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Erkenntnistheorie und politische Praxis - Seit 1973 - Redaktion: Horst Lummert

Buchausgabe:
Horst Lummert in kuckuck (kulikri)
1973 bis 2000 & unveröffentlichte Texte aus 40 Jahren Wüste. Die vielsandigen Vordenklichkeiten des Avram Kokhaviv.
Band 2. Klärungen, Rückblicke und neue Fragen
Herausgegeben von Alexander Becker / Baraq Kokhaviv
© 2000 kokhaviv publications

1982-00-00

Horst Lummert

soft revolution ware

oder alter Nativismus

Von einem weiß ich, daß er nicht geschlafen hat.

Es kann etwas nicht stimmen, schreibt er, wenn auf der einen Seite noch brav gegen Brockdorf marschiert wird, während auf der anderen die EXXON längst aus der Atomwirtschaft ausgestiegen ist (228).

Oder:

... Hadayatullah Jamil (Hübsch) - Sage nicht, das ist ein armer Irrer. Arme Irre sind die Redakteure des Hessischen Rundfunks und die Lektoren bei Fischer und Herr Leinemann vom Spiegel, die das Herzchen vermarkten oder sich auf ihn als Autorität berufen, aber nicht ernst nehmen, weil sie sich Freund Jamil nicht als Erziehungsminister des Freistaates Grünland oder der islamischen Republik Rhein-Main vorstellen können. Und das ist der natürlich schon heute.
Du kannst doch hinsehen, wohin du willst, um ganz andere Ängste zu kriegen als die, von denen in den Gazetten und offiziell die Rede ist.
... Hübsch und Piwitt, das sind Brüder - ich sage dir, wer sich unter denen wohler fühlt in seiner Haut oder sicherer, der hat nicht begriffen, was sich hier bereits wieder zusammenbraut.
Es sind finstere Gesellen, bei denen du auf alles gefaßt sein mußt, selbst darauf, daß sie und nicht die Bachmänner und Pentagon-Kasper es sind, mit denen wir unser nächstes blaues Wunder erleben werden (255 f.).

Jörg Schröder erzählt seine Geschichten diesmal in der Nettelbeckschen Republik (55-60), woraus ich zitierte. Das Ganze ist noch einmal beim März-Verlag erschienen. Jörg Schröder und Uwe Nettelbeck, Cosmic.

Schröder sieht viel, weist zum Beispiel eine verdeckte Zusammenarbeit von stern und tageszeitung nach, erkennt, daß die Medien zu spät informieren und damit ihre Kundschaft aufs "falsche Schwein" loslassen. Informationen sollen eben gar nicht informieren, sondern "Bewußtsein" erzeugen, Nebensachen zur Hauptsache machen, fortlenken von den gesellschaftlichen und weltpolitischen Hauptbrandsachen.

Doch eines hat auch Schröder nicht durchschaut. Er glaubt, na ja, es habe sich halt im Laufe der Jahre so entwickelt - Ostermarsch, Umwelt, Frieden, Grüne, Nationalismus...

Das ist eben falsch. Wer diesen Nationalismus nicht als den Urgedanken der "Bewegung" erkennt, hat auch das andere nicht wirklich verstanden.

Konspiration also?

So kann nur fragen, wer glaubt, der nazistische Machtapparat, dem man derlei natürlich schon zutrauen würde, sei 1945 zerschlagen worden.

Wer die faschistischen Überbleibsel lediglich in ein paar unbelehrbaren Nazis und in der einen oder anderen gesetzlichen und ideologischen Ablagerung bemerken will, macht sich blind.

Die Herrschaftsstrukturen des NS-Regimes leben mindestens "informell" fort. "Konspiration" - das haben die gar nicht nötig!

Konspirativ müßte arbeiten, wer gegen sie was ausrichten will. Ihnen gehört die Öffentlichkeit, alles andere ist ein Sprachproblem.

Der Faschismus hängt fix und fertig im Schrank. Die Bundesrepublik ist kein faschistischer Staat, aber ihr NS-Potential bleibt täglich verfügbar.

Damit kommen wir zur Grundfrage, unter welchen Bedingungen auf das fertige Ding im Schrank zurückgegriffen werden "müßte", und ob das Ding schon so früh fix und fertig wurde und greifbar blieb, weil die Bedingungen für es in Deutschland sich ohnehin beträchtlich von denen in anderen, sonst vergleichbaren Ländern unterscheiden.

Aus einer Zeit marxistischer Analysen wissen wir natürlich, daß der Faschismus etwas mit der Wirtschaft, mit dem Kapitalismus, mit dem Industrialismus zu tun hat.

Als ob dieses Wissen jedoch auf die heutigen Verhältnisse gar nicht anwendbar wäre, fragt niemand nach möglichen ökonomischen Gründen für das, was uns seit einigen Jahren als Ökologie-Frauen-Friedens-Bewegung ins Haus steht, es zum Teil schon besetzt hat, obwohl doch die nationalistischen und faschistoiden Merkmale und Tendenzen dieser Bewegung kaum noch zu überlesen und zu überhören sind.

