free download kuckuck network archive NewCatch.com

Erkenntnistheorie und politische Praxis - Seit 1973 - Redaktion: Horst Lummert

1983-11-05

Erich Knapp*

Der Mann, der Dutschke den "links"-nativistischen Furz ins Hirn setzte

Und andere Kapriolen

Vgl. kkk 42a-d

*"Rheinbündler und Ex-Grüner" (Knapp über Knapp)

"Reim dich oder ich bieg dich!" Dies war der überdehnte Grundsatz, als Horst Lummert seine Polemik gegen mich, in vielen Details scharfsichtig, im Ganzen danebengegangen, niederschrieb. Ich bin zu faul, darauf systematisch zu antworten. Ich werfe einen Sack Korn urd Spelzen über den Zaun:

1. Der KUCKUCK also jetzt Deutschlands Kurier? Horst Lummert der grünen blockübergreifenden gesamtdeutschen Propagandakompagnie psychologischer Ostkriegsführung der NATO beigetreten?

Man konnte es erwarten angesichts seiner Unsensibilität gegenüber der Pershing-II-Drohung und den offensichtlichen Umweltvergiftungen. Doch Kurskorrekturen sind möglich.

Zur Zeit aber sehe ich den gesamtdeutschen Ernst, mit Familiennamen Hoplitschek, unterwegs in die Skalitzer Straße, um dem KUCKUCK-Macher H.L. den Großen Petra-Kelly-Brustorden am grünen Band gewaltfrei umzulegen.

Denn er ist es ja, dem Wolfgang Pohrt sei's geklagt, der sich in diesem Spätjahr als der eigentliche Urvater jener auf "links" gewendeten ethnistischen Wiedervereinigungs-Masche herausstellt, der ich, damals das da-avanti-Leser, sofort widersprochen hatte, als Dutschke sie dort verkündete.

Also nicht Dutschke war es, der dem Henning Eichherg ein Tor geöffnet hat, durch das dann die EKD, DIE GRÜNEN, Havemann, die Friedensbewegung usw. sich durchwälzten bis zum heutigen Tag - es war Horst Lummert.

Mir freilich bis zum letzten KUCKUCK nicht bekannt, denn ich war damals, als er dort Redakteur war, nicht Leser jener NEUE POLITIK, deren Herausgeber Wolf Schenke auf Seite 110 von H.L., wenn auch nicht erschöpfend und gerecht, so doch recht braun charakterisiert wird.

Vielleicht klärt uns H.L. darüber auf, warum er 1969, also sieben Jahre vor Dutschke, Eichberg und der völkischen Kehre der stalinistischen Studentenpartei "KPD" (diese 1975) seine gesamtdeutsch-proletarische These nicht in konkret veröffentlicht hat (evtl. nicht veröffentlichen konnte, damals noch, bei den Röhl-brothers), sondern in NEUE POLITIK?

2. In der Sexta war es wohl, 1942 oder 43, als uns ein Lehrer ein Gedicht vortrug. Hieß es "Schillers Tod"? War's von Goethe, dem Dichterfürsten? Alles vergessen. Es ging um Schillers Leichenzug, nur der Kutscher, das Pferd und, glaube ich, ein streunender Hund waren dabei. Sehr, sehr traurig. Doch halt, noch einer hinterm Karren - diese letzte Zeile blieb mir im Gedächtnis: "Der Menschheit Genius war's!"

Der Pauker fragte, wer das wohl gewesen. Allgemeine Ratlosigkeit unter den Bauern- und Kleinstbürgerbuben. Doch mein unsicherer Nachbar, Großbürgerssohn vom Niederrhein, der R.Z., flüsterte mir, Bestätigung erhoffend, ins Ohr: "Bismarck?!?"

Damals schon schüttelte ich verneinend den Kopf. So ungebildet-proletarisch war ich immerhin: der konnte das nicht sein!

Seitdem komme ich aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus, kein Wunder, daß ich an Migräne leide.

Auch Horst Lummert flüstert, allerdings unüberhörbar, uns in die Ohren, an was er immerzu denkt, wenn er die bessere Zukunft unserer Länder bedenkt, an Bismarcks Reich, das nächstesmal richtig zu restaurieren sei, vom deutschen Prolet-Arier, wenn dem nur jemand - etwa H.L.? - klarmache, was Sache sei.

Ich dachte ja immer, daß die proletarische Revolution als die einer potentiell universalen Klasse nur auf die Weltföderation zielen könne, daß der Marxismus im Unterschied zum "nationalen" "Sozialismus", also völkischen Eintopf arischer Ausrichtunk (mit "k"), diese im Auge habe und nicht Bismarcks Reich.

Aber deutsche Proletarier, wie gesagt, sind anders, sind wohl doch arteigen, weswegen Rosa Luxemburgs Wort von den Hunden, denen ein künftiger Thorwaldsen das Denkmal setzen würde, so total verschwiegen wird allentbalben.

Da kann's dann auch nicht anders ausgehen, als daß ich bezichtigt werde, ein Modell korrekter Anwendung Bismarckscher Prinzipien erstellt zu haben. Der Rheinbund als Spätgeburt des Ostelbiers. Reim dich, oder ich brech dich.

Was eigentlich ärgert den H.L. so sehr, daß er mir nicht nur den genialen Junker, dessen Kopf bürgerlicher Intelligenz war (Sachse, die Familie Mencken), an den Kopf wirft, sondern, eigentlich verbalbeleidigend, auch Mussolini und Maurras?

Bevor ich mir's zu erklären versuche, doch ein Lob: der, H.L., macht sich immerhin die Arbeit, an dem Knochen herumzubeißen, den ich den Deutschdeutschen auf die Schnauze warf; andere wenden sich "gelangweilt" ab, weil jedes Infragestellen des Altgewohnten stört. Das sei ausdrücklich festgehalten, bevor ich das schartige Messer ziehe.

Ich weise es nämlich entschieden ab, danach beurteilt zu werden, wo ich publiziere (publizieren kann, denn ich habe fast keine Möglichkeiten). Ich bitte, nach dem beurteilt zu werden, was ich schreibe.

Meinerseits werfe ich niemandem vor, was und wer er einmal gewesen. Ob Redakteur bei NEUE POLITIK oder deren Herausgeber: sensible Menschen lernen, ändern ihre Meinungen, manchmal sogar ihre Grundsätze. In unserem Land verachtet man sie.

"Der wechselt die Meinung wie's Hemd!" Einer wirft dem anderen das vor, was abgelegt ist. Derweilen bestimmt die ewig-gleichbleibende, verachtenswerte Herde die Wirklichkeit.

3. Seit meiner Geburt, d.h. ohne eigenes Verdienst, ohne ursprüngliche Willensentscheidung, bin ich verwickelt in den Kampf zwischen den Demokraten, Proleten und Marginalisierten in diesem Land und den machthabenden Nazis Deutschlands, die 12 Jahre von einer halben Ewigkeit braun waren und seit 1945 ihre alte "Ohrnunk" westlich-demokratisch oder gar "freiheitlich" (das ist unübersetzbar deutschverlogen) drapieren.

