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Erkenntnistheorie und politische Praxis - Seit 1973 - Redaktion: Horst Lummert
Diese "Intervention" bei den Rechten und Revisionisten, bei denen, wie jetzt in kuckuck feder 7 zu lesen, es sich "um Nazis handelt", ist der Betrachtung wert, geht es doch um die freie Bewegungsfähigkeit unseres Vaterlandes.
Der begabte, einsame Autor Horst Lummert alias Avram Kokhaviv ist den Lesern von Sleipnir bekannt geworden. Sein Engagement ist für deutsche Patrioten von Interesse, weil er sich aufseiten der nationalen Rechten eingemischt hat, um die Grundlagen des würdelos-verlogenen Rituals Bonner und zionistischer Nazis bzw. von deren Erben durch Kritik der Mythen zu zerstören.
Lummert hat sich eingemengt, um die Teilrestauration des Systems von Jalta/Potsdam, gekennzeichnet beispielsweise durch den "2+4-Vertrag" des ehemaligen NSDAP-Mitgliedes Genscher, im teilwiedervereinigten Deutschland zu torpedieren.
Aber unglücklicherweise, biografisch bedingt, hat er sich eingebracht als der Jude Avram Kokhaviv; und da hat er auflaufen müssen in diesen flach gehaltenen Gewässern.
Flach sind sie wohl von Anbeginn an, doch flach gehalten werden sie, weil das Bonnsche Teilsystem von Jalta/Potsdam, wie Weimar eines von Versailles gewesen ist, wieder und wieder Sand und Abwasser in sie einleitet.
Flach sollen sie auch bleiben, damit die Fische in ihnen nebst ihren Erkrankungen observierbar bleiben und das Bonner Personal im Kontrast zu diesen blütenweiß erscheint.
Es ist allerdings waschmittelweiß nur.
Ob seine Intervention überflüssig gewesen sei, fragt sich jetzt der Autor Lummert. Zurückzufragen ist, ob sie die Zähflüssigkeit des Flachgewässers erhöht oder vermindert hat.
Eine Kritik der Mittel (der Waffen) und der Strategie, die den Waffenträger nicht ausschließen kann, ist der Sache wegen nach dessen Kündigung angebracht.
Interventionen unterliegen den sinngemäß angewandten Regeln der Kriegskunst. Clausewitz studieren ist immer noch lohnend.
Wer bei Interventionen nur das Ziel verfolgt, "die Wahrheit" herstellen zu wollen oder Tatsachen zum hundertsten Mal zu überprüfen - das gilt auch für die rechten Revisionisten -, der ist ein politischer Tor und Teilnehmer eines Stoßtruppunternehmens, das er selber selten angeordnet hat.
In Lummerts Fall besteht die Wahrheit im vergifteten Verhältnis von Juden und Antisemiten in ihrer Reduzierung auf die Frage "Wer wen?". Das Niveau dieses Konfliktes erhebt sich nicht in den Höhen des Wahren, sondern in der Niedrigkeit des Mordens.
Folglich können Juden im Feindeslager nur intervenieren, solange sie als solche unerkannt bleiben. Andernfalls interpretiert der Antisemit jedes ihrer Argumente ausnahmslos gegen sie. Objektivität gibt es auf dieser Ebene nicht.
Angenommen, ein Jude schmuggelte sich als "arischer Rassist" unter Antisemiten, dann wäre seine Enttarnung wie in jedem anderen Kriegsfalle als Verrat zu werten und zu bestrafen.
Aber ist denn der Vertriebene aus dem Sudetenland wirklich ein Jude namens Avram Kokhaviv? Im Ernstfalle wäre ein Verhör angebracht, aber Ernstfall ist in der deutschen Sache seit 1914 immer.
Kokhaviv konnte als Jude in ehrlicher Überzeugung und im Stil der höflich mitmenschlichen Rede noch so viele Konzessionen an den Standpunkt der nationalen Rechten machen, sie wurden von einigen gerade deshalb als "typisch jüdisch" oder als "typisch schmierig" empfunden.
Die Abneigung gegen Juden ist eben so alt wie die Lehre des Christentums und verdorrt so bald nicht wie dieses dahinkümmert. Die Konzessionen selbst jedoch werden gern vereinnahmt: "Sogar das Jude Y erklärte"...