Diese kollektive Paranoia: die Amerikaner wollen in Deutschland das Inferno herauslassen...

Nicht das Volk, nicht die Mehrheit, aber die Elite hat's geglaubt, dieser Grundstock einer "aristokratischen Demokratie", diese Klügsten im Lande bezeugten vor aller Augen und Ohren ihre große, doch so unglaubliche Dummheit.

Niels Kadritzke weigert sich hartnäckig, zur Aufhellung besagter Hintergründe beizutragen, obwohl er kompetent hiefür wäre.

Den armen Rolf Schwendter hat der kuckuck gerührt, nach fast einem Jahr ringt er noch immer nach Worten. Von ihm werden wir hoffentlich bald hören.

Joseph Huber hat die Situation schnell erfaßt und sich auf die Seite der Elektronik-Konzerne geschlagen.

Meine These ist, daß zunehmend ein Konflikt innerhalb der Industriewelt auftaucht, ein Konflikt zwischen alten, nicht mehr profitablen Technologien und neuen Technologien, die einen zukünftigen, kapitalistischen Wachstumszyklus tragen können. Nach meiner Wahrnehmung wird dieser Konflikt immer stärker.
Man hat auf der einen Seite die alten Raubbaustrategen, zu denen auch die Atomlobby gehört. Diese Fraktion ist sehr viel stärker durch den Staat vertreten als durch die Wirtschaft.
Die Konzerne haben ja ihre Investitionen in die Atomindustrie längst gebremst oder sogar gestoppt, weil sie fürchten, daß sie nicht profitabel sind.
Auf der anderen Seite stehen die neuen Industriellen, die nach dem Motto die Kuh, die man melken will, darf man nicht schlachten an das Problem herangehen und eine technisch intelligente Symbiose mit der Umwelt suchen.
Da kommt ein immer größerer Konflikt, auch innerhalb von Konzernen und Regierungen.
Denn wenn z.B. die Rechnungen der Atomindustrie weiterhin vom Staat bezahlt werden, dann können die großen Forschungs- und Entwicklungsrechnungen anderer Industriezweige künftig nicht vom Staat bezahlt werden.
Das ist ein Zündstoff für die Industrie, den übrigens die Linke und andere oppositionelle Strömungen sich durchaus zunutze machen könnten und auch sollten.
Es ist kein Bündnis auf der Bewußtseinsebene, auf der politisch ideologischen Ebene, aber es ist eine de-facto-Koalition, weil sowohl die Gewinninteressen der neuen, ökologisch angepaßten Industrien als auch die oppositionellen Strömungen in diesem Fall in eine gleiche Richtung wirken, auch wenn das den Beteiligten wechselseitig recht peinlich ist.

Der interindustrielle Konflikt, von dem Huber in einem Interview mit der Zeitschrift links (Nummer 150) gesprochen hat, ist so etwas wie eine Wiedergeburt jener Interessenkollision Anfang der dreißiger Jahre: Brüning oder Harzburger Front - das war damals die Frage.

Daß die "sanfte Revolution" mit der soft-ware-Industrie irgendwie zusammenhängen mußte, das gab einem doch Robert Jungk mit seinen Ideen zu einer Computer-Demokratie bereits in den sechziger Jahren ein, und das hat in Modell-Versuchen, wie sie auch von Schwendter seither betrieben oder angeregt werden, konkrete Gestalt angenommen.

Die Ökologie-Bewegung ist eben auch in starkem Maße eine Massen-Schubkraft zur Förderung kapitaler Interessen der westdeutschen Elektronik.

Der Wüstenbesuch jener Grünen-Delegation mit Schily, Vogt, Schilling bei Ghaddafi tritt aus dem romantischen Zelt hervor und kriegt Hand und Fuß dadurch, daß Libyen - bislang - seine modernsten elektronischen Ausrüstungen aus dem - neutralen - Schweden bezieht.

Eine ausgefuchste marxistische Kritik hätte sich auch der Frage angenommen, ob möglicherweise zwischen dem "sauberen" Siemens-Konzern und der "schmutzigen" AEG ein kleiner Machtkampf stattgefunden habe, bei dem die AEG teilweise auf der Strecke blieb - und ob es sich dabei überhaupt um Marktfragen handelte.

Interindustrielle Konflikte fanden auch schon Ende der sechziger Jahre statt, als Robert Jungk zwischen zwei Konkurrenten geriet. Zur gleichen Zeit sollten AEG-Produktionsstätten von Westberlin ausgelagert werden.

Das Problem sitzt tiefer.

Im Gegensatz zu 1932 - damals war Siemens der profitablen Brüning-Linie zuzurechnen - ist heute gerade die deutsche Elektronik-Wirtschaft im internationalen Konkurrenzkampf zusehends in Schwierigkeiten geraten; durch die Entwicklung der Mikro-Elektronik, wobei die Amerikaner und die Japaner alle anderen weit hinter sich ließen, entstanden in Europa starke Zwänge, aufzuholen - besonders in der Grundlagenforschung.