An ihren Taten sollt Ihr sie erkennen, an den Berufsverboten und dem Glauben an die stärker bewaffneten Bataillone.

Die NS-Ideologie war, wie die der fdGO heute, eine andere Draperie. Wenn ich gegen die mächtigen, die Staatsnazis bin, dann bin ich nicht etwa für die staatsfernen "ideologischen Nazis".

Letztere geben nur einen-Schreckenshintergrund ab, gegen den sich das "gemäßigte" Bonn scheinbar vorteilhaft abhebt.

Überhaupt: Hätte das Hitler-Regime nicht alle Maßstäbe selbst "zivilisierter", d.h. üblicher Grausamkeiten gesprengt, hätten die behutsameren, schlaueren Nachfolger größeren Widerstand gegen sich.

Ich selbst bin lange genug diesem aus unbewußter Verstörtheit (zwischen 1933 und 45 verursacht) kommenden Irrtum unterlegen.

Ich habe schließlich den Bonner Staat für die Grundlegung einer wirklichen Demokratie gehalten, von FDP- und, später, CDU/CSU-Nazis leicht verunreinigt, aber dann durch die SPD zu säubern.

Welch groteske Annahme!

Daß ich heute mithelfe, den Bonner Staat ersatzlos aufzulösen, ist meinem späten Erwachen zuzuschreiben.

Ich bin sicher, daß mit diesem auch die "ideologischen Nazis" ihre Basis verlieren.

Denn die US-Quislinge in Bonn machen die arteigenen Nazis im Lande.

4. Teil dieses Versuchs, den "ewigen" deutschen Nazismus auszurotten, indem der deutschtypische Staat zerstört wird, war meine Mitarbeit beim Aufbau der GRÜNEN.

Die SPD wurde dadurch aus der Regierung gestoßen, wenn auch - noch nicht? - aus dem deutschen System.

Sie "wandelt" sich opportunistisch, will sich an die Spitze jeder Bewegung setzen, um diese abzubrechen.

Aber sie verstärkt damit die Bewegungen auch.

Von allem Anfang dieser meiner Arbeitsphase habe ich gegen die völkische und reichische Tendenz scharf Stellung genommen.

Ich war es, der (neben Richard Bünemann) 1976 gegen Dutschke den Doitschke anging.

Daß meine Widerrede kaum öffentlich wurde, hängt damit zusammen, daß Dutschkes völkischer Kurs eine Massenbewegung werden sollte.

Wir leben tatsächlich in einem totalitären System (und der Nazi-Totalitarismus war eben keine Minderheitsdiktatur über eine Mehrheit, sondern deutsche Demokratie).

Gegen den augenfälligsten, weil am straffsten organisierten Teil der völkischen und Wiedervereinigungsfraktion in den GRÜNEN, die Kader der "KPD", habe ich nach Kräften gekämpft.

Daß Kampf immer auch Tuchfühlung bedeutet, sollte nicht zu Verdacht verleiten.

Jeder, der in der Straßenbahn fährt, ob mit Tuchfühlung zu seinen Nachbarn oder ohne, sitzt mit ideologischen und/oder nichtideologischen Nazis zusammen.

Guilt by association ist ein "Rechts"grundsatz aller Schauprozesse dieses Jahrhunderts.

5. Da Horst Lummert die GRÜNEN-Kritik Wolfgang Pohrts teilt, darf ich mich dieser zuwenden.

Ein feinfühliger Diagnostiker ist er, der W. Pohrt.

Aber er sieht als Außenstehender, angewiesen auf gedruckte Informationen, nur Teile von diesen und der Friedensbewegung, eher hintergründige Strukturen, zugegeben, doch nie den eigentlichen back-ground.

Der Hintergrund ist deutschvölkisch, der back-ground englisch-amerikanisch.

Aufgebaut, teilfinanziert, publizistisch gesteuert und hoch-geputscht, über verlagserzeugte Denkstrukturen ferngelenkt wird diese Bewegung einschließlich ihres maoistisch-stalinistischen Bestandteils von jenem Teil der NATO, der USA, des CIA, des Council on Foreign Relations etc.pp , der drüben als FREEZE-Bewegung der früheren Vietnam-Falken und im NATO-Hauptquartier Europa als Rodgers-"Umrüstungs"-Plan auftritt.

Ich habe das leider erst im Spätsommer 81 erkannt und - als einziger! - publiziert, in Studien von Zeitfragen.

Doch ist diese Analyse der Friedensbewegung als Vorkriegsbewegung der NATO nicht auf H. Lummerts Zustimmung gestoßen.

Etwa, weil er die NATO für einen "Neuen Rheinbund" hält?

Jene altrechten Völkischen, die Pohrt als unfreiwillige Zeugen seiner Beweisführung zitiert, spielten z.T. in der Gründungsphase der GRÜNEN mit.

Es mag unbescheiden sein, dient aber der zeitgeschichtlichen Wahrheit, wenn ich mitteile, daß diese Strömung, die sich um Gruhl und Springmann scharte, auch durch mich - eher durch bewußtes Hinhalten und Verzögerungen, weniger durch Angriffe, weil es anders in jenem Bundesvorstand schwieriger geworden wäre - zum Austritt provoziert worden ist.

Einflußlos ist inzwischen auch die anthroposophische Tendenz, die mit der nazistischen nichts gemein hat, jedoch 1976 und 77 mit ihr hantierte; doch das ist ein anderes Kapitel, kein reichsdeutsches, sondern das "mitteleuropäisch"-habsburgische.

Insofern trifft Pohrts Kritik nicht ins Herz dieser Bewegung, ihr Motor findet sich nicht auf dem europäischen Kontinent.

Was Edmund Burke für die deutschsprachige romantische Reaktion auf 1789, was diese und Wagner, Chamberlain, Möller van den Bruck, Luegger, Schönerer, Lanz "von Liebenfels" usw. für den Hitler-Nazismus, das ist der Ökologismus als Ideologie - nicht als ökologische Naturwissenschaft! - für große Teile der grünen Bewegung: immer gegen die Emanzipationen gesellschaftlicher und denkender Art.

Hier bin ich mit Horst Lummert ganz einig.

Ich bemängele, daß er nicht sehen will, daß seit 180 Jahren eine antirevolutionäre Leitung vom (sozusagen) Privy Council der britischen Hocharistokratie direkt nach Berlin und direkt und coaxial nach München und Wien führt.

Ein Westler wie ich, "Westen" verstanden im Sinne der bürgerlichen Revolutionen wie ihrer drei Brennpunkte im Petrograd von 1905 und 1917, kann nicht umhin, diesen Zusammenhang zur Sprache zu bringen.

Mit Edmund Burke fing ich an, mit der Russell-Peace-Foundation könnte ich aufhören.

Oder mit dem Revisionismus des Bernstein, auf den der Ideologe der zentristischen SPD-Bürokratie und Ziehvater Lenins, Kautsky, paßt wie der Deckel auf den Topf.

