiherr vom Stein, in dessen Namen sogar zwei Ehrenpreise verliehen werden, war ein Feind der Demokratie und ein Antisemit; Napoleon war nicht der einzige, den er bekämpfte, und er bekämpfte den Korsen, weil er der Erbe der Revolution und der Befreier der Juden in Deutschland war.
Deswegen!
Dasselbe gilt von den "Demokraten" Fichte und Jahn.
Gleich neben dem Bundespostministerium in Bonn liegt ein Nationalheiligtum, das Haus des Antisemiten, Franzosen- und Slawenhassers E. M. Arndt, Mitglied der deutschdemokratischen Paulskirche.
Sein Buch Die Ewigkeit des Volkes (Diederichs Verlag, Jena 1940) könnte Augen öffnen.
Oder man lese des "Demokraten" Rathenau Reflexionen (Hirzel Verlag, Leipzig 1912), wenn man etwas über minderwertige Rassen, Juden incl., erfahren will.
Auch der Siegfriedenskämpfer Erzberger und der von Fr. Wilh. Foerster entlarvte Friedens- und Europa-Politiker Stresemann, beide etwa so gemäßigt wie Adolf Hitler bis 1937, na sagen wir: 1938 oder 1939 bis zur Heimkehr des Memellandes, könnten dazu dienen, die BRD zu durchschauen.
Genau deshalb werden ihre Reden und Schriften wohlweislich nicht aufgelegt.
Auch nicht von Wagenbach, Tricont, Rotbuch usw..
Denn diesen Verlagen geht es nicht um die Demaskierung der BRD, sondern um deren perfektere Maskierung.
Die BRD demaskieren zu wollen, ist ein hartes Stück Arbeit.
So staatsfromm sind Deutsche, daß sie auch noch dankbar dafür sind, denken und schreiben zu dürfen.
"Im System BRD, unter alliiertem Schutz", schreibt R. F. Schütt, könne es eine Zeitschrift wie KUCKUCK geben.
Dank dir Deutschland, wie großmütig du bist!
Es gibt Gegenden, da sind die Staaten ihren denkenden und schreibenden Bürgern dankbar, daß diese sie noch existieren lassen.
Bei uns natürlich anders.
Alexander Herzen kam in Berlin in eine Schneiderei; über dem Tisch hing der Preußenadler sowie der Spruch "Unter deinen Flügeln kann ich ruhig bügeln!".
O deutsche Bescheidenheit!
"Nur Lumpe sind bescheiden", sagte Goethe, und er muß dies gemeint haben.
Ich weiß ja nicht, was der KUCKUCK zu gewärtigen hat, wenn er mal den Machthabern konkret ans Leder geht.
Ich fürchte, da ist's schnell aus mit der Freiheit.
"... unter alliiertem Schutz...", steht da.
Also so groß kann das Vertrauen ins deutsche Proletariat nicht sein; aber das hatten wir ja schon.
Ich bin derselben Meinung.
Nichts gegen alliierte Beschützer der ewig "jung" bleibenden westdeutschen Demokratie.
Fabelhaft, schon 34 Jahre alt und immer noch so jung.
Kann noch nicht allein stehen und gehen!
Ob dieses deutsche Wunder wohl damit zusammenhängt, daß die meisten Westdeutschen Nazis sind und die US-Army ihr Freund ist?
Abgesehen davon, daß er noch nicht von der Polizei belästigt oder mit einem Prozeß überzogen worden ist - was einem Verbot gleichkäme -, kann der KUCKUCK nach äußerer Aufmachung und Auflagenhöhe zur westlichen Samisdat-Presse gerechnet werden.
Doch erschiene er im Osten, hätte er eine tiefgehende aufklärende Wirkung.
Vielleicht überlegt man anhand dieses Vergleichs einmal, wo in Deutschland und Europa die Aufklärung größere Chancen hat: dort, wo die Menschen bis ins Unterbewußtsein vom System integriert sind, oder dort, wo sie einem langweilig argumentierenden aufgeklärt~burokratischen System gegenüberstehen.
Doch da nun von den westlichen Integrationssystemen die Rede ist, muß noch einmal die Rede kommen auf die inzwischen abgeschlaffte Friedensbewegung - sie hat ihr Ziel erreicht: die US-Raketen werden stationiert, ohne daß es Widerstand gibt, das walten Jo Leinen und Petra Kelly - und auf die GRÜNEN, deren Korruption nun so rapide fortgeschritten ist, daß für die Korruption des Bundestags zu fürchten ist.