Die Inanspruchnahme des Staates bei der Finanzierung solcher Vorhaben hat weitgehend zur gegenwärtigen Wirtschaftsmisere beigetragen.

Die der Wirtschaftskrise korrespondierende "grüne" Massenmobilisierung ist vor diesem Hintergrund durchaus alarmierend.

Und Hubers Öffentlichkeitsarbeit für die "profitablen Technologien" und "ökologisch angepaßten Industrien" erscheint dabei wie der Einsatz historisch überholten Spielmaterials.

Mögen also die Interessenhintergründe für Siemens und die AEG, für die E-Produktion und die Stahlkonzerne nicht oder nur zum Teil identisch sein, so trifft dies offenbar auch auf die verschiedenen Strömungen der "Bewegung" zu.

Was zeitweilig unter dem gemeinsamen Banner "ÖKO-PAX" sich fortbewegte, läuft womöglich doch auf verschiedenen Straßen - Umwege immer mit einbezogen.

Als "Friedensbewegung" kämpft sich's vor allem in Richtung Ostblock/Sowjetunion - etwa fürs Erdgas-Röhren-Geschäft - die Stahlmärkte frei.

Als "Ökologiebewegung" richtet's seine Blicke zuerst auf den Binnenmarkt.

Nehmen wir das Beispiel Telearbeit. Man kann, mit Hilfe von Telefon, Bildschirm und Terminal, bestimmte Tätigkeiten wie z.B. technisches Konstruieren, Bürosachbearbeitung oder Schreibarbeiten von der Fabrik und dem Büro nach Hause verlagern.
Das wird bis zu einem gewissen Maß kommen, nicht zuletzt, weil es für alle Beteiligten billiger und auch ökologisch ist.
Dies bringt zweifellos Gefahren größerer Vereinzelung und größerer Abhängigkeiten mit sich, aber auch Chancen größerer Selbstbestimmung, Selbständigkeit und persönlicher Selbstverwirklichung.
Wo soziale Netze schon beschädigt sind, wird der Sozialverfall noch zunehmen. Aber dort, wo Familien-, Nachbarschafts- und Freundschaftsbeziehungen gepflegt werden, kann die Telearbeit auch dazu beitragen, die industrielle Arbeit wieder besser in den sozialen Alltag einzubeziehen.
Die meisten von uns erleben beides am eigenen Leib. Es ist in Wirklichkeit doch so, daß harte und sanfte Wege meistens nebeneinander bestehen.
Man muß für den Himmel kämpfen, damit die Hölle nicht zu stark wird, aber die Welt ist nun einmal ein Himmel-und-Hölle-Spiel,

so Huber.

Nun kommen sie mit der Sprache heraus, definieren ihren subkulturellen Traum von der "Computer-Demokratie" und sagen uns so nebenbei, was es mit ihren Alternativ-Projekten, nämlich als Auffangnetzen für den programmierten "Sozialverfall", denn eigentlich auf sich habe.

Was sie allesamt eint, die sanften Industrien und ihre Propaganda-Softies, das ist der Blick auf den Staat, seine Kassen und Strukturen, sie machen Trouble und Druck, aus der außerparlamentarischen wird eine anti-parlamentarische, aus der "linken" eine rechte Bewegerei, am Horizont die Vision einer "anderen Republik" und im Kopfe der Gedanke an die Abschaffung der Bundes-, ich sage, der Republik überhaupt. Das deutsche Kapital konsolidiert sich wieder einmal.

Ein gewiß nicht bewußtes, aber in der Folge doch sehr wirksames Zusammenspiel von bürgerlichen "Linken" und westdeutscher Industrie ist charakteristisch für die Nachkriegszeit.

Das geht zurück bis auf eine Sozialenquête der Bundesregierung in den fünfziger Jahren, deren Ergebnisse nie veröffentlicht wurden; auf Untersuchungen, die z.B. Ulrike Meinhof durchführte, und die sich auf innerbetriebliche Probleme im Zusammenhang mit Unfall- und Krankenstandsentwicklungen richteten; aus denen die damalige konkret-Redaktion den Schluß zog, daß man's lieber auf sich beruhen lassen sollte, denn Anzeigen standen ins Haus - nicht von der Staatsanwaltschaft, sondern als Werbeaufträge der bundesdeutschen Wirtschaft.

Aus allem entstand beziehungsweise verblieb für die "Linke" eine sogenannte "Randgruppentheorie": man ziehe nur die Hefe aus dem Teig und beende damit den geschnupperten Gärungsprozeß in den Betrieben.

Wir kennen die Wiederholungen nach dem gleichen Muster: steigt aus, bildet Subkulturen! - entkeimt die Arbeiterschaft, rettet das Kapital.

Die Industrie ergänzte solche "Maßnahmen" mit innerbetrieblichen Umstrukturierungen, der Bildung einer breiten neuen Führungsschicht im mittleren Management.