Was für ein Geweses um Gegensätze, die es gar nicht gibt!

Oder mit der Rosenkreuzer-Gesellschaft des Robert Wentworth Little (ca. 1865), der Golden Dawn-Gesellschaft (Woodman, Westcott, der Schwager Bergsons, Mathers, W.B. Yeats, 1887 gegr.), der Vril-Gesellschaft, den Theosophen - bis zur Münchner Thule-Gesellschaft (Haushofer, Hess, D. Eckart, Hitler), die mit ihrem Grafen Arco das Morden in München begann - und heute wieder tagt.

Oder betrachten wir die erstaunliche Karriere eines Rudolf Bahro, zuerst stalinistisch geprägt mit allem deutsch-idealistischen Rankenwerk, dann in der völligen Obskurität entdeckt, von wem?, aufgebaut so hoch nach oben, akademisch schnellentwickelt an der Universität Bremen, von Verlagen publiziert, die zum Netz gehören, mit Baghwan kurzgeschlossen, wo man lernt, das Ich aufzugeben, an Kaliforniens Institute der wissenschaftlichen Menschenmanipulation herangebracht, Chefideologe einer zusammengestoppelten Ideologie künftiger Staatschefs. Russell-Peace-Foundation.

Horst Lummert mag über de Gaulle spotten, über meinen Begriff von Frankreich: diese englisch-deutsch-österreichisch-russische Kooperation hält Frankreich in Schach, solange es das Prinzip der vernünftig-humanen gesellschaftlichen Emanzipation verkörpert.

Das Epochenjahr 1813 ist noch nicht zuende.

Daß England, anders als die Heilige Allianz, draußen in Übersee nicht nur ausgebeutet und für seine Ausbeuterei technische Infrastrukturen hingestellt, sondern Befreiungen gebracht hat gegen iberische und Totalitarismen der asiatischen Produktionsweise, daß es dem afrikanischen Tribalismus einige Grundlagen entzogen hat, sei dennoch dankbar anerkannt.

Das alles gehört zum back-ground der grünen und Friedensbewegung, und es gehörte öffentlich dargestellt, meine ich.

Doch nichts geschieht. Auch Wolfgang Pohrt geht nicht bis zu den Knochen und dem Kreislauf, er geht - nur und immerhin - unter die Haut.

Wir werden es hoffentlich nieht im KUCKUCK erleben, daß eine andere partielle Analyse der Friedensbewegung wiedergekäut wird: die anhand ihrer DKP-Strömung.

Unbestreitbar mischt der Ost"block" via DKP mit.

Manchmal allzu vordergründig, meist, indem diese den Hauptteil der Mobilisierungsarbeit leistet, nach meiner Einschätzung 90%.

Den Rest teilen sich EKD, GRÜNE und BBU.

Und doch bestimmt die DKP nicht die Richtung. Sie versucht, diese umzukehren, scheitert aber dabei.

Ich erwarte, daß sie sich bald zurückzieht und die ganze Bewegung dann wie ein angestochener Luftballon verflafft.

Kein Wunder!

Nie wollte die DKP die Forderung "BRD raus aus der NATO!" erheben.

Weil die Auflösung der NATO die des Warschauer Paktes nach sich ziehen muß?

Ich stand seit Sommer 80 mit diesem Begehren allein.

So konnte der back-ground ruhig erlauben, daß eine P. Kelly auf dem Krefelder Forum auftrat.

Drei Millionen Unterschriften - wer zählt sie wirklich, wie oft hat ein und dieselbe Person unterschrieben, wer soll die Listen erhalten, wer ließe sich von ihnen bewegen? - beweisen, daß der Ostblock außerhalb seines Militärapparats ein Schwachmatiker ist.

Der Marxismus-Bindestrich-Leninismus: weggeschnipselt-Stalinismus ist überall im Stadium des Schwachsinns angekommen.

Mir geht es darum, daß dieses baufällige Haus nicht auf uns zusammenfällt.

Und es kann mit Atomraketen auf uns fallen!

Es kann fallen und wildwerdende völkische Aggressionen freisetzen, einen "Balkankrieg" von Magdeburg bis Alma Ata, Tiflis, Wladiwostok.

Ja, ich bin ein Konservativer, Horst Lummert hat es richtig erkannt.

Und mein Bild von Revolution ist das eines Lesers der Historie und Kenners des sozialhistorisch so seienden Menschen (nicht: einer angeblichen "ewigen Menschennatur"!).

Ich habe den Fortschritt vor Augen, den die blutige Revolution von den Tudors bis zu Cromwell brachte, als bürgerliche Herrschaft mit landaristokratischen Umgangsformen durch die glorious revolution nur institutionalisiert, später.

Und die Große Revolution ist ein Block, das stellte schon Jean Jaurès fest.

6. Ich hätte, schreibt H.L., informatorisch "eine Massenbewegung zu bedienen", ich, der "Demagoge".

Bezüglich der einen Million Friedensbewegter irrt er.

Ich habe keinen Einfluß auf sie. Leider.

Der durchschnittliche junge Mensch von heute, der dieser Bewegung die Massenhaftigkeit verleiht, was nimmt der denn zur Kenntnis?

Bestenfalls eine Tageszeitung, dazu den SPIEGEL und/oder den STERN, regelmäßig das mäßige Fernsehprogramm, ab und zu Kino. That's that.

Hier haben wir die erste völlig außengesteuerte Massenbewegung Europas, d.h. im politischen Bereich.

(Die Werbung hat schon längst eine außengesteuerte Konsumentenbewegung geschaffen.)

Sie hängt völlig ab von zwei bis drei Redaktionen und von der amerikanischen Meinungsindustrie, Marke "Politik der Ekstase".

Die höchstens 1700 Demokratischen Sozialisten haben ein Diskussionsblatt. Die 25000 GRÜNEN haben nichts dergleichen.

Haußleiters Wochenzeitung gibt, "Geschlossenheit", Umstrittenes nicht wieder, es sei denn diskussionslos die Meinung des Herausgebers.

Bei der "Staatsknete" der GRÜNEN ist dieses Manko, diese Riesmansche outer-directedness nicht anders erklärbar denn als Absicht.

Damit die intelligence dirigieren kann, darf intersubjektive Intelligenz nicht entstehen.

Hinter dieser blocküberschreitenden Wiedervereinigungsbewegung steht die NATO-intelligence wie damals McCloy, der Roosevelts Befehl, alle Geleise um Auschwitz herum zu bombardieren, sabotiert hat, hinter und vor den Netzen Schellenbergs stand, um sie integrieren zu können.

Barbie sei genannt. Aufklärung darf es nicht geben.

7. Horst Lummert: "Was sozialhistorisch bereits in der Tür steht. Weltweit." Er meint die proletarische Revolution.

Ich wollt, er hätte recht!

Aber ich kann beim besten Willen in der Tür nur zwei furchtbare Schatten erkennen, die einzutreten drohen, weil eben das Proletariat nicht steht.

Man kann weiterhin Stellvertreterei machen, als marxistisch-leninistisch-mao-stalinistischer Kader oder als Ritter für dieses gegen den Teufel.