Es geht doch nichts über ein gesundes Maß, mag Barzel schaudernd denken.
"Interessen-Konvergenzen (zwischen USA und SU, E.K.) bleiben nämlich völlig außer Betracht", schreibt Horst Lummert über meine Darstellung und die von Western Goals.*
** richtig lesen in kkk 42e-h: Horst Lummert, Sam Wonder oder Die chamberlaineske Hilflosigkeit - kkk
Also, ich habe diese sehr wohl beschrieben, z.B. seinerzeit das gemeinsame Interesse von CIA und KGB, die Solidarnosc so zu radikalisieren, mit chauvinistisch-katholischem Unsinn, Reminiszenzen an den Faschisten und Antisemiten Pilsudski vollzupumpen, daß die Gewerkschaft aufgelöst würde.
Der KGB machte dabei mit, um Ruhe im Block zu kriegen, der CIA, um Blutvergießen und weitere Unruhen zu erzeugen.
Meine Perspektive ist zwar keine gesamtdeutsche, aber eine westeuropäische, die auf Veränderungen in ganz Europa, einschließlich der SU, einschließlich ihrer asiatischen Teile, hofft.
Die Bewertungen, die dafür von Fall zu Fall vorgenommen werden, können nicht holzschnittartig sein.
Aber unter Deutschländlern kommt man mit Delikatessen nicht an, man landet immer in irgendeiner Ecke, bisweilen in allen (Moskau, Nazi, Rudolf Steiner usw., usf.).
Horst Lummert stellt mich so dar, als versuche ich, den "preußendeutsch-sowjetischen Schulterstups" als "Friedensbewegung" zuzudecken.
Wirklich?
Angenommen, Moskau hätte, um die Pershing-Installation zu verhindern, eine gesamtdeutsche Konföderation angeboten.
Man darf sich darauf verlassen:
Ich hätte mich gegen diese Möglichkeit ausgesprochen.
Die CDU/CSU/FDP hätten es schwer gehabt, ihre uralte gesamtdeutsche Schwafelei (die nur einen realen Kern hat: den Wunsch nach dem Anschluß der DDR an die BRD) umzustellen; aber sie hätten gleichfalls abgelehnt.
Die SPD wäre gesamtdeutsch umgefallen, weil, nämlich, die gesamte neunationalistische "linke", die EKD, stern wie Spiegel, die Grünen und alle Mao-Stalinisten (von Peking und Tirana kommt ja keine Anweisung mehr, die arteigenen Hirnnebel steigen unaufhaltsam), die oben genannten Verlage: für diese gesamtdeutsche Konföderation wären.
Ja, auch die Netze der CIA in dieser "Linken" wären Opfer ihrer Volkstumspropaganda geworden, insgeheim hoffend, daß diese Konföderation doch eher deutsch als prorussisch sich entwickeln würde.
Warum bin ich also gegen den Ethno-Etatismus in Europa?
Weil er jeden Ansatz von Befreiungen, ob bürgerlicher oder proletarischer Art, zunichte gemacht hat, zunichte machen wollte und zunichte machen würde.
Auf Seite 144 (42e-h) oben beschreibt Lummert die Friedensbewegung, naive Mehrheit und volkstümlerische Minderheit, sehr präzise.
Aber diese treibende Minderheit ist eben nicht die von Dohse für die Jahre 1945-55 beschriebene.
Oder, soweit sie es hinter allen Kulissen doch sein sollte (so weit dahinter, daß ich, der einiges gesehen hat, von ihr nicht mal ein Rascheln wahrnehmen konnte), ist sie nicht mehr unabhängig von NATO-Geheimdiensten, ist sie längst integriert.
Sie spielt, falls sie dabei ist, unbewußt-halbbewußt mit in einer Inszenierung der NATO.
Es war eben nie gescheit, nicht nach 1945, nicht davor, nicht 1805, die staatliche Einheit Deutschlands, was immer man unter ihr verstand, zu wollen.
So wichtig der Beitrag Dohses für die Nostalgiker der ersten Nachkriegsjahre ist, für uns und die nächste Zukunft wäre die Beschäftigung nutzbringender mit der "nationalsolidaristischen" Zeitschrift WIR SELBST und mit der von dieser sich gar nicht wesentlich unterscheidenden Westberliner maoistischen Zeitschrift BEFREIUNG.