Damit kommen wir auf einen Faktor zu sprechen, der bei der Organisierung des NS-Faschismus sich als grundlegend erwies: das Problem der modernen Mittelschicht flexibler Technokraten und Bürokraten.

In der Weimarer Zeit fand diese "neue Klasse" der Angestellten ihre Phänomenologen und Kritiker, so etwa in Siegfried Kracauer und Alfred Sohn-Rethel.

Sohn-Rethel, der in den frühen Dreißigern im Rahmen des Mitteleuropäischen Wirtschaftstages sozusagen im Braintrust der deutschen Industrie tätig war, hat - 1936 emigrierte er nach England - Zur Klassenstruktur des deutschen Faschismus (Frühjahr 1941) einen wesentlichen Theoriebeitrag geleistet.

Der Glücksfall hatte einen Marxisten, der dem Denken Blochs, Benjamins, Horkheimers, Adornos nahestand, ins strategische Zentrum des NS-Industrie-Imperialismus verschlagen.

Seine Studien sind großenteils bei Suhrkamp herausgekommen - Alfred Sohn-Rethel: Geistige und körperliche Arbeit. Zur Theorie der gesellschaftlichen Synthesis. edition suhrkamp 555 (1972). - Warenform und Denkform. es 904 (1978). - Ökonomie und Klassenstruktur des deutschen Faschismus. es 630 (3. Auflage, 15.-16. Tausend 1981; Erstausgabe 1973). Mit einem Vorwort der Herausgeber: Johannes Agnoli, Bernhard Blanke, Niels Kadritzke, Juni 1973.

Das läßt aufmerken, gewiß.

Agnoli, Blanke und Kadritzke zählen zu jener bürgerlichen Linken, deren Funktion uns immer dann bedenklich erschien, wenn sie sich dem Grundproblem unserer Gesellschaft, nämlich der Klassenfrage näherte.

Nicht nur, daß sie vor den Werkstoren stehenblieb, weil sie den Sprung in die Proletarisierung scheute, nein, sie zog obendrein, wie gesagt, die Hefe aus dem Teig, betrieb also die klassenpolitische Stillegung der Arbeiterklasse.

Man versteht nur zu gut, warum dies kein Streitpunkt werden konnte im Bündnis mit den Vertretern der kleinbürgerlichen Dreiteilungstheorie, jenes Grundsatzes einer "Brüderlichkeit im Betrieb".

In ihrer Einleitung der Herausgeber (Juni 1973) schrieben Agnoli/Blanke/Kadritzke:

Mit Sohn-Rethels Darstellung und theoretischer Reflexion der tatsächlichen Entstehung des deutschen Faschismus ist der Ausgangspunkt für eine die geschichtlichen Unterschiede und die widersprüchlichen Erscheinungen zusammenfassende materialistisch dialektische Theorie des Faschismus erreicht.
Unter Marxisten wird dieser Beitrag die weitere Diskussion über eine materialistische Faschismus-Theorie vorantreiben und darüber hinausgehende Fragen - wie die nach den allgemeinen Bedingungen der institutionellen Strategie des Kapitals in unterschiedlichen Phasen der Klassenauseinandersetzungen - klären helfen.
Gewiß werden sich an Sohn-Rethels Ansatz auch innermarxistische Kontroversen entzünden. Die herrschende Richtung der bürgerlichen Faschismus-Forschung freilich wird mit den folgenden Analysen wenig anfangen können, da sie an einer wirklichen Klärung der geschichtlichen, also über die sogenannte Epoche des Faschismus hinausreichenden Bedeutung des Faschismus nicht interessiert sein kann.

Und die kleinbürgerliche Faschismus-Forschung wird aus den Analysen Schlüsse ziehen, die dem Gegenstand ihrer Forschung mehr dienen als der Forschung im Interesse der Arbeiterklasse - und eben dies liegt in ihrem (Mittel-) Klasseninteresse, wie sich zeigen wird.

Just die "darüber hinausgehenden Fragen" sind für eine proletarische Analyse und Theorie 1983 - fünfzig Jahre danach! - von größter Bedeutung geworden.

Um so mehr, als die Unterscheidung zwischen den aktuellen linken Strategien und rechten Konter-Strategien äußerst schwierig ist, weil Züge und Gegenzüge allesamt auf gleicher mittelständischer Klassen- bzw. Schichtenbasis fungieren.

Die Ausschaltung des Proletariats bei der Suche nach dem revolutionären Subjekt hat selbstverständlich politische Konsequenzen.

Im theoretischen Kontext der außerparlamentarischen Opposition wurde sehr früh genau jene Techno-Intelligenzschicht an die Stelle des Proletariats gerückt und für eine eventuelle Subjektrolle ausersehen, die im "klassischen" deutschen Faschismus, wie auch Sohn-Rethel sehr dezidiert nachweist, die gesellschaftliche Hauptbasis abgegeben hat und deren politisch-paramilitärische Organisationsform die SA war, jenes Instrument, mit dem die Arbeiterbewegung zerschlagen wurde und das nach der Erfüllung dieser Aufgabe beim sogenannten Röhm-Putsch selber vernichtet worden ist ( - das ist ein innerfaschistisches Problem, das uns hier, im Gegensatz zu den Sohn-Rethel-Herausgebern, nicht weiter interessiert).