Die einen profitieren davon materiell, zumindest im Osten, oder gefühlig.

Da ich mich zwar permanent irre, aber unfähig bleibe fürs Berauschen, unfähig zu Selbstbetrug, kann ich leider dabei nicht mithalten.

Das Industrieproletariat des Westens kann das Mehrprodukt aus der Kolonialwelt mit-essen, es sei ihm gegönnt.

Man ißt um so ungestörter, je weniger man die plattgedrückten Rotznasen der hungernden Außenstehenden an der Scheibe wahrnimmt.

In Nordeuropa zumal müßte man sich die ja auch erst vorstellen. Das läßt man halt bleiben. Guten Appetit!

Wenn das so ist, und es ist so selbst und immer noch für Arbeitslose (es sei ihnen gegönnt, sage ich); wenn der realexistierende Staatssozialismus in den Apparaten geronnen ist, mit ihnen eins geworden ist; wenn die proletarische Weltrevolution die Welt nicht ergriffen, umgestaltet und unter das Gesetz gebracht hat; wenn die egoistische, nur teilgeplante Anarchie des kapitalistischen Prozesses, unter deren Hegemonie der realsozialistische nur bürokratisch reagieren kann, in die letzte, die alles verwüstende Ausbeutungsphase eingetreten ist - dann kann man nur in den Selbstbetrug flüchten oder seine besten Ziele zurückstellen, um das Schlimmste zu verhindern.

"Das Schlimmste verhindern" - ich selber könnte dazu meine spottenden Anmerkungen machen, an Nazi-Mitläufer oder Sozis unter Schmidt erinnern.

Ich bin nicht imstande, eine aufklärende Zeitschrift für ein Proletariat zu machen, das seinerseits nichts anderes lesen will als die größte Arbeiter-Illustrierte der Welt, BILD, mir vorzumachen, eine jahrzehntelange BILD-Lektüre hinterließe anderes als Schmutz in den Hirnen, und die tatsächlichen Gefahren zu ignorieren.

Der Krieg kommt schon nicht, die Wälder sterben nicht - so muß man es sehen wollen, wenn man nichts will oder eine proletarische Revolution irgendwann.

Nur: genauso sehen es auch jene, die um nichts in der Welt wahrnehmen wollen, daß ihre konsumistische Welt bald zuende gegangen ist.

Aber nicht durch die proletarische Revolution, sondern durch den Prozeß des Kapitalismus selber, ablesbar an der kondratiewschen Kurve und der Kriegsvorbereitung.

Mir geht es um das Offenhalten menschlicher Geschichtsmöglichkeit, weil ohne diese das Proletariat weder je individuell noch als Klasse noch als zum Subjekt der Revolution werdende (wollen's hoffen) Klasse existieren wird.

Deshalb mein "Respekt" vor der Jalta-Linie.

Deshalb spähe ich unter den Herrschenden in Ost und West jene aus, die sensibel sind wenigstens für die Wahrscheinlichkeit ihrer eigenen Ausrottung und deswegen gegen die Dynamik der gegenwärtigen Weltverfaßtheit neue, abbremsende Dynamiken ingang bringen.

So der Club of Rome, ja, auch FREEZE und GRÜNE, Colbertisten in Frankreich, intelligente intelligence in Berlin-DDR und Moskau.

Dabei weiß ich genau, daß endgültig es keine Rettung vor dem Untergang in militärisch-industrielle und/oder antiökologisch-industrielle Katastrophen geben kann, wenn nicht die Menschheit ihre Produktion und Reproduktion gesellschaftlich-vernünftig kontrolliert.

Da das nur mehrheitlich wird sein können, bleibt die proletarische Weltrevolution das Erforderliche.

Bis dahin muß Zeit gewonnen werden.

Bis dahin müssen Bündnisse geschlossen werden, muß der kapitalistische Weltblock gespalten werden in einen eher colbertistischen Westeuropas und den der amerikanischen Babbits, Ranchers und Milliardäre.

Nicht das westdeutsche, aber das Finanzkapital der Schweiz, Norditaliens, Englands und, nebenbei bemerkt, die Benediktiner und Jesuiten scheinen das zu kapieren.

Es tut mir leid, Horst Lummert, aber ich halte Ihre Perspektive für einen Westberliner Astigmatismus, verständlich, aber schief.

Der Realsozialismus ist für jeden, der unter ihm leidet, die Weltgefahr Nummer eins.

Von weiter westlich her gesehen, aber nicht durch die Brille der Medien, ist der Realsozialismus ein schwaches System.

Ein morscher Baum ist schwach, auch wenn der Ast, der herabfallen kann, eine tödliche Wucht hat.

So rede ich seit mindestens 13 Jahren: Berlin aufgeben, die Oder-Neiße-Grenze akzeptieren - nicht etwa als Rechtens anerkennen, aber für dauernd akzeptieren - die DDR als Staat unter Staaten akzeptieren, anerkennen also wie Chile anerkannt wird (obwohl ich die in Berlin und die in Santiago nicht gleichsetze).

Aus Sympathie für den Osten?

Nein, weil wir eingeklemmt sind. Außenpolitisch, militärpolitisch eingeklemmt.

Folge gesellschaftspolitischer, ideologischer Selbsteinklemmungen, gewiß.

Das deutsehe Proletariat und seine "linken" Sachwalter!

Als ich - nach meiner heutigen Einschätzung: Dummkopf; nach Horst Lummerts Einschätzung als "klarsichtiger tapferer Mann im Apparat" - "gegen dessen Nazifizierung wie einer vom Jüngsten Tag", naja, "mit allen persönlichen Risiken" (ich sag ja: Dummkopf!) kämpfte, und als ich ins zunächst Bodenlose fiel: wo war da das deutsche Proletariat und seine "Linke"?

Wo war dieses übrigens, als die jüdischen Deutschen zu den Bahnhöfen getrieben worden sind (das konnte man doch sehen, auch wenn man von den Massenmorden nicht ohne Mut wissen mußte)?

Nicht da, oder? Nie da!

"... deutsche Frauen, deutsche Männer... deutscher Wein...", dichtete Hoffnann von Fallersleben.

Jetzt wird mir alles klar, da ich weiß, wie in deutschen Winzergenossenschaften die Gärung unterbunden und geschwefelt wird.

In der "Reichskristallnacht" - wo waren die?

Daß die Reichstags-Rumpf-SPD einen Arierparagraphen beschlossen hat - 1933! -, verschweigt jeder Sänger, der den späten verbalen Mut des Wels, Freund Noskes, lobpreist.

Auf dieses Proletariat warten, kann bedeuten, auf den St. Nimmerleinstag zu warten.

Der KUCKUCK, volkstümlich Gutz Gauch genannt, "likes Manès" (42a-d, S.160 unten), den Sperber, seit dieser Preisträger des, na was schon?, Friedens eine hochbewaffnete europäische Großmacht fordert.

Wahrscheinlich ist dies eine proletarische Forderung.

