2005-11-05
Erdogan an Quasi Modo in Paris
Quo vadis?
Die sozialen Unruhen in Frankreich haben eine besondere Qualität.
In ihnen trifft zusammen, was möglicherweise eine neue Perspektive für Europa eröffnet.
Was bei den Kokhavim offene Türen einrennt, ist gleichwohl neu in der allgemeineren Betrachtung.
In knapp zwei Wochen wird aus einem lokalen Zwischenfall ein nationaler Flächenbrand.
Das soziale Pulverfaß hatte offenbar nur noch des Funkens bedurft.
Die Medien sprechen von Jugendlichen, von armen und arbeitslosen Jugendlichen, dann von Jugendlichen aus Migrantenfamilien, bald endlich von Zuwanderern aus Afrika, wobei wiederum geteilt wird in Schwarzafrikaner und Nordafrikaner, also Araber.
Man sagt nicht gleich offen heraus, daß es sich um junge Muslime handelt, was allerdings auch die mediale Zurückhaltung erklärt; wer dächte nicht sogleich an Al Qaida, Islamismus und Terrorismus.
Mit der Ausbreitung der Unruhen über ganz Frankreich mochten die etablierten Meinungsmacher sich nicht sofort anfreunden; denn Deutschland ist nah, und auch hier gibt es soziale Brandprobleme und natürlich eine Menge Moslems.
Die französische Intifada zeichnet sich als proletarisch/subproletarisch und zugleich islamisch aus.
Der Islam scheint zunächst nur eine geringe Rolle zu spielen, ist indessen für die Vorurteilsstruktur der Mehrheitsgesellschaft konstitutiv.
Was der Staat mit seinem Kopftuchverbot angerichtet hat, ist ihm «vielleicht» nicht bewußt - will man nämlich nur keine provokative Absicht unterstellen, wozu ich allerdings neige, denn die Herrschenden sind nicht dumm, sie wissen ihr Handeln abzuschätzen.
Böse Absicht darf und muß angenommen werden, nur so wird die Lage transparent.
Es ist immer gut, nicht an Zufälle zu glauben.
Eine für ganz Europa typische, in Stufen sich abzeichnende vorrevolutionäre Grundsituation reicht allerdings noch nicht aus, um an einen nachhaltigen sozial-revolutionären Erfolg auch nur denken zu können.
Die Hydra ist gewiß weltweit in Schwierigkeiten und räumt noch schnell ab, was sich abräumen läßt; aber sie ist auch auf die kommenden Kämpfe vorbereitet, davon ist aus zu gehen.
Womit niemand rechnete, zeichnet sich ab:
Die Basis für einen sozial-revolutionären Islam in Europa.
Der Druck der europäischen Staaten wird dafür sorgen, daß die jugendlichen Aufrührer sich auf ihre seelische und geistige Heimat im Islam rückbesinnen.
Der Ruf Allah'u Akbar! ist bereits zu hören.