Letztere "analysiert die Kräfte der nationalen und sozialen Befreiung, untersucht die Entwicklung der Völker und Staaten der Dritten Welt, berichtet über Befreiungsbewegungen, unterstützt die demokratische Opposition in Osteuropa" (so der Werbeprospekt 1978) und steht der mao-völkischen, 1980 in Die Grünen ergossenen "KPD" sehr nahe.
Ein Themen- und Autorenvergleich zwischen der "rechten" und der "linken" Zeitschrift wäre entlarvend.
Da würde deutlich, was Dutschke 1976 eröffnet und verbrochen hat.
Der maoistisch-rechtsradikale Pakt, ideologisch von der "KPD" 1975 und Dutschke 1976 vorbereitet, kam im Mai 1978 in Lissabon ans Licht.
Die Konferenz "über die sowjetische Bedrohung Europas" vereinigte die sozialdemokratischen DM-Politiker des Mario Soares mit den sich ebenfalls sozialdemokratisch nennenden Christen Portugals, dem faschistischen Demokratisch-Sozialen Zentrum und der maoistischen KPD/ML.
Gäste waren Kai-Uwe von Hassell, Cornelia Gerstenmaier (Kontinente, Springer), Höpker von der Deutsche Zeitung sowie die von Südafrika finanzierten Terrororganisationen FNLA und UNITA in Angola.
Die Konferenz forderte die "Verfolgung" der Moskau-orientierten KPen sowie "eine große Massenbewegung in Europa auf der Grundlage der Solidarität mit dem Widerstand in Osteuropa".
Genau dies, eine Einheitsfront aller Mao-Stalinisten, Antibolschewisten, Nazis und NATO-Elemente wurde in den Grünen und in der Friedensbewegung geschaffen.**
*** Siehe dagegen in kuckuck 33/34: Horst Lummert, Implikationen der sogenannten Friedensbewegung und Wider die schwammig-schlampige Assoziation - kkk
Nur reichten Geld und Informationstips nicht aus, das auszugleichen, was die östliche Seite mit den DKP-Leuten, ihrer höheren Intelligenz und Arbeitskraft ihrerseits in die Friedensbewegung hineinschickte.
Aus der Nähe betrachtet, gewinnt man den Eindruck, daß der Osten immer noch mehr Menschen mit existenziellem Engagement aufbieten kann als die NATO.
Man kommt der Wahrheit nicht näher mit geistreichen Witzen ("KGB ist ein Instrument von CIA zur Unterdrückung der Sowjetunion und zur Steuerung der antiamerikanischen Friedensbewegung in der Welt", 42e-h, S. 141).
Das war ein Kampf zweier Intelligence-Systeme auf unserem Boden.
Dem hatten wir keine Intelligenz entgegenzusetzen.
Das muß man sich merken!
Muß man sich aber nur merken, wenn man dieses Land davor bewahren möchte, Schauplatz eines heißen Krieges zu werden.
Die think-tanks der NATO sind auch nicht dumm.
Also fertigten sie für den das bunte Netz, das bewirkte, daß nicht wenigstens ein Teil Europas aus einem Militärsystem ausbrach.
Die Grünen wurden zur Alter-Nativistischen und zur Alter-NATO-Partei.
Die taz, insbesondere Klaus Wolschner, half fleißig dabei mit.
Die Grünen ließen sich durch Petra Kelly veranlassen, den Krefelder Appell "mitzugründen", der, Apel und FAZ hatten diesmal recht, nicht ohne die DKP zustande gekommen wäre.
"Dafür" trat man gleichzeitig der Russell-Peace-Foundation bei, einer, wie der Name des politisierenden Philosophen andeutet, Einflußagentur britischer Gleichgewichtspolitik.
Aber diese freiwillige Aufgabe eigener politischer Möglichkeiten durfte nicht kritisiert werden, Unabhängigkeit schon im Denken wurde nicht belohnt.
Wo kämen wir denn auch hin, wenn man Führern oder Führerinnen widersprechen könnte?
Prof. Dr. Helmut Gollwitzer (im SPIEGEL vom 2.1.84, S. 10) schilt, "was bezweckt dieser Angriff auf Petra Kellys Moralität?".
The Fuhrer can do no wrong, sagt's sich in Englisch besser, weil's in Deutsch immer wieder vorkommt.
Auch dann vorkommt, wenn dies und das, auch die Regelung von Geldproblemen, nicht zum ersten Mal geschehen ist.
In Deutschland wiederholt sich alles, Marika Rökk wird bis zum 90. Geburtstag allsamstäglich ein glückliches Publikum finden.
Und stirbt einmal ein Gottgesandter zu früh ("tragisch"), dann macht man sich den nächsten.