Rolf F. Schütt stellt den Zusammenhang her zwischen diesem Europa, seinem Proletariat, dessen Arbeitsplätzen und dem Panzer Leopard.

Herbizide vergiften Vögel, ändern ihr Brutverhalten.

Der KUCKUCK, der früher seine Eier in fremde Nester schob, brütet neuerdings Deutsche Adler-, Reichsadler- und Sperber-Eier aus.

Es wird Zeit, daß Pohrt, Schütt und Knapp in den BBU eintreten.

Rettet die Vögel!

8. Der chinesische Weise Lu-Ma-Ti erzählte zwei Märchen:

a. General Ho-Fi-Ma drehte einen Wasserhahn auf, konnte ihn aber nicht mehr zudrehen.

Seit 66 Jahren fließt nun rotes Wasser aus ihm.

Lu-Ma-Tis Sohn Kuo-Kuo halte Ho-Fi-Ma für das Wasserwerk.

b. General Lu-Deng-Do baute die Kulissenstadt Wei-Ma auf und besiedelte sie mit gekauften kastrierten Schauspielern und Sängern wie Es-Bei-Deh und Tsen-Tum, um hinter ihr seine Armee zu erneuern.

Lu-Ma-Tis Sohn Kuo-Kuo halte Wei-Ma für eine Stadt demokratischer Freiheiten, immerhin für 15 Jahre.

Erst Lu-Deng-Do und der Gefreite Hi-Te-La hätten sie zerstört.

Der chinesische Weise Lu-Ma-Ti verspottet seinen Sohn Kuo-Kuo, er ist auch nicht aus China, sondern aus Biao-Lin.

"Sehr geehrter Herr K., wir reichen Ihnen das Manuskript in der Anlage zurück. Einige Passagen lassen den notwendigen Ernst vermissen. Eine Überarbeitung bleibt Ihnen anheimgestellt. Hochachtungsvoll, gez. Unterschrift."

Vermerk: "Wird gemacht. gez. K."

handschriftliche Fußnote: als ob Ernst Legendenbildung verhindern könnte!

Also 8 neu, Klappe auf!:

Es ist hier einfach nicht möglich, ein Jahrzehnt marxistischer Debatte in Ost- und Mitteleuropa zwischen den sogenannten Menschewisten, Bolschewisten und Zwischenbezirklern-Trotzkisten sowie Rosa Luxemburg wiederzugeben.

Die Debatte stützt sich auf den Theoriekeim der permanenten Revolution bei Marx und dessen Briefentwürfe an Vera Ssasulitsch über den russischen Mir und die Möglichkeit seiner Aufhebung im Sozialismus ohne vorherige Auflösung im Kapitalismus.

Es läßt sich auch kein Exzerpt anfertigen aus der riesigen Literatur, beginnend mit dem jungen Lenin, mit Trotzky, mit dem schamhaft unterschlagenen Parvus-Helphand (empfohlen: "Freibeuter der Revolution" von W. Scharlau) und endend bei Deutscher und Nettl ("R. Luxemburg").

Hier sei nur apodiktisch gesagt: Wenn man schon Marxist ist und intelligent, dann kann man nur Trotzkist werden.

Daß Lenin deutsches Geld erhielt, ist eine historische Wahrheit.

Er muß gewußt haben, wo die eigentliche Quelle der goldnen Mark war, die über Umwege in seine Tasche kam.

Ob es wahr ist, daß auch Trotzky kapitalistisches Geld erhalten hat, und zwar amerikanisches, läßt sich mit Sicherheit nicht feststellen.

Doch angenommen, es sei so gewesen: Es beweist gar nichts für oder gegen die Intention der Geldnehmer.

Weder diese kurzzeitigen Geldspritzen noch spätere internationale Anleihen für die Moskauer Regierung vermochten deren Politik zu beeinflussen.

Lenin wollte nach Petrograd, und Ludendorff wollte, daß Lenin dort die innere Unruhe vergrößerte, um Rußland endgültig zerschlagen zu können.

Ludendorff siegte, doch die Sowjetunion gewann.

Es wäre einfach, Geschichte zu schreiben, wenn Geldquittungen mehr als 60 stürmische Jahre charakterisieren könnten. Das grenzt schon an die Konspirationstheorie.

Der erste Akt jeder Revolution war bisher ein Putsch, bestenfalls unterstützt durch anarchische Massenunruhen.

Revolution, falls sie wirklich eine ist, kommt nach dem Putsch, jahrzehntelang.

So in England, Frankreich, China, überall.

Ruhe nach dem Putsch bedeutet immer die Restauration des Status quo ante.

Deshalb waren die Staatsanwälte, vor denen Lenin floh, natürlich zaristische.

Wie in Deutschland "der Kaiser ging, die Generäle blieben", so in Rußland nicht nur die Generäle, sondern der gesamte Staatsapparat.

Nicht anders im Frankreich der ersten Revolutionsjahre.

Eine jakobinische Diktatur ist unumgänglich, soll nicht die Konterrevolution siegen.

Das war nur in den USA nicht nötig, auf sozial "jungfräulichem", nichtfeudalem Boden; und auch dort mußte ein Drittel der Siedler, die königstreuen, nach Kanada auswandern, auch da wurde die Revolution von einer Minderheit gemacht.

In Deutschland ist alles das anders, weil Revolution, die echte, pfui-baba ist.

Die Parlamentarisierung des Reiches wurde im Spätjahr 1918 vom Großen Generalstab angeordnet, dann floh der Kaiser, der nie der Demokratie gewichen war (weil er nicht mußte), aber spätestens 1916 dem Ludendorff.

Und dann sollte alles an seinem Ort bleiben.

Ebert rieb sich auf, alles, buchstäblich alles einzufrieren. Er hing täglich am Telefon und nahm die Befehle Gröners entgegen. Und Noske führte die ersten Massenmorde durch.

Die größte Gemeinheit bleibt dabei, daß "demokratische" Publizisten bis heute insinuieren, die Ermordeten in Berlin und München seien Bolschewiki gewesen.

Hitler und die Weimarer "Republik" wurden 1918 vom deutschen Generalstab geschaffen.

Befreit vom Leben wurden Luxemburg, Liebknecht, Jogiches, Eisner, Landauer, Leviné und Tausende andere Radikaldemokraten.

Was hatte denn Tucholsky an diesem Staat zu kritisieren, wann wurde Ossietzky rechtsbrecherisch inhaftiert und aus welchen Gründen?

Was hatten Gumbel und Magnus Hirschfeld zu erdulden?

Schon mal etwas gehört von der "Beseitigung" Heinz-Orbis' im Wittelsbacher Hof in Speyer?

Wieviele Separatisten wurden 1930 nach der "Rheinlandbefreinng" auf offener Straße ermordet?

Was geschah den Mördern? (Antwort: natürlich nichts, wie nach 1945.)

9. Ich war nie für Nullwachstum, auf keinem Gebiet. Ich bin für das Wachstum neuer Qualitäten, feinerer Qualitäten.

Zwei Jahre (1963-65) habe ich im Tschad erlebt, wie EWG-Brunnenbauer und Rinderärzte ahnungslos-wohlmeinend die spätere Versteppung des Sahels infolge Überweidung vorbereitet haben.