Konzessionen: Der in kuckuck feder 7 nachgesetzte verdoppelte Merksatz war im gleichen Sleipnir-Artikel* weder wörtlich noch deutlich-inhaltlich enthalten. Nämlich: "Deutscher ist, wer die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt. Wer die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, ist Deutscher."
* Der Beitrag erschien in Staatsbriefe 7/95, nicht in Sleipnir - kkk
Auch Interventen vor Gericht dürfen nicht so tun, als kennten sie jene nicht, zu deren Gunsten sie sich verwenden. Solange Intervention bloße Taktik ist, muß sie scheitern.
Strategie bedeutet Grundsatzentscheidung. In der Politik kommt es nicht darauf an, daß jemand "zu seinem Recht" kommt, sondern auf sein und seiner Verbündeten Wissen um das Rechte. Es gibt Outcasts, die in Lummerts Urteil einer "Staatsräson" zum Opfer fielen, und es hat den Anschein, daß diese von Fall zu Fall mit der Räson Lummerts zusammenfällt. Das macht nicht glaubwürdig und macht Interventionen prinzipiell unmöglich.**
** Dieser Brief/Artikel war ursprünglich nicht für den kuckuck bestimmt. Knapp spricht von einem "pnk-internen Kommentar". Ich vermute eher einen Leserbrief für Sleipnir. Der Autor zog für die Veröffentlichung im kuckuck den bezeichneten Absatz zurück und ergänzte den Text um die zwei letzten Absätze. Wegen seines Informationswertes auch für kuckuck-Leser wird der zurückgezogene Absatz hier dennoch abgedruckt. H.L./kkk
Interventionen bedürfen einer verläßlichen und starken Basis. Das zionistische Judentum ist eine solche nicht. Und Lummert steht selbst auch nicht auf dieser basislosen "Basis". Er ist, zu seiner Ehre sei's gesagt, ein Dorn im Fleische Judas.
Die Darstellung, wie der Dorn in dieses gelangt und warum um ihn herum eine Entzündung entstand, das wäre die spannendste aller Lummertiaden und eine Selbstbefreiung Horst Lummerts - von Avram Kokhaviv.
Seinen Lesern, wenn nicht sich selbst, ist er das schuldig. Wie wäre denn die Selbstbefreiung der Deutschen zu schaffen von Menschen, die sich nicht befreien von ihren Irrtümern?
Am Anfang und Ende seiner Streitschrift löst sich Lummert vom Niveau seiner Todfeinde, gewinnt wieder Höhe und Überblick.
In "Parthenogenese und die Logik von 1945" erstaunt nur das Datum - es lautet nicht 1933 -, aber er weist damit brillant den Selbstmordtrieb des rassistischen Ultranationalismus nach, wie er sich gestern an den Deutschen bewahrheitet hat und jüngst an den Serben.
Diese Volksdemokraten der rechten Sorte - einig mit den anderen Demokraten in der Steigerung von Selbstbestimmung über Selbstbedienung zu Selbstbefriedigung - müßten vor ihrer Denkverweigerung geschützt werden können.
In "Eine Intifada in den Trabantenstädten?", einer Rezension*** des über die USA, England und Frankreich aufklärenden Buches von Gilles Kepel, kommt Lummert buchstäblich in der letzten Zeile auf das zu sprechen, was einzig Europa mit seiner Spitzenleistung LePen/Schirinowski/Frey vor sich selbst retten kann: den Islamismus.
*** Es war ein längeres Zitat (keine Rezension) aus: Allah im Westen. Die Demokratie und die islamische Herausforderung.
Darüber müßte mit jedermann gesprochen werden, mit Rechten und Konservativen, mit Patrioten, sogar mit Nazis, konzessionslos. Auch zu diesem Aspekt hätte Lummert, wir wissen das, wichtiges auch aus nahöstlicher Erfahrung mitzuteilen. Wird er das jemals tun?
Tarik Knapp, Heppenheim
online-Fassung
kuckuck
feder 8
III. quartal 1996
28. Juni 1996
01. Juli 1996
kokhaviv press:
Horst Lummert in kuckuck (kulikri)
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