"Unermüdlicher Kampf".
Ich warte schon auf die Memoiren, in denen ein besserer Herr berichten wird:
"Wir, die wir mit der Führerin Tag für Tag, Stunde für Stunde, Minute für Minute, Sekunde..."
Und doch mußte das gewagt werden.
Anders war eine totale Diktatur der CDU/CSU, über den Kanzler Helmschmidt, nicht zu brechen.
Die Sozis gehören in die Opposition, für immer.
Nie wieder Noske!
Und da Die Grünen die SPD wieder in die Regierung bringen könnten, müssen sie auseinandermontiert werden.
Schleunigst.
Nur einmal war die SPD außenpolitisch vorteilhaft: mit Brandt.
Seine Ostpolitik durfte trotz Bahr verstanden werden als Fortsetzung der Hitler'schen und Adenauer'schen Spaltung des Deutschen Reiches.
Hätte Strauß nicht das Bundesverfassungsgericht angerufen und dieses nicht pariert, wir wären heute raus aus der Kriegsdynamik.
Von diesem Standpunkt aus gesehen mag Duckwitz' Loblied auf den Frühfaschisten Rantzau eine Täuschung der AA~Nazis gewesen sein.
Die Nazis, die zur CDU/CSU hielten, fielen nicht drauf rein.
Eine Unverschämtheit war sie doch für naivere Gemüter, wie ich damals eines war.
Und Preußen ist ja nicht immerzu schlecht gewesen; das muß ein Rheinbündner zugeben können.
Als Friedrich II., als Freund Voltaires der Große, als Feldherr ein genialer wie hundertfünfzig vor und nach ihm, Österreich schädigte; als Bismarck 1866 Habsburg noch einmal schlug, da hatte die Emanzipation Europas Chancen erhalten.
Ohne dieses Preußen hätte es kaum die Freimaurer-Monarchie Italien gegeben, nicht die Tschechoslowakei und Jugoslawien.
Preußen, ein Staat ohne eigene Idee, Machtstaat um der puren, dummen Macht halber, hat zweimal für den Westen gefochten.
Für den Fortschritt.
Und, übrigens, die Befreiung der Juden in Mitteleuropa war, nachdem Napoleon unterlegen war, nicht Habsburg und Romanow zuzuschreiben, sondern Bismarck.
Ich habe guten Grund, das zu bemerken.
Und noch was:
Adenauer war kein rheinischer Separatist.
Von ihm schreibt Dorten in seinen Memoiren, er habe die Separatisten für 1 Million Goldmark verraten.
Allein deshalb kann die BRD, entgegen den Behauptungen Jens Daniels (Deutschland - ein Rheinbund?, Leske Verlag, Darmstadt 1953), kein westlicher Staat geworden sein.
Nicht einmal ein antinazistischer.
Er so wenig wie unsere Maoisten stört sich an hilfreichen Beziehungen zu dem Regime, das nach 1945 den schlimmsten Massenmord unternommen hat: zu den Exilanten und Partisanen des Pol Pot.
Was sind das für Antibolschewisten, "Demokraten" und "Sozialisten", die 20 Jahre nach dem Tod des Dschugaschwili gegen den Entstalinisierer Chruschtschow aufstanden - natürlich in gebührender Entfernung, die Memmen -, um Stalin und Pol Pot hochzuloben!
Reiner Tisch müßte gemacht werden.
Hätte 1945 gemacht werden müssen.
Ist aber nicht geschehen.
Reiner Tisch!
Da Horst Lummert mir die Mitarbeit (unregelmäßig, nicht bezahlt) an Wolf Schenkes NEUE POLITIK vorgeworfen hatte, habe ich gefragt, warum er denn als Redakteur dort gearbeitet habe.
Auch die verschiedenen Zeiten unserer Mitarbeiten schienen mir nicht unmaßgeblich für eine gerechte Beurteilung zu sein.
Nun hat Horst Lummert dokumentiert, warum und wie er mit Wolf Schenke gebrochen hat.
Aber nach wie vor ist mir die Frage wichtig:
Warum ist Horst Lummert überhaupt zu Schenke gestoßen?
Von mir kann ich dieses dazu sagen:
Als Schenke noch gesamtdeutsch-neutralistische Politik machte, nach H. Lummerts Darstellung in Tuchfühlung mit alten Nazis, war ich nicht einmal Leser der NEUE POLITIK.
Denn ich war schon damals prowestlich gesinnt.
Gerade damals war H. Lummert bei Schenke.