Viele Jahre habe ich in völlig übervölkerten Ländern wie Ostpakistan/Bangla Desh und Ägypten gelebt, einige andere Länder bereist.

Die Übervölkerung ist eine permanente Folter für diese Menschen. Beschreibungen muß ich hier auslassen.

In Dacca sah ich, wie von den Mullahs fanatisierte Massen, ausgemergelte Väter und Mütter und Kinder die Pavillons der Familienplanung der UN in Brand steckten.

Jede maßlose Prokreation ist würdelos, entwürdigend, unmenschlich.

Sie läßt keinen Raum für Entwicklung, Selbstentfaltung, Fortschritt, Demokratie.

Pure Quantitäten ersticken, aus diesem Elend kommen keine Revolutionäre, sondern Menschen, die jedes Handwerk annehmen, auch das von Folterern der eigenen Leute, um essen zu können.

Eine große Familie kann das Schönste auf Erden sein, aber wenn die Kinder vor Hunger weinen, wenn sie fortwährend kränkeln, dann bricht das Herz.

Und nicht nur das.

Ich halte die Einstellung des Vatikans zur Familienplanung für grausam, für die Unmenschlichkeit privilegierter familienloser nutzloser Männer, für die Perversion von Psychophimotikern.

10. Ausgesprochen unfair ist es, mir Setzfehler (Auschwitz mit Doppel-s) meines Manuskripts vorzubalten.

Ich habe die Aushilfssetzer und -setzerinnen, dem Drucker zugelaufene Job-Studentchen, nie gesehen.

Zugegeben, in der Masse der Setzfehler (einer zumindest pro Zeile) habe ich diese Inkorrektheit oft übersehen; das ist blamabel.

Aber selbst der aufmerksamere Horst Lummert ist dreimal über das doppelte s hinweggeglitten.

Mag sein, daß - Freudsche Fehlleistungen liegen hier zweifellos vor, die Masse spricht gegen Zufall - der Name Auschwitz unlöschbar mit der SS verbunden ist.

Mag sein, daß der dreckige Nazi"witz" vom Aus-schwitzen bewußt-unbewußt zum Vertippen veranlaßt hat.

Ich glaube nicht, daß der Drucker eine junge Nazibande engagiert hat. Es waren halt junge Deutsche.

Nie wird Deutschland mehr zu trennen sein von Auschwitz, nie mehr werden Deutsche frei sein vom Judenmord.

Nie werden die USA vom Indianermord frei sein, kein Westernfilm, dieses Bestätigungsritual, daß "alles o.k." gewesen, die Schuld löschen.

Mit ihr müssen die Nachkömmlinge leben. Vielleicht sehen sie dann ein, daß sie in Glashäusern sitzen und nicht mit Steinen werfen sollten?

Es sei denn, Nachkömmlinge definierten sich völlig um, gesellschaftlich, kulturell, staatlich; es sei denn, sie brächen vollkommen mit den öffentlichen Strukturen, die ihre Vorfahren zu Massenmördern niedrigster, feigster Art gemacht haben.

Deshalb statt Deutschland - Rheinbund!

11. Da ich nie Geheimdienstler war, deswegen nicht wissen kann, wie groß und welcher Art deren Wissen ist, kann ich nicht beurteilen ob mein Wissen das eines Geheimdienstlers ist.

Horst Lummert stellt dies bei mir fest. Nun, dann muß er Bescheid wissen.

Ich habe als Journalist, auch in der Nachrichtenzentrale des Bundespresseamtes, Presseagenturen ausgewertet (deutsche, französisch- und englischsprachige) und, nach Übersetzung aus nichteuropäischen Sprachen durch Kollegen, mitausgewertet.

12. Meinen relativen Erfolg im Arbeitsrechtsstreit mit der BRD verdanke ich dem DAG-Bezirksleiter Stumph, der mich durch alle Instanzen mit beispielhaftem Mut und persönlichem Engagement gelotst hat.

Über die Perfidie der ÖTV lasse ich mich nicht aus.

Ich verdanke diesen Erfolg einem mutigen Arbeitsrichter in Bonn und einer fairen Landesarbeitsrichterin, nicht jedoch einem staatstreuen Landesarbeitsrichter.

Ich verdanke das auch einigen Journalisten in Bonn, von denen zuletzt zwei übrigblieben.

Einen von ihnen stoppte schließlich der damalige Abteilungsleiter des BuVerfSchutzes, Hellenbroich, indem er den Verleger und den Chefredakteur dringlich bat, die Publizität zu beenden.

Vorher war Wischnewski mit dem gleichen Ansinnen abgeprallt.

DER SPIEGEL in Hamburg wird wissen, warum und mit Rücksicht auf welchen hohen Gesprächspartner er den recherchierenden Journalismus in meinem Fall eingespart hat.

Ich bin auch dem Bundeskriminalamt zu Dank verpflichtet.

Denn dessen Zwang zum objektiven Recherchieren hat falsch beeinflußte Zeugen zum schriftlichen Widerruf ihrer gegen mich gerichteten Aussagen gezwungen; die Schreibmaschinenuntersuchungen des BKA sprachen meine Maschine vom Verdacht, es sei auf ihr ein geheimer Bericht abgetippt worden, frei.

Das BKA als Institution hat sich selbst gegen die Vorurteile der Ermittler (gegen mich) durchgesetzt.

Nicht so die Generalbundesanwaltschaft.

Vorurteile werden dort eisern festgehalten, auch wenn kein Zeuge mehr steht, kein Beweismittel mehr vorliegt.

Deutsche Juristen!

Wehe, wer diesen ausgeliefert ist, er kommt nie mehr davon.

Ich habe eine Nachzahlung meines Gehaltes und eine relativ hohe Abfindung erstritten, im Vergleich, nachdem ich nicht imstande war, weitere voraussichtliche acht Jahre zu prozessieren.

Doch mir ist nicht Recht geworden!

Wer auf Verdacht fristlos entlassen wird und nicht rehabilitiert, nachhem der Verdacht durch ein Bundeskriminalamt objektiv zerstreut wurde, lebt in einem Unrechtsstaat.

Doch nicht dies ist der Grund meiner Feindschaft gegen die BRD, sondern die Tatsache, daß sie die Nachfolge des Deutschen Reiches beansprucht und angetreten hat.

Meine Entlassung hat nur letzte Illusionen zerstört und mich politisch befreit.

Schritt für Schritt und schlafwandlerisch geht dieser Staat innen- und militärpolitisch, und zwar nicht erst seit dem 12.12.1979, den Weg, den er bereits zweimal beging.

Über sein - und unser? - Ende habe ich keine Illusion.

13. Am Ende meines Arbeitsrechtsstreites sagte ich, so berichtete es jedenfalls KONKRET: "Mit diesem Staat bin ich fertig."

So ist es.

