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2008-07-12

Tor Weilach

Poetische Erinnerungen

Peter Rühmkorf, 1929 geboren, ist kürzlich verstorben.

Die bürgerlichen Feuilletons überschlugen sich bei der Verabschiedung eines «ganz Großen», der «einfach alles konnte».

Ich mußte mich erst wieder erinnern.

Ich kenne ihn zunächst aus der Zeitschrift «konkret», dann nach seinen, des Rowohlt-Lektors, beim Rowohlt-Verlag gebundenen Gedichten.

Linksbürgerliche Schickeria, HJ-(Führer-)Generation.

Er schrieb nichtssagend gut, fand ich damals.

Seine Sprache verstand es, Dinge zu benennen, ohne das Salz zu verstreuen.

Verglichen mit den Röhls und Meinhofs sehe ich bei ihm kein existentielles Risiko.

Strittmatter, Grass, Jens, was für Geschichten!

Schriftsteller, die nicht in Staats- oder Partei-Diensten schrieben plus schreiben, hatten und haben eine größere Chance, von mir gelesen zu werden.

Schlimm wird es erst, wenn man's nicht wußte, daß sie es taten oder getan hatten bzw. anderweitig etatistisch verflochten waren.

Die deutschen Intellektuellen zeigten eine merkwürdige Affinität zum «realen Sozialismus», was sie automatisch zu Antidemokraten machte und wohinter sie das alles gleich auch verbergen konnten.

Denn Sozialismus ist was für die kleinen Leute.

Eine Zeitlang galt es als schick, sich fürs Proletariat zu engagieren.

Wann war das, wann war es gewesen, wann wird's wieder mal sein?

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