Wenn ich mich richtig erinnere, war Johannes Agnoli an jener Neu-Identifizierung eines "revolutionären" Subjekts maßgeblich beteiligt.

Die SA rekrutierte sich überwiegend aus Arbeitslosen, aber nicht aus solchen proletarischer, sondern eben vorwiegend kleinbürgerlicher Herkunft.
Erstens fanden sie dadurch billige Kleidung und Schuhzeug und mindestens ein warmes Essen am Tag, zweitens Beschäftigung mit Märschen, Singen, Zusammenstöße und Straßenkämpfe mit Kommunisten, paramilitärische Ausbildung und Soldatenspielen, insgesamt eine politische und kameradschaftliche Betätigung, durch die sie glaubten, ihrem eigenen Schicksal eine Wendung zum Positiven zu geben, ihrer Deklassierung entgegenzuwirken,

lesen wir bei Sohn-Rethel.

Mehr und mehr veränderte sich die Interessenrichtung dieser Jugend. Sie wollte gar nicht mehr ins Geschäft ihrer Väter zurück, weil sie einsah, daß das passé war, selbst wenn es noch einmal saniert würde. Ein Amt dagegen, auf das sie sich durch Mitwirkung an der Hitlerschen Machteroberung ein Anrecht erwarben, versprach anstelle der Proletarisierung eine Herrschaftsstellung über das Proletariat, und das um so eher, je gründlicher sie die Marxisten besiegten (191).

Das außerparlamentarische Stichwort vom "akademischen Proletariat" fällt einem hierbei nicht zufällig ein.

Agnolis Zentralthema seit Jahrzehnten ist die "Transformation der Demokratie" - eine Mischung aus sarkastischer Resignation und dominierendem Wunschgedanken.

In seinen Thesen zur Transformation, ich zitiere aus der SDS-Zeitschrift neue kritik 47, April 1968, holt er sich Rat beim rechtskonservativen Gesellschaftstheoretiker und Mussolini-Berater Pareto. Denn:

Pareto hatte 1922 Mussolini den Rat erteilt, um der Stabilisierung der Macht willen das Parlament in gewandelter Form weiter am Leben zu lassen: Massen, die demokratischen Gefühlen zuneigen, seien am besten durch ein Organ neutralisierbar, das ihnen die Illusion einer Beteiligung an der staatlichen Macht vermittelt.
Nicht die gänzliche Abschaffung des Parlaments mache den Neuen Staat stark, sondern die Verlegung der Entscheidungsbefugnisse vom Parlament in den engeren Kreis nicht öffentlich tagender Eliten.

Wenn auch der Rat, soweit er sich aufs Parlament bezieht, als Vorwand dienen soll, die Beibehaltung parlamentarischer Einrichtungen als gewissermaßen faschistischen Sinns zu denunzieren, so ist der zweite Teil der Empfehlung an Mussolini, nämlich die Entscheidungsbefugnisse "in den engeren Kreis nicht öffentlich tagender Eliten" zu verlegen, genau das, wonach sich offenbar die ganze Neue Linke/Neue Rechte stracks gerichtet hat.

Der systematische Verlust jeglicher Transparenz macht aus der einst linken Politik - sowohl strategisch als auch taktisch-alltäglich - so etwas wie eine mafiöse Machenschaft. Ich führe das auf die beschriebene Klassenlage zurück.

Im selben Heft steht dieser Satz von Bernhard Blanke:

Wir müssen dafür sorgen, daß folgende Hoffnung trügerisch wird: "Viele junge Menschen werden, wenn Dutschkes Mähne plötzlich nicht mehr voranweht, wieder anfangen, nachzudenken..."

Daß dies Nachdenkenswerte nun ausgerechnet die Welt am Sonntag geschrieben hatte, stimmt nachdenklich noch obendrein. Als ob gleich zwei Legenden auf einmal ihren, so oder so wirkenden, Zauber verlören.

Alles Leute vom Fach, auch Niels Kadritzke. Beim Campus Verlag Frankfurt/New York erschien von ihm in der Reihe Studium: Kritische Sozialwissenschaft 1976 - mit einem Editorial von Wolf-Dieter Narr - der Band: Faschismus und Krise. Zum Verhältnis von Politik und Ökonomie im Nationalsozialismus.

Wenn ich kürzlich den Eindruck machte, Kadritzke in Sachen Faschismus (und der Früherkennung entsprechender Tendenzen) belehren zu wollen, so konnte dies gewiß nur eine Täuschung sein.