Als ich meiner Einsicht, daß die Pershing-Installation nicht verhindert werde, weil sie es nicht soll, Ausdruck gab, verabschiedete ich mich als politischer Mensch von den Deutschen, die doch wieder einmal überzeugt oder feige mitmachen, jedoch nicht von den Menschen unseres Landes.

Nicht ich gab mich auf, sondern ich gab die Deutschen als politische Masse auf; sie sind des Todes, sei es physisch infolge jenes Krieges, den sie nicht verhindern wollen, sei es durch eigene Umdefinitionen in Rheinbündische, Bayern und Niederdeutsche, also politisch-revolutionär.

Sie sind noch Deutsche im politischen Sinn, hoffentlich nicht mehr lange.

Weitergemacht hab ich dann schon noch.

Aber nicht mehr als Deutscher, sondern als Rheinbündner oder, wer das mitspielen will, Rheinbündler.

Am 27. Oktober 1983 wurde die Nationalbewegung Freier Rheinbund gegründet.

Lummert sagt, ich sei ein Nationalist.

Wenn, dann in meiner Weise, kosmopolitisch wie heimatlich. (Dazu gibt's von mir Texte.)

Keinem Nazi oder Sozi, keinem FAZi und tazi paßt das ins Konzept.

(Eigentlich würd' ich lieber von "Nationismus" sprechen, aber das hörte sich dann an wie Genuschel.)

14. Dr. (h.c.) Franz Josef (h.c.) Strauß in der SPIEGEL-Sache reingelegt von Gehlen.

Das taucht, wahrscheinlich assoziativ, in der Polemik gegen mich auf.

Daß in Kairo Geheimdienste ihre Finger dicke drin hatten, sozusagen FDP-Geheimdienstteile, nehme ich an.

Die ganze schreckliche Geschichte ist eigentlich ein billiger Kolportageroman mit z.T. schaurigen, aber auch grotesk-lustigen Effekten.

Ich drin rumtaumelnd wie der blöde SPD-Typ, der auch nach dem siebten Verrat seiner Partei noch an ein besseres Deutschland, um die SPD geschart nämlich, glaubt.

Noch grauenhafter aber die arme, früher deutschnationale Familie Lazarek.

Ich hätte den Mörder meines Sohnes gesucht und, falls gefunden, bei lebendigem leib gehäutet.

Die hielten ängstlich still. Und die ganze westdeutsche Journaille ging diesem tödlichen Aspekt nicht auf den Grund, wußte aber, soweit in Bonn vertreten, genau Bescheid.

Genauer als ich. Wahrscheinlich nicht haargenau, aber nur, weil sie nichts wissen wollte.

So sei's nun doch nicht?

Der Fall Traube sei doch "schonungslos" aufgedeckt worden? Ja, BND gegen Verfassungsschutz wie einst Fremde Heere Ost gegen Gestapo.

Im Fall Traube hatte der BND auf BVSchutz-Territorium gewildert, da mußte was deutlich markiert werden. So wurde DER SPIEGEL informiert, und der hatte dann seine Heldengeschichte.

Und Maihofer, der vor 1945 kein Demokrat gewesen ist, mußte seinen Hut nehmen, aber nicht wegen des Falls Traube, sondern weil er bei der RAF-Jagd einen Fehler gemacht hat.

Nix isses mit englischen Manieren!

15. Von den Texten, die der BERLINER EXTRA-DIENST 1975 publiziert hat, sollte für KUCKUCK-Leser, die an SPD-Zuweisungen nach Portugal nicht interessiert sind - Soares ist gewiß kein Lenin, wenn er auch Geld nahm -, ein kleiner, damals geschehener Geheimnisverrat von Interesse sein.

Ich meine den Runderlaß mit dem fast symbolischen Datum des 31.1.1975, das sich auf den Jahrestag des ersten symbolischen Datums des braunen Reiches bezieht.

16. Und Herr Genscher, mal herhören, ich weiß was!

Da wurde mal die Leiche eines Deutschen, der in Argentinien verschwand, in einem verbrannten Auto am chilenischen Ausgang eines Andentunnels, der die Grenze unterläuft, gefunden.

Die Leiche bis zur Unkenntlichkeit der Person und der Folterspuren verschmort.

Nur die Zähne, die Zähne, Herr Genscher!

Was mir einfach nicht mehr einfällt, sind der Name des Verschwundenen und der Name des deutschen Zahnarztes, seines Zahnarztes, Herr Genscher, nicht Ihres.

Aber den kennen Sie doch, den Zahnarzt, weil der nach Santiago ins Leichenschauhaus jetten sollte, und Sie, Herr Genscher, sollten ihn dazu animieren.

Das waren Sie doch der Mutter des Verschwundenen schuldig, moralisch sozusagen, die wochenlang vor Ihrem Höchsten Hause demonstriert hat.

Wie hießen denn all diese guten Leute, etwas aufdringlich, gar kein Verständnis für Diplomatie, aber nett, ja nett, wie hießen die denn nur?

Man kennt ja so viele, da vergißt man Namen, ist doch berufsbedingt. Aber für was hat man den BND und den Freund Kinkel? Herr Genscher!

Herr Genscher, Herr Minister!

Der Herr Kinkel oder Ihr persönlicher Referent, der auch mal Vizepräsident irgendwo werden möchte, die können doch eine handschriftllche Aktennotiz finden, auftreiben notfalls, völlig handgefertigt mit Spezialstift, auf der der Name der Frau ZIESCHANK steht, und wie Sie ihr damals bis zum Rande Ihrer Erschöpfung geholfen haben.

Der Sohn war wohl Entwicklungshelfer, vielleicht hieß auch er Zieschank?

Gewiß, gewiß, es gibt so viele Rechtsstaaten, mit denen wir befreundet sind, von Indonesien und den Philippinen bis nach fast ganz Südamerika, und alle gegen den menschenrechtsverletzenden atheistischen Kommunismus.

Da kann einem doch Chile mal entfallen. Man kann schließlich nicht alle Rechtsstaaten kennen, Hauptsache, man kennt den eigenen freiheitlich-demokratischen.

Die Frau Zieschank machte mal einen Hungerstreik, weil Sie, Herr Genscher, angeblich völlig untätig blieben.

Hat die Frau eine Ahnung, Sie arbeiten doch Tag und Nacht für Ihr Image.

Aufklärung des Falles hat sie verlangt, Aufklärung!

Dabei müßte sie wissen, wie übel uns mitgespielt worden ist mit dem Aufkläricht.

Oder fragen Sie mal bei Amnesty International in Bonn an, die müßten doch wissen. Die wußten nämlich. Das war so Frühling 77, da wußte ai.

Also da wlrd behauptet, Ihre Botschaft in Buenos Aires habe regelmäßig bei den Argentiniern nach dem Verbleib Zieschanks gefragt, höflich natürlich, und die hätten geantwortet, den hätten sie nie verhaftet, und sie wüßten auch gar nichts.