Von meinem Standpunkt ist dieser Zeitpunkt eher vorwerfbar, wenn überhaupt, als der spätere.
War auch H. Lummert ein gesamtdeutscher Neutralist?
Oder wollte er NP eine linke, proletarische Schwenkung geben?
Ich war, neben Wolf Schenke und Hartmut Fondermann, einer der Mitgründer und Sprecher der Bürgerinitiative Frieden durch Neutralität.
Nun ist es aber das Besondere dieser Gründung, daß sie Neutralität nicht für Gesamtdeutschland fordert, sondern ausdrücklich nur für die BRD.
Für mich ist diese der erste Schritt zu einer blockfreien westeuropäischen Föderation.
Schenke hat meine Artikel nie zensiert.
Er hat mich zu Wort kommen lassen und seinen Widerspruch deutlich gemacht.
Nie hat er mich hingestellt als dubiose Figur, Falschspieler oder pfiffigen Betrüger.
Das sei zur Ehre Wolf Schenkes ausdrücklich vermerkt!
Angesichts der offenkundigen Gefahr eines begrenzten Krieges infolge der Pershing-Aufstellung mit Stalins Verbrechen zu argumentieren, wie es die "nonkonformistische" und die maoistische westdeutsche "Linke" tun, ist nachgerade lächerlich, wo es nicht geheuchelt ist.
Für mich mußte nicht, viele Jahre nach Stalins Tod und dank Chruschtschow, der Exstalinist und großrussische Nazi Solschenizyn kommen, um mich aufzuklären.
Dessen Bücher scheuchen bis heute Linke bei uns und in Frankreich in die Arme des Neofaschismus.
Alexander Weißberg-Cybulskys Hexensabbat, Koestlers Sonnenfinsternis, die Bücher von Margarete Buber-Neumann und Ruth Fischer, die Autoren von The God that failed hatten schon in den 50er Jahren aufgeklärt, wo das überhaupt nötig war.
Trotzkis Analysen des Bürokratismus und Stalinismus, zu gründlich für unsere "linken" Überflieger, bewiesen Djilas Neue Klasse und Elleinsteins Stalin als langweilige Stückwerke.
Was ist das für eine "Linke", die 55 Jahre nach der Kritik Trotzkis und 35 Jahre nach Titos Abfall von dem früheren Ochrana-Agenten und Menschewistenfreund plötzlich merkt, was falsch gelaufen ist?
Geistesgrößen sind die wohl kaum!
Aber sie quatschen überall besserwisserisch mit.
Auch für mich ist die DDR keine Arbeiterdemokratie.
Ich kenne die Gründe dafür, nicht zuletzt die im Westen liegenden.
Aber die DDR ist nicht der Nachfolgestaat des Nazireiches.
Die feudalen, romantischen, staatskirchlichen und kapitalistischen Wurzeln des Nazismus, in der DDR wurden sie gekappt.
Gewiß, tief drunten in der Volksseele wuchern sie noch, wie bei uns; sie zu beseitigen, bräuchte man Jahrhunderte und kulturelle Vermischungen.
Immerhin:
Es ist nicht die DDR der Staat, in dem Nazibanditen mit Brandbomben Ausländer ermorden können, in den Selbstmord treiben, in dem der Mörder Thälmanns Lehrer und geachteter "Mitbürger" wurde, in dem eine NPD Schulden in Millionenhöhe nicht zurückzuzahlen braucht, weil ihr Finanzier, der Staat, hofft, daß sie die nächste Wahl gewinnen möge.
Der Staat ist die DDR nicht.
Aber er ist den Ostdeutschen aufgezwungen!
So eine Schande und Mißachtung der Freiheit!
Während diese Schande der BRD nicht angelastet werden kann.
Hier steht die Mehrheit vor der Regierung.
Diese DDR exportiert Nazis gegen DMark, wie der Ostblock überhaupt, hört man sich im Lager Friedland nur mal um, seine Nazis in "das freieste Land der Welt" (Dregger am 16.1.84 im Fernsehen) exportiert, statt das Problem allmonatlich mit der Guillotine zu lösen.
Das beleuchtet die Impotenz des östlichen Systems.
Es hat die Nazis gegen sich und die Massen nicht für sich.
Und diese Impotenz werfe ich dem Ostblock vor.
Denn ich bin nicht von 1968 und lebe nicht in Westberlin.
online-Fassung
kuckuck 43/44/45
Frühjahr/Sommer/Herbst, 1984
8. März 1984
kokhaviv press:
Horst Lummert in kuckuck (kulikri)
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