Als wissenschaftlicher Assistent am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin hatte er bereits zu Beginn der siebziger Jahre, aus welcher Zeit ja auch die Beschäftigung mit Sohn-Rethel herrührt, die Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung und der Weimarer Republik ebenso wie den Nationalsozialismus zu Schwerpunkten seiner Arbeit gemacht.

In einer prinzipiellen Auseinandersetzung mit Reinhard Opitz (ders., Über die Entstehung und Verhinderung von Faschismus), auf die hier nicht näher eingegangen werden soll, schreibt Niels Kadritzke gegen Ende seiner Untersuchung:

Wenn Faschismus als distinkter Begriff also einen Sinn haben soll, muß er sowohl die Entstehungsbedingungen einer faschistischen Diktatur als auch die entsprechenden Formen des politischen Widerstandes gegen eine drohende Faschisierung gerade in Differenz zu anderen, etwa von militärischen Machtgruppen etablierten und ausgeübten diktatorischen Herrschaftsformen erfassen; eine entscheidende und historisch ausweisbare Differenz besteht aber genau in der die gesamte gesellschaftliche Entwicklung und klassenpolitische Konstellation ausdrückenden faschistischen Massenbewegung (183).

Dem stimme ich voll zu. Aber daß er mir nicht zustimmen mag, hat den einfachen Grund: sein analytisches Gerät, das er beim historischen Faschismus so trefflich anzuwenden versteht, rührt er gar nicht erst an, wenn es darum geht, unsere zeitgenössischen "Bewegungen" zu analysieren; da hat er den Denkapparat ausgeschaltet.

Ich erklär's mir mit bündnispolitischen Rücksichten, wie gesagt (siehe hierzu kuckuck 33/34), und seiner Klassenlage.

Damit aber würde sein Marxismus, sein wissenschaftliches Denken zu einem ideologischen, von Fall zu Fall ganz frei nach Opportunität eingesetzten Instrumentarium, Wissenschaft zu falschem Bewußtsein.

Am Kopfe liegt es nicht:

Gerade wenn es bei einer wissenschaftlichen Analyse historisch vergangener Herrschaftsformen darum geht, praktisch-politische Orientierungslinien für die Gegenwart zu gewinnen, die über eine beliebige Begründung des schlagkräftigsten politischen Wortgebrauchs hinausreichen, erscheint mir nach wie vor das Argument zwingend, das Togliatti denen entgegengehalten hat, die den Begriff Faschismus zu Zwecken der Agitation auf jede Form bürgerlicher Reaktion angewendet haben:
Der Faschismus stellt eine besondere, spezifische Form der Reaktion dar, und es ist notwendig, daß wir genau erkennen, was diese seine Besonderheit ausmacht. Man braucht nicht zu meinen, daß diese Untersuchung nur notwendig ist, um zu einer objektiven und wissenschaftlichen Unterscheidung zu gelangen. Sie ist ebenso unerläßlich, um ein politisches Ziel zu erreichen, um genau zu bestimmen, welche Haltung wir gegenüber der gegenwärtigen Form des Faschismus einnehmen müssen und vor allem, wie wir uns in Zukunft, während der Periode der Vorbereitung und Entfaltung einer faschistischen Bewegung, zu verhalten haben (184).
Die Sammlung der machtpolitischen Opposition gegen die Krisenpolitik der Brüning-Regierung, die Formierung einer angeblichen Alternative, setzte die Dinge in Bewegung,

lesen wir weiter bei Alfred Sohn-Rethel.

Die Abwendung von der Weltwirtschaft, auf deren rechtzeitige Erholung sich kein Vernünftiger mehr ernstliche Hoffnung machen konnte, nahm die Gestalt der Parole von der Autarkie an.
Was hieß Weltwirtschaft, was hieß Autarkie?
Aus beiden mußte die Plattform geschaffen werden, auf der eine neue Gruppierung der Industrieinteressen stattfinden konnte, eine Gruppierung, die einer Konzentration aller maßgeblichen Teile des deutschen Monopolkapitals gleichkam.
Dann ließ sich eine Regierung bilden, die die solide Macht in Deutschland vertrat und die hinter die fällige imperialistische Expansion Deutschlands die erforderliche Stoßkraft und die nötige Mobilisierung aller Ressourcen stellen konnte (71/72).
Für den Umschlag in die staatliche Gewaltmethode der absoluten Mehrwertproduktion mußte die Großbourgeoisie zugleich mit der politischen Eigenorganisation des Proletariats die bisherige, zur relativen Mehrwertproduktion gehörige Massenbasis ihrer Herrschaft, vorab Gewerkschaften und Sozialdemokratie, zerschlagen und sie durch eine andere eben die nationalsozialistische Massenbasis ersetzen (97).