Im Februar oder März 77 oder im November oder Dezember 76 - Ihr neuer Kinkel kann das aufklären, wird dafür auch Vizepräsident - sagte ein uniformierter Argentinier der Botschaft etwa: Wir kennen keinen Zieschank, kannten nie einen, werden nie einen kennen, aber wenn Ihr so fleißig seid, westdeutsche Botschaft in Argentinien, wendet Euch doch an Chile.

Konnten die aber zuständigkeitshalber nicht. Sense für Frau Zieschank.

Da findet der Zoll der Chilenen das abgebrannte Auto, Mini Minor, und den Kohl; pardon: den verkohlten Leichnam mit den sauberen Zähnen.

Und die argentinische Uniform grinste leicht, da sie das wußte: "Statt uns zu löchern, fragt gefälligst die Chilenos."

Also mal'n Telex zu den Kollegen in Santiago, das war ja allzu deutlich, kann man nicht ignorieren, läßt sich einfach nicht machen.

Und die drüben fragen bei Pinochet nach. Auch dort ist Rechtsstaat. Also korrekte Auskunft: Ja, so ein Mini Minor, Schrottwert, hätte dort oben am Tunnelausgang gestanden, aber brennen hätte ihn keiner gesehen, aber vermutlich auf der Ostseite in Brand geraten und dann durch den Tunnel gerollt und drüben im trockenen Wind Chiles höchstens noch ein bißchen geraucht, der Mini.

Die Leiche stamme von einem Mann ab, und die Zähne seien heil. Man habe ihn, nicht den Mini Minor, ins Leichenschauhaus in Santiago gebracht, aber dallidalli, da sei alles sowieso überfüllt.

Telex nach Bonn, Bitte um Gerichtsarzt und Zahnarzt.

Und wann, bitte, kam einer von denen nach Chile?

Im April 77 oder später oder früher?

Ihr Persönlicher kann's rausfinden, Herr Vizekanzler.

Die Chilenen pressierte es. Außerdem wollten sie nicht einen einzigen Toten auf ihr Konto buchen, der nicht zu ihnen gehörte.

Die Argentinier nämlich streuten jetzt aus, der Zieschank sei sofort nach der christlichen Revolution abgetaucht nach Chile, dort verhaftet, ermordet und verbrannt worden.

Unverfrorenheit das!

Oder er sei überhaupt nie untergetaucht, sondern ganz legal durch den Tunnel gebraust und auf der chilenischen Seite vom plötzlichen Licht, Aufklärung à la Pinochet sozusagen, geblendet worden; fährt gegen einen Bordstein, Autochen brennt ab, tragisch.

Das läßt der chilenische Rechtsstaat nicht auf sich sitzen, daß er blende, und überhaupt gäb's da oben keine Bordsteine, und die preußisch-korrekten Zöllner hätten sofort jeden Brand sehen müssen und gar nichts gesehen in dieser Nacht.

Bitte, befreundeter fdGO-Staat, schicke uns Deine perfekten Fachleute, die sollen sehen, daß die Leiche schon lange tot war, ehe sie verbrannt ist, zynisch diese Argentinier!

Nu isses aber jenuch!

Wir Rechtsstaat sollen uns objektiv in die inneren Angelegenheiten von zwei gleichbefreundeten Rechtsstaaten einmischen?

Es geht denen doch nur darum, daß wir uns in den Beagle-Kanal-Konflikt... daß wir da Stellung nehmen sollen, wo gerade der Papst Frieden gestiftet hat.

Peinliche Lage, und bald taucht die Frau Zieschank wieder auf.

Die Ärzte haben natürlich viel zu tun, und die Flugreise wäre eine lange.

Der Zahnarzt, wer der war, das kann zwar Frau Zieschank wissen, aber dann weiß sie.

Und ob der Verfassungsschutz den finden könnte, aber dann zieht die Sache Kreise, obwohl doch vielleicht die Leiche gar nicht deutsch ist.

Der BND?

Wenn der wieder mal im Lande ermittelt, kriegen die in Köln den Koller und benachrichtigen den SPIEGEL.

Und bald sind wieder mal Wahlen und überall die 5%-Klausel.

Also Klausel K. und Herr Vizekanzler: wann bittschön ist ein Gerichtsarzt in der Leichenhalle in Santiago aufgetaucht - falls überhaupt -, und wann taute die verbrannte Leiche auf, weil sie so lange nun auch wieder nicht on the rocks bleiben konnte?

Denn in Chile geht das schnell.

Kaum ist einer weg, kommen seine Leute und holen ihn aus dem Leichenschauhaus.

Gewiß, die Fluktuation ist groß, aber dennoch herrscht immer Platzmangel.

Und was weiß ai in Bonn? Und was weiß die arme Frau ZIESCHANK? Und wußte jemals der Zahnarzt?

Ein Vorschlag für das BMZ (= Ministerium für Entwicklungshilfe): Die BRD schenkt Chile ein neues großes Leichenschauhaus, in dem Tausende Leichen jahrzehntelang liegenbleiben können.

Nicht, weil sich dann der Flug eines Gerichtsarztes verbilligt, im Dutzend rentiert es sich. Nein, weil man dann die Leichen in Ruhe untersuchen kann, wenn es politisch nichts mehr kostet.

Weil, um ein Beispiel zu geben, ein Diktator ja gestürzt sein könnte und man dann bonnerseits gerichtsmedizinisch einen neuerlichen Beweis für die Verbrechen dieses Unrechtsregimes erbringen könnte, mit einem Vizekanzler im Fernsehen, erschüttert, mit rollenden Augen, Kämpfer für Menschenrecht und Demokratie.

17. Der Vermerk vom 9.9.1970, der zu Ahlers' Befragung im Bundestag führte:

Da protestierte ein kleiner Angestellter, der Brandts Ostpolitik als die vernünftige Entspannungspolitik einer normal werdenden demokratischen Republik begriff, gegen eine widerlich deutsch-national-nazistische Interpretation dieser neuen Ostpolitik.

Legt sich dabei mit der gesamten Hierarchie des Hauses, mit den alten aus CDU-Zeiten bestehenden publizistisch-kommerziellen Kräften an, macht Ahlers scharf (und der war sehr nachtragend!), der immer ein geneigtes Ohr für die Ziesels, Frey, Bechers und Strauß hatte. Und Horst Lummert rubriziert das unter dem Begriff "Zensur". Abstrus!

Übrigens: Brandts Ostpolitik war kein Verrat am Westen. Dieser selbst war seit Macmillan, Kennedy und de Gaulle Bonn weit voraus und wünschte dringlich, daß die BRD endlich nachzog.

Übrigens: Ahlers hat am 8.10.1970 den Bundestag belogen. Die 11500 spanischen und die 6000 portugiesischen Ausgaben der Zeitschrift (German International - kkk) wurden mit den beanstandeten Artikeln in den entsprechenden Ländern Europas, Lateinamerikas und Afrikas verteilt.

online-Fassung

kuckuck 42e-h
(für 19/20/21/22)
25. Dez. 1983

kokhaviv press:
Horst Lummert in kuckuck (kulikri)

kokhaviv publications > kuckuck network > archive

© Copyright 1999 - 2002 kuckuck · kokhaviv publications