2005-09-07
Angela Merkel
Die Freude über Merkels Medienerfolge gegen Schröder hält sich in Grenzen.
Beider Kinderlosigkeit ist symptomatisch und von kulturgeschichtlicher Bedeutung, sollte aber parteipolitisch nicht ausgeschlachtet werden.
So ist zu vermerken, daß die traditionell konservative und familienfreundliche CDU der traditionell familien- und kinderfeindlichen SPD samt grünen Partnern ein paar willkommene Vorwände geliefert hat, sich - flott nach «Heuschrecken»-Jäger Müntefering - als «konservative Linke» neu zu definieren.
Natürlich kann die christdemokratische Kanzlerkandidatin ihr Privatleben nach Belieben so oder so gestalten; einer ideologisch von vorn herein der Familie abgeneigten Politikerin aus SPD oder Grünen bliebe der Vorwurf prinzipieller Inkonsequenz hierbei allerdings erspart.
Wer die Macht der Rot-Grünen auch aus den genannten Gründen beendet sehen möchte, kann nicht eben glücklich darüber sein, nun eine «schwarze» Kinderlosigkeit vorgesetzt zu bekommen.
Angela Merkel ist - offen ideologisch - keine Feministin, doch gerade darum angreifbar, wie sich nun zeigt.
Die taktlose Linke wird keine Gelegenheit auslassen, um in diese und jede andere sich bietende Kerbe zu hauen.
Die sogenannte Linke - insgesamt - ist klassenpolitisch keineswegs diffus, sondern Neue Mitte pur.
Alle Parteien - von CDU/CSU, über FDP, SPD, Grüne bis Linke.PDS - sind personell antiproletarisch festgelegt.
Die kokhavisch regelmäßig erinnerte und eingeforderte Proletarität kann sich heute in der parteipolitischen Landschaft und Praxis allenfalls dialektisch verhalten, indem sie nämlich den nominellen Klassengegner stärkt, um die falschen «linken» Freunde zu bekämpfen.
Mit solchen «Freunden» brauchst du nämlich keine - explizit faschistischen - Feinde mehr.
Angela Merkel mag einmal als die Jeanne d'Arc der neuen Deutschen in die Annalen eingehen; die Taktikerin Merkel, die ihren Ziehvater Kohl und ihren Parteifreund Hohmann fallen ließ, um für übergeordnete machtpolitische Ziele freie Hand zu bekommen, ist mittlerweile auf Freunde angewiesen, die sie nun ihrerseits als Instrument gegen «Gegner und Feinde» benutzen.
Hi, Angie, und willkommen im Club!
Siehe auch:
- Gutz Gauch: Mit dem Mädchen gegen die Soziale Marktwirtschaft
- Koresh Kukafka: Brecht die Macht der Kinderlosen!
- Felix Pech: Verhindert Merkel und Schröder! Fast programmatisch
- Avram Kokhaviv: Das leicht Ergründbare wird zur Lüge nur unter Hysterikern. Die Deutschen - ob Juden oder Nichtjuden - schaffen es einfach nicht, die Geschichte so zu nehmen, wie sie sich ereignet hat
- Horst Lummert: Konsequenzen
- Kafka Bar Linah: Zurück, wenn sich nichts ändert. Dennoch scheint der Schröder einem Genius zu folgen
- Sam Wonder: Die nachgewachsenen Zähne. Angriff zur unrechten Zeit