Ich komme in diesem Zusammenhang nur kurz auf zwei Wissenschaftler zu sprechen

- den Frankfurter Philosophen Werner Becker und den Paderborner Soziologen Arno Klönne -,

die in zwei Werken

- Die Freiheit, die wir meinen. Entscheidung für die liberale Demokratie (Becker bei Piper, 1982); Lebendige Verfassung - das Grundgesetz in Perspektive (Klönne u.a. bei Luchterhand 1981/Reihe Demokratie und Rechtsstaat) -

zu Verfassungswirklichkeit, demokratischer Legitimation und Grundgesetz Stellung bezogen haben, so Becker mit einem klaren Bekenntnis zur westlichen Demokratie; beziehungsweise eine Neuinterpretation des Demokratieverständnisses anregen, so in den Arbeiten von Klönne, Rasehorn, Rittstieg, H.-P. Schneider, Theo Schiller, Jürgen Seifert, Ekkehart Stein.

Ich empfehle die zwei Bücher zum kritischen Vergleich.

Während Becker die parlamentarische Demokratie der Bundesrepublik für allemal fähig und flexibel genug hält, die gegenwärtigen Krisen zu bewältigen, wie's auch in anderen westlichen Ländern, ohne Grundsatzdiskussion über Parlamentarismus etc., gelingt, spielt z.B. auch Arno Klönne mit dem Gedanken an eine andere Republik.

Solche Erwägungen sind gefährlich falsch, denke ich.

Bedenkt man nun alles in allem, so scheinen heute linke Theoretiker sich bereit zu finden, einem neuen Industriefaschismus gleichsam ein sozialistisches Antlitz zu spendieren - etwa "um Schlimmeres zu verhüten".

Sicher ist, schreibt Sohn-Rethel,

daß, wenn die in der Welt verfügbaren Kapitalreserven einseitig bei der Bourgeoisie bestimmter Länder konzentriert sind und von hier aus ihre Funktion als Investitionsmittel höchstens noch in ihrem eignen Währungsgebiet, für die anderen Industriestaaten aber nicht mehr erfüllen, diese Industriestaaten, sofern in ihnen trotzdem der Kapitalismus fortbesteht, keine relative, sondern nur noch absolute Mehrwertproduktion betreiben können. Dies ist in Deutschland, in Italien und, cum grano salis, in Japan geschehen und macht eben den Übergang dieser Länder zum Faschismus aus (121).
Erfolgreiche Konkurrenzkämpfe auf dem Weltmarkt lassen sich beim heutigen Stande der Produktivkräfte in selbständiger kapitalistischer Stellung nur noch veranstalten, wenn man über ein sehr weiträumiges und aufnahmefähiges Hinterland als Binnenmarkt verfügt, auf dem man, dank monopolistischer Alleinherrschaft, den größeren Teil der Produktion zu Überpreisen absetzt, um den kleineren Teil zu Unterpreisen in den Weltmarkt zu pressen. Industrien, speziell Investitionsindustrien, mit kleinem Monopolmarkt und großer Exportabhängigkeit, d.h. mit großem Konkurrenzmarkt, gehen auf die Dauer kaputt oder geraten unter fremde Kapitalherrschaft (86).

Damit aber schleichen sich nichtökonomische Argumente in die Diskussion ein. Was heißt "fremde Kapitalherrschaft"?

Für den Arbeiter ist jede Kapitalherrschaft "fremd". Wie "fremd" ihm die "eigenen" Kapitalherren sind, hat er jüngst wieder erlebt, als die "deutsche" AEG "fremde" Kaufangebote aus England zurückweisen "mußte" - aus "nationalen" Gründen und auf Kosten der Arbeiter, die dann entlassen wurden.

Die Politik der antikapitalistischen Kräfte, auch die der Kommunistischen Partei, basierte auf der Annahme, daß auf kapitalistischer Grundlage die politische Macht letzten Endes den finanziell intakten Teilen des Monopolkapitals zufallen würde, zufallen müsse.
Die Rede vom bankrotten Kapitalismus, die im kommunistischen Denken geläufig war, meinte - und meint es noch heute - , daß der Kapitalismus als Wirtschaftssystem liquidationsreif war, und nicht etwa, daß der Kapitalismus als bankrotte Ökonomie fortexistieren könnte, nämlich eine Existenz nach den Regeln des Bankrotts führen werde (68).
Die Konstellation summierte sich in dem Fazit, daß die ökonomisch intakten Teile der deutschen Wirtschaft politisch paralysiert waren und nur die ökonomisch paralysierten Teile politische Bewegungsfreiheit besaßen. Und von dieser Bewegungsfreiheit wurde von allen defizitären Elementen nachhaltiger Gebrauch gemacht (69).

Das ist der eine wesentliche Punkt, den Sohn-Rethel für eine realitätsgerechte Faschismus-Analyse herausgearbeitet hat: die Bestätigung, daß nicht das Kapital schlechthin, sondern das kaputte Kapital, daß die defizitären Industrien, daß, mit anderen Worten, die ökonomischen Pleitegeier sich zum "nationalen" Adler aufgeplustert hatten.

