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Die Freiheit ist unsere Sicherheit

2002-05-24

Sam Wonder

Der Abschiedsbesuch des Präsidenten

Welcome, Mister President!

Der gestrige Berlin-Abstecher des US-Präsidenten George W. Bush hat, möchte ich sagen, eine besondere geschichtliche Qualität. Seine Rede vor dem Berliner Bundestag war als eine historische Rede angekündigt worden. Der amerikanischen Seite lag daran, dies wiederholt zu betonen. Es waren aber die Formen, die die Geschichte markierten.

Die äußeren Umstände des Besuchs waren eine Häufung vermeidbarer Peinlichkeiten. Da sie nicht vermieden wurden und man nicht einfach unterstellen kann, daß die deutschen Politiker und ihre Medien noch dümmer als ihr Ruf sind, möchte ich vermuten, daß sich damit eine rüde Absicht verband.

Laura Bush, die Frau des Präsidenten, sagte bei ihrer Ankunft aus Prag, sie verstehe nicht, daß man den amerikanischen Präsidenten in Deutschland so empfange.

Tatsächlich fanden die kompromittierenden Ereignisse nicht nur auf der Straße bei der Randale statt, es war auch nicht der parlamentarische Affront der PDS-Abgeordneten, die während der Rede des Präsidenten ein Plakat hochgehalten haben sollen, etwa des Inhalts: stop your wars!

Der offensichtliche und skandalöse Affront ging vom Bundespräsidenten aus. Johannes Rau machte eine unglückliche Figur, wenn man nicht glauben möchte, daß er dieses diplomatische Desaster bewußt inszenierte. Ich glaube das aber.

Ich glaube nicht, daß die seltsame Szene im Schloß Bellevue nur ein kleiner Patzer war: Der Fototermin fand in Tante Emmas guter Stube auf dem Sofa vor dem Wandgemälde statt. Bush saß bereits, Rau kam nach, da erschien im Bild ein junger Mann und brachte einen kleinen Tisch, den er ein paar Meter vom Sofa abstellte.

Man muß sich das vorstellen: Der Präsident der Weltmacht USA beim Möbelrücken in der Residenz des deutschen Bundespräsidenten.

Wir wissen nicht, was die beiden Präsidenten besprachen. Rau wollte mit dem Amerikaner "Tacheles reden", wegen dessen Umweltpolitik und Ablehnung eines internationalen Gerichtshofs. Sichtbar wurde aber bei der Empfangszeremonie vor dem Schloß das flapsige Benehmen des Deutschen. Als die amerikanische Hymne gespielt wurde, wandte sich Bundespräsident Rau demonstrativ von seinem hohen Gast ab, der, die Rechte auf dem Herzen, Amerika, das amerikanische Volk und seine Demokratie ehrte. Gastgeber Rau verletzte die einfachsten Regeln des Anstands.

Aber natürlich ist das kein privater faux pas, sondern eine politische Geste, mithin um so schlimmer.

Deutschland wendet sich in der Person seines höchsten Repräsentanten von Amerika ab.

Wem wendet es sich zu?

Rau schaute nach dem Osten. Im Osten liegt Rußland. Es könnte nun sein, daß Deutschland mit dieser Wendung zu spät kommt, weil der amerikanische Präsident das Ruder in die Hand genommen und genau diese Richtung eingeschlagen hat.

Außenminister Fischer scheint das im selben Augenblick begriffen zu haben.

George W. Bush machte auf dem Wege nach Moskau und Petersburg in Berlin nur einen kurzen Abstecher.

Die abgenutzte Institution der NATO hat er den Europäern wie einen lästigen Schwarzen Peter hier zurückgelassen. Abzuwarten ist die künftige Rolle Frankreichs.

Als Präsident Bush seine Rede vor dem Deutschen Bundestag, in der er den Bundespräsidenten mit keinem Wort erwähnte, beendet hatte, verabschiedete er sich mit einem freundlichen Handwink ins Plenum und ging zur Seite ab.

Der amerikanische Präsident verließ die Berliner Bühne ohne persönlichen Händedruck mit den Repräsentanten der deutschen Politik.

Dies war ein erstes Echo auf die wenig zivilisierte Behandlung des US-Präsidenten durch die Vertreter des Kultur-Volks der Dichter und Denker.

Bundeskanzler Schröder und Bundestagspräsident Thierse haben als sprichwörtliche Ausnahmen die Berliner Regel nur bestätigt.

Irgendwie werde ich allerdings das Gefühl nicht los, daß George W. Bush mit fein abgestimmtem Benehmen den Deutschen eine Lektion erteilte und zugleich seine politischen Absichten verbarg.

Falls Porzellan zerbrach, geschah es nicht gegen die weiterreichenden Interessen Amerikas, meine ich.

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