Der zweite Punkt:

... die mittleren und unteren Angestellten waren die, für die das Parteiabzeichen Glaubenssymbol war und die den charakteristischen, fast unverkennbaren Nazigestus hatten. Und unter ihnen waren die Angehörigen der neuen Intelligenz die Strammsten, die eigentlich Rabiaten... Sie nahmen im Produktionsgetriebe der Gesellschaft eine Stellung ein, die spezifisch und dezidiert genug war, um Klassencharakter zu haben (196).

In einer Fußnote geht Sohn-Rethel dann auf das Problem ein, das inzwischen zum Gegenstand seiner erkenntnistheoretischen Arbeiten wurde. Er führt die besondere Herrschaftsfunktion der "neuen Intelligenz" auf die Teilung der Arbeit in "geistige" und "körperliche" zurück, darauf nämlich, daß die Angestellten den Arbeitern die "Kopfarbeit" weggenommen haben; dadurch werden sie automatisch zu deren Diktatoren.

Das ist völlig korrekt, darf aber nicht zu dem Trugschluß führen, die Arbeiter verlören damit zugleich ihren Kopf, das heißt, den Durch- und Überblick.

Die Produktionszusammenhänge bleiben ihnen klar, Mitdenken kann ihnen nicht verboten werden und wird in Störungsfällen auch gern in Anspruch genommen, wenn es sich äußert.

Die tägliche Praxis zeigt freilich eher die Neigung, das - prinzipiell unerwünschte - Wissen auch im "Notfall" nicht preiszugeben und den "Vorgesetzten" einfach "auflaufen" zu lassen.

Faschismus, das ist der hysterisierte Kapitalbankrott, die absolute Mehrwertproduktion: dies aber ist der totale Krieg gegen die Arbeiterklasse, die restlose Ausschaltung ihrer Organisationen, die Beseitigung ihrer Tarifautonomie, des Rechtes auf Streik, freie Vereinigung, Demonstration...

Es ist die Mobilisierung, Ideologisierung und Militarisierung von "Massen" im Dienste einer heruntergewirtschafteten Sache, an der nichts weiter hängt als das Besitz- und Herrschaftsinteresse von Cliquen, Klüngeln, Clans...

Die drei Herausgeber schreiben in ihrem Vorwort:

Wichtigster Punkt einer allgemeinen Faschismus-Theorie wird dabei die adäquate Einschätzung des Zwangs zur Integration der Arbeiterklasse sein, der zum wesentlichen, von Staats wegen zu lösenden Problem der Kapitalreproduktion geworden ist, seit es eine Arbeiterbewegung gibt und erst recht seitdem diese sich in einem Lande auf revolutionärem Wege durchsetzen konnte (23).

Was soll man dazu sagen?

Ihre inadäquate Theorie bringt die Mittelstandslinken schließlich zur Einsicht in ihre - jener der "neuen" Betriebsintelligenzen freilich adäquate - Funktion.

Der Industriefaschismus - unter welchem Namen auch immer - ist die politische Herrschaft des ökonomischen und geistigen Bankrotts. Da gibt's nur noch "Führungsprobleme".

Die vergangenen Jahrhunderte weisen es aus: die Geschichte der zwei schöpferischen Klassen des Industriezeitalters, d.h. des Großbürgertums und des Proletariats...

Beide leben vom Internationalismus und aus der bürgerlichen Demokratie. Dagegen meint Agnoli:

Die von Friedrich Engels entwickelte Perspektive kehrt sich derart um: die bürgerliche Republik, nach Engels die beste Form für die offene, unter Umständen sogar friedliche Austragung des Klassenkampfes...

Dabei ist es geblieben bis auf den heutigen Tag - für die proletarische Klasse, Johannes Agnoli!

Da kehrt sich nichts um - außer der revolutionären Tendenz in der mittelständischen Theorie.

Die Verwicklung mit dem Kleinbürgertum ist ein proletarischer Fehler, der immer teuer bezahlt werden mußte in Deutschland. Mit unseren Klassenfeinden werden wir schon fertig, keine Sorge. Nur solche Freunde haltet uns vom Leibe!

Aus allem folgt: bankrotte Industrien sind nicht zu nationalisieren, sondern zu internationalisieren.

Eine Grobformel dies, damit einmal klar wird, welche Richtung die Klassengeschichte im Auge behalten muß, soll's nicht ein Rückschritt in nationale Enge und zivilisatorische Finsternis werden.

Die nationale Frage ist hier immer nur eine Frage des nationalen Klassenkampfes, der klassenpolitischen Auseinandersetzung im eigenen Haus.

Wer den Kapitalismus historisch überwinden will, darf nicht mit dessen kranken Gliedern die gesunden bekämpfen, er muß ihn auf die Spitze treiben.

Das Proletariat belegt seine historische Reife, indem es sich den heutigen "Bewegungen" ebenso verweigert wie dem Hitler-Faschismus.

Vielleicht wird ihm das eines Tages doch angerechnet, wer weiß.

kuckuck 37/38/39
1982/83, Herbst/Winter/Frühjahr
27. November 1982

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Horst Lummert in kuckuck (kulikri)

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